China investiert in Nordkorea

Die Nachfolgewirren um Nordkoreas Führer Kim Jong Il und Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verdecken eine dramatische Wende. China startet mit einem massiven Übernahmeversuch der nordkoreanischen Wirtschaft.

Jan Höhn
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Herstellung von Textilien im Osten Pjöngjangs: Nordkoreas Wirtschaft erhält Hilfe vom Nachbarn China. (Bild: epa)

Herstellung von Textilien im Osten Pjöngjangs: Nordkoreas Wirtschaft erhält Hilfe vom Nachbarn China. (Bild: epa)

Hongkong. Anfang Mai erfreute sich Nordkoreas Führer Kim Jong Il bei seinem Besuch in Peking einer Vorzugsbehandlung. Er traf nicht nur Präsident Hu Jintao und Premierminister Wen Jiabao, sondern alle neun Mitglieder des ständigen Komitees des Politbüros der kommunistischen Partei Chinas. Der Grund? Es ging um eine Entscheidung, die Hu und Wen nicht bereit waren, alleine zu schultern: Der massive Vorstoss chinesischer Unternehmen in Nordkorea.

Willy Lam, Asien-Spezialist der Jamestown Foundation, spricht von nicht weniger als einem «chinesischen Übernahmeversuch der nordkoreanischen Wirtschaft».

Die dramatische ökonomische und konjunkturelle Talfahrt Nordkoreas und die im Dezember fehlgeschlagene Währungsreform hatten laut Lam und anderen Insidern Kim dazu gezwungen, das Autarkiemodell «Juche» endgültig aufzugeben und auf den Kurs der chinesischen wirtschaftlichen Entwicklung einzuschwenken.

Die gescheiterte Währungsreform hatte dem durchschnittlichen nordkoreanischen Monatslohn von 2500 Won auf dem Schwarzmarkt einen Gegenwert von noch 1 $ beschert.

Zugang zu Bodenschätzen

Die jetzige Hilfszusage an Pjöngjang war nicht kostenfrei. Wie es aussieht, handelte Peking Kim den weitgehenden Zugang chinesischer Firmen vor allem zu nordkoreanischen Bodenschätzen von Kohle über Eisenerz und Kupfer bis zu Zink und Graphit ab.

Zudem wurde vereinbart, die Sonderwirtschaftszone Rajin-Sonbong an der chinesischen Grenze in eine gewichtige industrielle Drehscheibe zu verwandeln. In den 90er-Jahren war ein ähnlicher Versuch gescheitert. Damals verfügte Peking allerdings nicht über die Mittel für grössere Investitionen im Ausland. Heute sieht das ganz anders aus (siehe auch Kasten).

«Natürlich wird diese Öffnung auch bei westlichen Investoren in der Region verfangen, vorausgesetzt, das mausert sich zu einer stabilen Entwicklung», sagt Michael Spencer, Chefökonom Asien der Deutschen Bank in Hongkong. Professor Lim Eul-chul vom Insitute for Far Eastern Studies in Seoul erfuhr in Pjöngjang, dass ausländische Firmen nicht nur in Sonderentwicklungszonen, sondern auch in Städten wie Wonsan oder Nampo erlaubt werden sollen.

Wie passt da der Nuklearstreit mit Pjöngjang ins Bild? «Nur wenn es in diesem Punkt eine Lösung gibt, ist ein Schwenk in Richtung des wirtschaftlichen China-Modells denkbar», sagt Spencer. Peking drängt Japan, Südkorea, die USA und Russland, rasch in eine Wiederaufnahme der Gespräche mit Pjöngjang einzusteigen.

Plan wieder aus der Schublade?

Bei der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA in Wien wird nicht ausgeschlossen, dass das Tauschgeschäft von 2003 wieder aktuell wird:

Das Aus für Nuklearanlagen gegen westliche Öllieferungen und den Bau eines nicht problematischen Leichtwasser-Kernkraftwerkes.