CHEMIE: Clariant-Opposition mit leeren Drohungen

Das Management des Spezialchemiekonzerns Clariant punktet gegen die aktivistische US-Aktionärsgruppe White Tale. An der nächsten Generalversammlung dürften Entscheide fallen.

Daniel Zulauf
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Im Kampf um die Macht bei Clariant hat das Management um Konzernchef Hariolf Kottmann offensichtlich einen Vorteil errungen. Nachdem die Firmenleitung vergangene Woche den Forderungskatalog der oppositionellen US-Aktionäre, die sich in der Investmentgesellschaft White Tale zusammengeschlossen haben, schroff zurückgewiesen hatte, verpassten es die Amerikaner gestern, ihrer Drohung Taten folgen zu lassen. Statt die sofortige Einberufung einer ausserordentlichen Generalversammlung (GV) zu fordern, wie dies White Tale noch Ende Oktober für den Fall einer ausbleibenden Einigung mit Clariant angekündigt hatte, wollen die oppositionellen US-Aktionäre ihre Botschaft nun «direkt» an die Miteigentümer überbringen, wie ­sie mitteilen.

White Tale hatte die umgehende Nomination von drei ihrer Vertretern für den Clariant-Verwaltungsrat verlangt sowie einen unabhängigen Finanzberaters zur Überprüfung aller strategischen Optionen für das Unternehmen mit Sitz in Muttenz. Clariant gestand den US-Aktionären aber lediglich ein Registrierungsverfahren zu, um der ordentlichen GV vom 19. März 2018 einen Kandidaten für den Verwaltungsrat präsentieren zu können.

White Tale zeigte sich gestern «enttäuscht» über die Reaktion der Clariant-Führung. Einmal mehr wies die Investmentgesellschaft auch den von Clariant geschürten Verdacht von sich, man habe bloss die Zerschlagung des Unternehmens im Sinn. Eine in diese Richtung zielende Forderung habe es explizit zwar nie gegeben, räumte Clariant gestern auf Nachfrage ein. «Doch alle Indizien sprechen dafür, das White Tale auf eine Zerschlagung abzielt», schob der Konzern hinterher. «Sie haben keinen Plan, lehnen vertiefte Gespräche über die Strategie ab und sagen selbst, eine Investmentbank solle mit dem Ziel angeheuert werden, möglichst viele Berater an den Tisch zu bringen.»

Seitens White Tale verlautete gestern auf Nachfrage: «Es sieht so aus, als wolle Herr Kottmann den Kampf.» Stattdessen tue «Besonnenheit» not. «Darum wird der Fehdehandschuh nicht aufgenommen.» Der überraschende Rückzieher von White Tale lässt erwarten, dass die nächsten Entscheide in der Clariant-Saga erst am kommenden 19. März an der ordentlichen GV fallen werden.

Daniel Zulauf