China setzt Einkaufstour fort

Die Serie milliardenschwerer Übernahmen von Schweizer Unternehmen durch chinesische Konzerne reisst nicht ab. Ein Ende des Trends – mit dem aktuellen Beispiel der Gategroup – ist nicht in Sicht.

Christian Hunkeler/sda
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BERN. Das Übernahmeangebot in Höhe von 1,4 Mrd. Fr. für die angeschlagene Gategroup (siehe Artikel rechts) ist die neuste Schlagzeile von in der Schweiz geschäftenden chinesischen Investoren. Zuletzt hatte der Thurgauer Trinkflaschen-Hersteller Sigg verkündet, künftig mit einem neuen chinesischen Besitzer tätig zu sein. Rekordhohe 44 Mrd. Fr. bietet zudem die chinesische Staatsfirma Chem China für das Basler Agrochemie-Unternehmen Syngenta.

Allein im vergangenen Jahr tätigten sechs chinesische Unternehmen in der Schweiz Käufe oder beteiligten sich an Schweizer Unternehmen. Damit liegt die Schweiz europaweit auf Rang neun, wie eine im Februar veröffentlichte Studie des Beratungsunternehmens EY zeigt.

Ganz oben auf der Agenda

Der Kauf ausländischer Unternehmen steht seit einigen Jahren ganz oben auf der Agenda von chinesischen Investoren. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe, wie Stephan Oehen, Chef des Beratungsunternehmens Invest, auf Anfrage sagt. Erstens seien die meist staatlichen Konzerne von der Regierung angehalten worden, gezielt im Ausland zu expandieren. Zweitens ergebe sich für chinesische Investoren durch Übernahmen die Möglichkeit, sich wichtiges Know-how anzueignen, erklärt der Spezialist für Handelsfragen Schweiz–China.

Mehrere Trends erkennbar

Bisher sei es vorwiegend in zwei Bereichen zu Übernahmen gekommen: bei spezialisierten Nischenanbietern der Industrie und im Luxusgütersektor. So verkaufte beispielsweise der Industriekonzern OC Oerlikon vor drei Jahren gut die Hälfte seiner Textilmaschinensparte für 650 Mio. Fr. an die Jingsheng-Gruppe. Und seit dem Jahr 2011 gehört die Uhrwerk-Produzentin Eterna im solothurnischen Grenchen der chinesischen Haidan-Gruppe. Weitere ähnliche Übernahmen folgten.

Ausser der Zunahme von Firmenkäufen durch chinesische Investoren sind laut Oehen in der Schweiz zwei weitere Trends feststellbar. Einerseits würden die Übernahmen immer grösser, in der Anfangsphase seien meistens zweistellige Millionensummen bezahlt worden. Andererseits stammten immer mehr Investoren aus Festlandchina, nachdem zu Beginn vor allem Anleger aus Hongkong in der Schweiz investiert hätten.

Viel Liquidität vorhanden

Laut Oehen dürfte es sich erst um den Anfang einer chinesischen Expansionswelle im Ausland handeln. In China sei trotz des verlangsamten Wirtschaftswachstums viel Liquidität vorhanden, um kräftig im Ausland zu investieren.

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