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Chef von Apple-Zulieferer Foxconn will Präsident von Taiwan werden

Um den Konflikt mit China zu entschärfen, will Foxconn-Chef Terry Gou Präsident von Taiwan werden. Was ihn qualifiziert: Er beschäftigt in der Volksrepublik mehrere Hunderttausend Arbeiter. Und er denkt ähnlich autoritär wie die Führung in Peking.
Felix Lee, Peking
Foxconn-Gründer Terry Gou bei einer Sicherheitskonferenz in Taiwans Hauptstadt Taipeh. (Bild: Ritchie B. Tongo/EPA (16. April 2019))

Foxconn-Gründer Terry Gou bei einer Sicherheitskonferenz in Taiwans Hauptstadt Taipeh. (Bild: Ritchie B. Tongo/EPA (16. April 2019))

Erst kündigt Foxconn-Gründer Terry Gou seinen Rückzug als Konzernchef an. Er wolle jüngeren Talenten den Weg ebnen, die in dem Unternehmen aufsteigen wollten, begründete der 69-jährige Multimilliardär, reichster Mann Taiwans und Gründer des weltgrössten Auftragherstellers für Kleinelektronik, seine Entscheidung. Er klingt dabei ganz bescheiden. Einen Tag später wird auch klar, warum. Er will Präsident von Taiwan werden.

Vor allem die Spannungen mit China bereiteten ihm schlaflose Nächte. «Was kann ich für die Jugend tun», habe er sich gefragt. «Die nächsten 20 Jahre werden über ihr Schicksal entscheiden», sagte Gou. Daher wolle er bei den Präsidentschaftswahlen im kommenden Jahr ins Rennen gehen.

Mehrere Selbstmorde auf dem Firmengelände

Der Konflikt zwischen China und Taiwan hat sich zuletzt wieder zugespitzt. China erkennt Taiwan nicht als eigenständiges Land an, sondern betrachtet die vorgelagerte Insel als abtrünnige Provinz. Taiwan hält offiziell zwar ebenfalls an der Ein-China-Politik fest, betont jedoch seine demokratische Eigenständigkeit. Gerade die junge Generation identifiziert sich immer weniger mit dem chinesischen Festland – was sich bei den letzten Wahlen zeigte. Seit 2016 regiert mit Tsai Ing-wen eine Präsidentin, die für die Unabhängigkeit eintritt. Die kommunistische Führung in Peking hat daraufhin den Druck erhöht und mehrfach damit gedroht, Taiwan zurückzuholen – auch mit Gewalt.

Gous Entscheidung, bei den nächsten Präsidentschaftswahlen in Taiwan anzutreten, kommt nicht von ungefähr. Als Chef des weltgrössten Auftragsfertigers, der unter anderen für Apple die iPhones zusammenschraubt und im vergangenen Jahr einen Umsatz von fast 170 Milliarden Dollar generierte, beschäftigt er mehr als eine Million Mitarbeiter, einen Grossteil davon in China. Was ihn seines Erachtens daher als Präsidentschaftskandidat qualifiziert: Er kenne sich aus mit der Volksrepublik. Im Konflikt mit Peking mag das von Vorteil sein. Nicht aber für die demokratisch gesinnten Taiwaner.

Bei Foxconn ist Gou für seinen straffen Führungsstil bekannt. Der Konzern hat in den letzten Jahren wiederholt wegen schlechter Arbeitsbedingungen für Schlagzeilen gesorgt. Angestellte berichteten von zu niedrigen Löhnen, zu langen Arbeitszeiten und Redeverboten bei der Arbeit. 2010 kam es zu mehreren Selbstmorden auf dem Firmengelände.

Partei noch unklar

Selbst auf der Führungsebene soll Gou Angst verbreiten. Ein Vorstandsmitglied musste Berichten von Mitarbeitern zufolge auf einer Sitzung zur Strafe zehn Minuten in der Ecke stehen, weil er auf Gous Fragen keine detaillierten Antworten wusste. Gou hingegen sieht sich als wohlmeinender Firmenvater, der seinen Industriearbeitern einen Schlafplatz und Sozialleistungen anbietet, dafür aber Gehorsam verlangt. «Ein Wirtschaftsführer muss als Diktator zum Wohle aller handeln», hatte er mal öffentlich gesagt. Das dürfte im Sinne Pekings sein.

Der Foxconn-Gründer Gou hat zunächst offen gelassen, für welche Partei er antreten wird. Die oppositionelle Kuomintang (KMT) hat aber bestätigt, dass er seit über 50 Jahren Parteimitglied ist. Nach dem verlorenen Bürgerkrieg 1949 war die KMT mit ihren Anhängern nach Taiwan geflüchtet, hat die Insel aber selbst fast vier Jahrzehnte mit harter Hand regiert. Heute bekennt die KMT sich zwar zu Taiwans Eigenständigkeit, setzt sich aber für ein engeres Verhältnis mit Peking ein. Mit Gou als Kandidat könnte sie diesem Ziel näher kommen.

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