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Chinas Avancen in Grönland provozieren Widerstand

Eine Grossbaustelle in der Arktis bekommt weltpolitische Bedeutung: Dass eine chinesische Firma in Grönland Flughäfen bauen könnte, alarmiert Dänemark und die USA.
Niels Anner, Kopenhagen
Ein Forschungscamp in Grönland in der Nähe von Kangerlussuaq. (Bild: Martin Zwick/Getty)

Ein Forschungscamp in Grönland in der Nähe von Kangerlussuaq. (Bild: Martin Zwick/Getty)

Wer hat das Sagen im grössten Infrastrukturprojekt in der Geschichte Grönlands? Zuerst warnte der dänische Ministerpräsident Lars Lökke vor dem Einfluss Chinas. Kurz darauf berichtete sein Verteidigungsminister Claus Frederiksen in diplomatischen Worten, was ihm sein US-Amtskollege im Pentagon über die Pläne für drei neue Flughäfen auf der grössten Insel der Welt gesagt hatte: «Chinesische Investitionen in Grönland geben den USA sehr zu denken.»

Lökke kündigte an, er werde demnächst mit der grönländischen Regierung die «aussenpolitische Bedeutung» des Themas besprechen. Das heisst im Klartext: Dänemark sieht sich zuständig. Denn das kleine Land bestimmt nach wie vor über die Aussen- und Sicherheitspolitik seiner ehemaligen, heute teilautonomen Kolonie.

Rohstoffvorkommen im Visier

Für die grönländische Regierung dagegen ist klar: Sie will selber über ihre Infrastruktur und damit die neuen Flughäfen entscheiden, um Handel, Transport und Tourismus anzukurbeln. Heute können in Grönland einzig im Dorf Kangerlussuaq Langstreckenmaschinen landen; von dort geht es mit kleineren Flugzeugen oder Helikoptern weiter. Strassen gibt es ausserhalb der Ortschaften keine. Die neuen Flughäfen dagegen böten Direktverbindungen nach Übersee.

Doch das Problem ist nun, dass sich für den Millionenauftrag erstmals auch ein chinesisches Unternehmen bewerben darf. Der Konkurrenz, Firmen aus den Niederlanden, Kanada und Dänemark, graut es davor. Sie befürchten, einen «unfairen Wettbewerb» gegen das Staatsunternehmen sowie Lohndumping. «Die Chinesen haben aus strategischen Gründen grosses Interesse, die Konkurrenz zu unterbieten, um in Grönland Fuss zu fassen», sagt auch der Politologe Jon Rahbek-Clemmense.

Denn das rohstoffhungrige China fokussiert immer stärker auf die Arktis, wobei es primär um Öl, Gas, Mineralien, Fischerei und Seerouten auf einer «Polar-Seidenstrasse» geht. Grönland, das in Zukunft die volle Unabhängigkeit von Dänemark anstrebt und unter dem schmelzenden Polareis über enorme Rohstoffvorkommen verfügt, wird dabei als ideales Ziel angesehen – oder als «leichte Beute», wie es der Präsident der dänischen aussenpolitischen Parlamentskommission nannte. Der dänische Geheimdienst warnte letztes Jahr vor chinesischen Investoren, da diese meist enge Verbindungen zur Regierung haben. Es bestehe gerade in Grönland mit seinen bloss 57 000 Einwohnern die Gefahr politischer Einflussnahme.

China investiert bereits in drei Minenprojekte, die sich allerdings noch in der Planungsphase befinden. Pläne, Tausende chinesische Arbeiter einzufliegen, bestehen deshalb erst auf dem Papier. Seit 2016 gibt es ein bilaterales Abkommen zur Erforschung von Klima, Gletschern und Geologie, und das chinesische Polarinstitut hat ein Projekt für eine grönländische Forschungsstation aufgegleist, die alle bestehenden in den Schatten stellen würde.

Die grönländische Regierung fördert diese Vorhaben ausdrücklich. In Kopenhagen schrillen dagegen die Alarmglocken: Der wachsende Einfluss der asiatischen Grossmacht bedroht nicht nur ökonomische Interessen Dänemarks, sondern auch sicherheits- und aussenpolitische – und nicht nur die eigenen. Die Insel, die 98 Prozent des dänisches Territoriums ausmacht, ist für das Nato-Land – mit Russland als direktem Arktis-Nachbarn – strategisch enorm wichtig.

Dänemark exportiert Windturbinen

Zudem lässt Dänemark die USA Militärbasen in Grönland betreiben, die für den US-Raketenabwehrschild zentral sind. Eine chinesische Forschungsstation, mit der sich die Region überwachen liesse und von der aus Drohnen starten könnten, würden die USA, so sind Experten überzeugt, ebenso wenig akzeptieren wie grosse chinesische Investitionen, sprich Einfluss in Grönland. Der US-Verteidigungsminister wird dies seinem dänischen Amtskollegen Frederiksen unter vier Augen in aller Deutlichkeit gesagt haben.

In Grönland dagegen kommt die dänische Einmischung gar nicht gut an. Kopenhagen mische sich in interne grönländische ­Angelegenheiten, schimpfte die Aussenpolitikerin Alequa Hammond. Zudem seien die Dänen scheinheilig: Sie selber hofierten China, um Windturbinen, Milch und Würste exportieren zu können. Darin, so Hammond, sehe offenbar niemand ein aussenpolitisches Problem.

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