Interview
Chef der St.Galler Kantonalbank rät Sparern sich zu gedulden

Zum Jahresende erläutert Roland Ledergerber, Chef der St.Galler Kantonalbank, warum er Sparkunden selbst dann
noch nichts wird bieten können, wenn die Zinsen zu steigen beginnen. Und er verrät, warum er nicht zu Raiffeisen geht.

Thomas Griesser Kym
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«Die hybride Bank wird erfolgreich sein»: Roland Ledergerber, Chef der St.Galler KB. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 14. Dezember 2018))

«Die hybride Bank wird erfolgreich sein»: Roland Ledergerber, Chef der St.Galler KB. (Bild: Urs Bucher (St.Gallen, 14. Dezember 2018))

Roland Ledergerber, zwei Kantonalbanker führen künftig Raiffeisen, aber keiner von beiden heisst Roland Ledergerber. Warum nicht?

Ich bin nicht zur Verfügung gestanden. Ich bin bei der St.Galler Kantonalbank sehr glücklich, und ich möchte hier noch ein paar Ziele erreichen.

Zum Beispiel?

Die digitale Transformation vorantreiben, unsere ganzheitliche Finanzberatung umsetzen und den Aufbau unserer Tochterbank in Deutschland, die auf gutem Wege ist, abschliessen.

Wie ist die Bank digital unterwegs?

Im Quervergleich sehr gut. Herausforderungen sind die Kostenentwicklung und die Monetarisierung. Unser Fokus liegt auf der Kundenschnittstelle. Hier geht es um neue digitale Angebote, die wir in den vergangenen zwei Jahren lanciert haben, wie Spar-App, Online-Hypothek, den digitalen Finanzassistenten oder das neue Mobile Banking. Aber auch um die digitale Beratungsunterstützung oder die Datenanalyse.

Parallel dazu investieren Sie auch in die Niederlassungen. Warum?

Weil am Schluss die hybride Bank erfolgreich sein wird. Also Automaten und digitale Angebote auf der einen Seite und persönliche Beratung auf der anderen. Was immer wir tun, soll den Kundennutzen erhöhen und die Kundenbindung verstärken.

Was bedeutet die Transformation für die Beschäftigung?

Wir investieren viel Geld in die Digitalisierung, aber ebenso viel ins Personal. Unser Personalbestand wächst wieder leicht. Wir wollen 35 Kundenberater aufbauen, damit sind wir schon ein rechtes Stück vorangekommen. Zudem investieren wir viel in die Ausbildung.

Aber die Stellenprofile ändern sich.

Ja. Wir brauchen beispielsweise weniger Leute in der Verarbeitung. Dafür aber mehr im Digitalen – im Management von IT- und Cyberrisiken, für soziale Medien, in der Datenanalyse usw.

In Flawil wurde die erste Kundenhalle umgebaut. Wie kommt sie an?

Sehr gut. Der Mix aus Automaten und persönlicher Beratung deckt die unterschiedlichen Bedürfnisse aller Kunden ab. Als nächstes bauen wir die Filialen in Goldach und Herisau um. Danach machen wir eine Lagebeurteilung. Ich gehe davon aus, dass wir das Konzept nach und nach an allen Standorten implementieren werden.

Stichwort Herisau: Wie wichtig ist das Appenzellerland für Ihre Bank, die dort seit des Aufgehens der Ausserrhoder Kantonalbank in der heutigen UBS präsent ist?

Es ist wichtig. Nachdem die damalige Bankgesellschaft die ARKB übernommen hatte, haben wir 1996 die Niederlassung in Herisau eröffnet. Dort und in Teufen haben wir heute zwei sehr erfolgreiche Standorte. Es ist aber auch ein umkämpfter Markt, mit der UBS, Raiffeisen und der Appenzeller Kantonalbank als Konkurrenten.

Von einigen Banken ist zu hören, sie registrierten einen unüblich hohen Zustrom von Kunden der Postfinance, die ab 2019 höhere Gebühren verlangt. Spüren Sie das auch?

Wir verzeichnen seit einigen Jahren im Privatkundengeschäft einen sehr starken Zuwachs an Nettoneugeld. Ein Teil stammt sicher auch von Postfinance-Kunden. Bei uns ist eine kostenlose Kontoführung seit geraumer Zeit möglich, wenn der Kunde Bedingungen erfüllt wie etwa Nutzung des Online Bankings, der Maestro-Karte oder ausschliesslich von Kantonalbanken-Bancomaten.

Inwieweit sind Sie angesichts der Tiefzinsen überhaupt an haufenweise mehr Neugeld interessiert?

Das Neugeld besteht ja nicht nur aus Kontoguthaben, sondern auch aus Wertschriften in Depots, die wir verwalten. Wir sind an jedem Privatkunden interessiert, und Kundenbeziehungen können sich auch entwickeln. Zudem dienen die Spargelder der langfristigen Refinanzierung der Hypotheken, die wir vergeben.

SGKB-Chef Roland Ledergerber (Bild: Urs Bucher)

SGKB-Chef Roland Ledergerber (Bild: Urs Bucher)

Der Sparer erhält praktisch keinen Zins mehr. Was raten Sie ihm?

Die Geduld nicht verlieren. Und mit seinem Kundenberater sprechen. Mit diesem kann der Kunde seine persönlichen Finanzziele definieren, seine Risikobereitschaft bestimmen und eine Anlagestrategie ausarbeiten.

Nicht jeder kann oder will aber in Aktien oder Fonds investieren. Wann wird Sparen wieder belohnt?

Das dauert noch länger. Wir gehen davon aus, dass die Nationalbank den Leitzins frühestens kommenden September um einen ersten Tick heraufsetzt. Dann steht er aber immer noch bei –0,5 Prozent. Bis er die Nulllinie überschreitet, dauert es sicher bis 2020, und erst, wenn er deutlich im Plus ist, werden auch die Sparzinsen wieder steigen. Dazu kommt: Unsere Zinsmarge ist seit 2007 von 153 Basispunkten, also von 1,53 Prozentpunkten, auf 93 Basispunkte gesunken. Dies, weil wir die Sparzinsen, die irgendwann an der Nulllinie gekratzt haben, nicht im gleichen Ausmass reduzieren konnten wie die Hypothekarzinsen.

Mittelfristig werden allmählich steigende Zinsen erwartet. Zeit, die Hypothekarzinsen langfristig anzubinden?

Das kommt auf die Risikobereitschaft an. Wer aber Ruhe und Sicherheit haben und sich nicht dauernd um die Entwicklung an den Finanzmärkten kümmern will, kann mit einer langfristigen Hypothek gut bedient sein. Im Falle einer kurzfristigen Hypothek besteht das Risiko, einen Zinsanstieg zu verpassen und dann teurer verlängern zu müssen.

Jüngst wurden Warnungen laut vor einer Blase bei Renditeliegenschaften, weil viele Anleger mangels Alternativen in den Bau von Mietwohnungen investieren. Ihr Urteil?

Die Bautätigkeit ist nach wie vor hoch, in der Tendenz beobachten wir etwas mehr Leerstände, und es dauert etwas länger, bis die Häuser gefüllt sind. Aber eine Überhitzung, die zu einer scharfen Korrektur führen könnte, sehen wir nicht.

Im ersten Semester hat die SGKB gut 81 Millionen Franken verdient, 0,8 Prozent mehr als in der Vorjahresperiode. Und im ganzen 2018?

Wir werden das Jahr im Rahmen des sehr guten Ergebnisses von 2017 abschliessen. Damals hat der Gewinn 156 Millionen Franken betragen.

An der Generalversammlung im April wird den Aktionären eine Kapitalerhöhung beantragt. Wozu?

Die SGKB ist sehr gut kapitalisiert, sicher und stabil. Aber es ist absehbar, dass die Finanzmarktaufsicht zusätzliche Eigenmittelanforderungen stellen wird. Dafür wollen wir Vorkehrungen treffen, einerseits mit der Ausgabe nachrangiger Anleihen, andererseits mit der Kapitalerhöhung. So können wir dann auch unsere Reserve für strategische Projekte halten.