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CHIASSO: Fintech als Hoffnungsträger

Der Tessiner Bankenplatz hat Federn gelassen. Nun will sich der Südkanton im Bereich von Finanztechnologie und Kryptowährungen auf der Achse Zürich–Mailand positionieren.
Gerhard Lob, Chiasso
Blick über Chiasso: in der Mitte des Bildes die Kantonsstrasse, die zur italienischen Grenze führt. (Bild: Francesca Agosta/Ti-Press (17. März 2014))

Blick über Chiasso: in der Mitte des Bildes die Kantonsstrasse, die zur italienischen Grenze führt. (Bild: Francesca Agosta/Ti-Press (17. März 2014))

Gerhard Lob, Chiasso

Zug kennt man mittlerweile als «Crypto Valley»– als Silicon Valley für Kryptowährungen. Chiasso hingegen schmückt sich mit dem Namen Cryptopolis – die Crypto-Stadt. Die Tessiner Grenzgemeinde will sich als Südschweizer Zentrum für die Datenbanktechnologie Blockchain sowie Kryptowährungen positionieren und dabei auch von ihrer strategischen Position an der Grenze zu Italien profitieren.

Die jüngsten Turbulenzen um den Bitcoin mit seiner hohen Volatilität haben die Strategie nicht verändert. «Das Klima hat sich vielleicht etwas abgekühlt, aber die Stossrichtung bleibt», sagt Chiassos Gemeindepräsident Bruno Arrigoni, der für die Grossbank UBS tätig ist. Das einst blühende Bankengeschäft in Chiasso, das zu 90 Prozent von nicht-deklarierten Geldern aus Italien lebte, ist zusammengebrochen.

Steuern können in Bitcoin bezahlt werden

«Wir müssen etwas machen, auch etwas riskieren», meint daher Arrigoni. Und betont, dass es Chiasso nicht allein um Kryptowährungen geht, sondern allgemein um die digitalen Entwicklungen in der Finanzbranche. Rund ein Dutzend Unternehmen sind in diesem Bereich tätig. So hat etwa die Firma Appway im vergangenen Jahr in Chiasso ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum bezogen. Rund 100 Personen arbeiten an neuen Finanzapplikationen.

In der Gemeinde Chiasso können seit diesem Jahr Steuerbeträge in Bitcoin bezahlt werden. Es handelt sich um maximal drei Raten für umgerechnet je 250 Franken. Es ist ein minimaler Betrag, aber es geht wie in Zug vor allem darum, ein Zeichen zu setzen: Chiasso ist krypto-affin. Vor kurzem ist eine erste Bitcoin-Überweisung eingegangen. Einige Start-up-Firmen sind aus dem Grossraum Mailand bereits nach Chiasso gezügelt. Sie schätzen an der Schweiz die klareren rechtlichen Rahmenbedingungen im Vergleich zu Italien. «Wir haben Chiasso vor allem aus regulatorischen Gründen gewählt», erklärte Amelia Tomasicchio vom Start-up Eidoo, das eine digitale Brieftasche für Kryptowährungen entwickelt hat, gegenüber «Cash online». Unter dem Namen Cryptopolis hat sich ein ­Verein gegründet, welcher den Wissensaustausch und das Networking im Bereich von Kryptowährungen und Finanztechnologie fördert. In dieselbe Richtung weist auch der vor wenigen Tagen gegründete Southern Chapter der Crypto Valley Association (CVA). «Bei uns geht es nicht direkt um die Kryptowährungen, sondern um die Förderung der zugrunde liegenden Technologie, der Blockchains», betont CVA-Sprecherin Silvia Vegani.

Das Fintech-Fieber grassiert indes nicht nur in Chiasso. Die UBS hat Mitte Januar angekündigt, in Manno bei Lugano ein Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz, Analytik und Innovation zu schaffen. Die Grossbank will bis zu 80 neue Stellen für hoch qualifizierte Arbeitnehmende im Technologiebereich schaffen und sich so in die Informatikzukunft katapultieren. Ende Monat sollen die ersten Stellen ausgeschrieben werden.

Dies ist ganz im Sinne des Kantons, der die Standortwahl der UBS eng begleitet hat und in der Wirtschaftspolitik ebenfalls auf Fintech setzt. «Das neue Kompetenzzentrum wird Synergien und vielleicht auch Spin-offs schaffen», glaubt der kantonale Wirtschafts- und Finanzdirektor Christian Vitta (FDP) mit Verweis auf die Zusammenarbeit mit der Universität der italienischen Schweiz (USI) und dem weltweit beachteten Institut für künstliche Intelligenz (Idsia).

Zusammen mit der Bankiervereinigung, der Universität und der Stadt Lugano wird das Wirtschaftsdepartement am 20. März in Lugano im Rahmen des Banking Day 2018 den Fintech-Sektor thematisieren. UBS-CEO Sergio Ermotti und Ex-Nationalbankpräsident Philipp Hildebrand, inzwischen Vizepräsident des weltgrössten Vermögensverwalters Blackrock, werden vor Ort sein. Präsentiert wird eine Studie der Wirtschaftsförderung zu den Möglichkeiten und Chancen in dieser Branche. Der Kanton möchte Steuererleichterungen für Start-up-Firmen in dieser Branche gewähren. Gegen das entsprechende Steuerpaket ist allerdings ein Referendum zu Stande gekommen. Ende April wird abgestimmt. Christian Vitta ist überzeugt, dass die Fintech-Industrie nicht nur mit Blick nach Süden arbeiten sollte, sondern auch mit Blick nach Norden. «Dank Alptransit und dem Gotthard-Basistunnel sind wir näher an die deutsche Schweiz gerückt», sagt der FDP-Staatsrat. Das könnte auch Firmen ennet des Gotthards animieren, auf der Südseite der Alpen einen Ableger zu eröffnen. In diesem Sinne ist das laufende Gesuch des Tessins zur Aufnahme in die Standortpromotionsagentur Greater Zurich Area (GZA) zu verstehen. So könnte das Tessin die Bande mit dem Rest der Schweiz festigen und zugleich ein Fenster zum Süden sein.

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