CHEFWECHSEL: Der Kapitän geht von Bord

Seit ihren turbulenten Anfängen leitet Adrian Künzi Notenstein La Roche. Nächste Woche weicht er dem früheren Raiffeisen-Mann Patrick Fürer. Und die jüngste Schweizer Privatbank verliert ein Stück ihrer DNA.

Daniel Zulauf
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Patrick Fürer, Finanzchef, stellvertretender Chef und designierter Chef der Privatbank Notenstein La Roche.

Patrick Fürer, Finanzchef, stellvertretender Chef und designierter Chef der Privatbank Notenstein La Roche.

Daniel Zulauf

Die Rochade stellt das vorläufige Ende einer Geschichte dar, die am 27. Januar 2012 in St. Gallen unter chaotischen Begleitumständen begonnen hatte. An jenem Wintertag erfuhren einige Hundert Mitarbeitende der alteingesessenen Privatbank Wegelin & Co., dass sie fortan unter dem Namen Notenstein tätig sein würden und mit der Genossenschaftsbank Raiffeisen eine neue Eigentümerin erhielten. Es war ein Notverkauf, den die Teilhaber der Bank Wegelin um Konrad Hummler und Otto Bruderer buchstäblich um fünf vor zwölf über die Bühne brachten, um ­wenigstens das Schweizer Vermögensverwaltungsgeschäft vor dem Zugriff und der drohenden Liquidation durch die amerikanischen Justizbehörden zu retten. Ins Fadenkreuz der US-Strafbehörden manövriert hatte sich Wegelin nicht nur damit, dass sie – wie fast sämtliche Schweizer Vermögensverwaltungsbanken –amerikanische Steuerflüchtige beherbergte, sondern vielmehr mit der Provokation, dass sie auch jenen Steuerflüchtigen Zuflucht gewährte, die bei anderen Banken nicht mehr willkommen waren. Die beispielsweise von der UBS mit Koffern voll Geld vor die Tür auf den Zürcher Paradeplatz gestellt worden waren.

Adrian Künzi (44) erlebte diese Tage als Teilhaber von Wegelin & Co. an vorderster Front. Doch in seiner Funktion als Chef des Schweizer Geschäfts riskierte er keine Strafklage der US-Justiz. Der Mann war gesetzt, die neue, alte Bank im Auftrag von Raiffeisen in sichere Gewässer zu steuern. Künzi zeigte schnell, dass er mit Notenstein mehr vorhatte als blosse Besitzstandwahrung. Er wollte aus dem Unternehmen «eine der drei besten Privatbanken der Schweiz» formen, was dem ehrgeizigen damaligen Raiffeisen-Chef und Mit­initiator der kühnen Transaktion, Pierin Vincenz, natürlich vorzüglich gefiel. Mit 700 Mitarbeitenden an 13 Standorten im ganzen Land ging Künzi an den Start. 20000 Privat- und Geschäftskunden hatten der Bank ein Vermögen von 21 Milliarden Franken zur Verwaltung anvertraut. Es ging ein Raunen durch die Reihen der vom Steuerstreit eingeschüchterten Privatbankiers im Land. In jenen Tagen, als man sich in der Branche grossmehrheitlich nach hinten orientierte, galten Notenstein und Künzi als Hoffnungsträger.

Unter Künzi ist Notenstein nicht vom Fleck gekommen

2015, als die altehrwürdige Basler Bank La Roche einen neuen Eigentümer brauchte, weil die Teilhaber im Geschäftsmodell mit der unbeschränkten Haftung der Partner keine Zukunft mehr sahen, kam Notenstein zum Zug. Der Deal brachte der Käuferin frischen Schwung und zusätzliches Volumen. Doch Künzi schaffte es nicht, die Vorteile in zählbare Ergebnisse umzumünzen. Vergeblich versuchte die Bank, an Gewicht zuzulegen, um in ihr überdimensioniertes Kleid hineinzuwachsen. Für Raiffeisen blieb das Investment eine Enttäuschung.

Inzwischen zählt die Privatbank Notenstein La Roche lediglich noch rund 400 Angestellte, die Kundenvermögen von 19,4 Milliarden Franken verwalten. Vor Künzi haben schon zahlreiche andere Mitglieder der Geschäftsleitung den Hut genommen. Es war eine Frage der Zeit, bis es auch den CEO erwischen würde.

Der neue Chef Patrick Fürer, der seinen Posten am Montag in einer Woche antritt, stiess zwar erst kürzlich von Morgan Stanley Schweiz zu Notenstein La Roche. In früheren Jahren war er aber als IT-Chef für Raiffeisen tätig. Mit Künzis Abgang verliert Notenstein La Roche ein gutes Stück ihrer noch jungen DNA. Umso gespannter wird man beobachten, wie sich das immer näher an die Eigentümerin rückende In­stitut nun weiterentwickelt.