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CHEFWECHSEL: «Den Werkplatz Schweiz erhalten»

Mit der Pensionierung von Bioforce-Chef Robert Baldinger hat eine 21-jährige Ära ihren Abschluss gefunden. Doch auch Nachfolger Peter Gmünder hält am Thurgauer Standort fest.
Christof Lampart
Alter und neuer Chef: Robert Baldinger (links) und Peter Gmünder vor dem Bioforce-Land. (Bild: Christof Lampart (Roggwil, 6. April 2017))

Alter und neuer Chef: Robert Baldinger (links) und Peter Gmünder vor dem Bioforce-Land. (Bild: Christof Lampart (Roggwil, 6. April 2017))

Christof Lampart

Robert Baldinger, Sie waren über zwei Jahrzehnte lang das Gesicht der Bioforce. Wie ist es nun im Ruhestand, abseits des Rampenlichts?

Baldinger: Sehr gut. Die Pensionierung ist ja kein Schicksalsschlag, auf den man sich nicht vorbereiten kann. Ich habe jetzt Zeit für vieles, das mir Spass macht – und dementsprechend frei gestalte ich meine Tage.

Peter Gmünder, wie hat sich Ihr Alltag seit Robert Baldingers Ausscheidens verändert?

Gmünder: Wir hatten ja noch 16 Monate zusammengearbeitet – und darüber war ich auch froh, denn Bioforce hat ein komplexes Geschäft. Landbau, Forschung, Entwicklung, Marketing und Vertrieb von Australien über Süd­afrika, Europa bis nach Kanada – man braucht einfach die Zeit, um hineinzuwachsen. Diese haben wir gut genutzt.

Was hat seit der Stabsübergabe Ende 2016 geändert?

Gmünder: Die ersten vier Monate waren schon sehr intensiv. Denn es ist ein Unterschied, ob man in einem Betrieb die Nummer eins ist oder im Kielwasser mitschwimmt.

Baldinger: Die Leute schauen nun immer ganz genau hin, was der Peter wie macht. Und vor allem erwarten sie, dass er etwas macht.

Und was haben Sie als Chef der Bioforce bisher gemacht?

Gmünder: Ich führe vieles weiter, was bis jetzt schon die Ausrichtung der Bioforce war: der Erhalt der Arbeitsplätze in der Schweiz. Rund 150 unserer 500 Arbeitsplätze im Dienste von A. Vogel sind und bleiben hier in Roggwil. Wir werden aber noch mehr Synergien mit unserer grössten Tochtergesellschaft in den Niederlanden in Forschung und Entwicklung sowie in der Produktion suchen. Im Weiteren werden wir in Zukunft noch stärker auf unsere Hauptmarken und unsere fünf Tochtergesellschaften in Belgien, Finnland, Frankreich, Kanada und den Niederlanden fokussieren sowie auf die wichtigsten unserer langjährigen internationalen Partner. Ich denke, dass wir in Europa vor allem in Frankreich und Grossbritannien noch ein grösseres Wachstumspotenzial haben, in Übersee in Kanada und Südafrika. In diesen Ländern sind wir schon vertreten.

Hat demnach das Erschliessen neuer Märkte keine Priorität für Sie?

Gmünder: So ist es. Wir fokussieren auf jene Länder, wo wir bereits langjährige Partner haben, und setzen dort auf Wachstum. Wir sind bereits in über 20 Ländern tätig. Das ist doch eine stattliche Zahl für ein Unternehmen unserer Grösse. Bisher haben wir die ganze Währungsthematik – sei es die Aufhebung des Euromindestkurses oder die Folgen des Brexit – so bewältigt, dass wir die grossen Währungsverluste langfristig über ein Mehr an Produktion und Effizienzsteigerungen auffangen konnten. Übrigens sind wir 2016 erfreulicherweise in der Schweiz stark gewachsen, obwohl hierzulande der Markt insgesamt eher stagnierte.

Was, falls die Rechnung einmal nicht mehr aufgeht? Schliesslich erwirtschaftet Bioforce 80 Prozent ihres Umsatzes im Ausland. Verlagern Sie dann die teuren Schweizer Stellen dereinst ins Ausland, um Kosten zu sparen?

Gmünder: Wenn wir das hätten tun wollen, so hätten wir sicherlich schon längst einen Vorwand und Wege dazu gefunden. Aber das wollen wir nicht und werden es auch in Zukunft nicht tun. Bioforce ist bei einem Umsatz von 110 Millionen Franken schuldenfrei und muss sich als nicht börsenkotiertes Unternehmen nicht um die Rendite irgendwelcher Aktionäre kümmern, die auf möglichst viel Gewinn aus sind.

Baldinger: Genauso ist es! Wir müssen den Werkplatz Schweiz erhalten, denn hier sind unsere Wurzeln. Auch haben wir das Privileg, dass wir eigenfinanziert sind und die Aktienmehrheit der Alfred-Vogel-Stiftung gehört. Und diese hat den Auftrag, das Lebenswerk unseres Firmengründers weiterzuführen.

Wie sieht es mit der Entwicklung neuer Phytotherapeutika und Nahrungsergänzungsmittel aus?

Gmünder: Das ist etwas, was uns stets beschäftigt, investieren wir doch 7 Prozent unseres Umsatzes in neue Produkte und in die Verbesserung bestehender. Unsere Bestseller sind nach wie vor unsere Echinacea-Arzneimittel und, bei den Nahrungsmitteln, das Herbamare. Ein gutes Wachstumspotenzial sehen wir in Arzneimitteln, die Problemlöser für die Wechseljahre bei Frauen und für die Prostata bei Männern sind. Aber auch bei Stress- und Schlafproblemen sind wir gut aufgestellt. Wir halten also an Bestehendem fest und bauen darauf weiter auf.

Baldinger: Das ist auch gut so. Denn mit diesen Wirkstoffen haben wir schon jahrzehntelang viele Erfahrungen gesammelt und können diese für die weitere Forschung nutzen. Wir sind weltweit führend in der Erforschung unserer Hauptpflanze Echinacea. Wenn wir uns hingegen auf ein völlig neues Feld begäben, würde die Entwicklung eines neuen Medikamentes mindestens zehn Jahre dauern. Und das wäre eine lange Zeit, verbunden mit hohen Kosten und einem ungewissen Ausgang.

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