CHAMPIONS LEAGUE: SRF erkämpft sich einen Sonderfall

Obwohl sich der Bezahlsender Teleclub von der Uefa die Übertragungsrechte ab der Saison 2018/19 gesichert hat, gibt es auch weiterhin Spitzenfussball im Schweizer Free-TV zu sehen. Die Dienstagsspiele gehören jedoch nicht dazu.

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Gross war der Aufschrei von Fussballfans und in der Politik, als letzte Woche bekannt wurde, dass Teleclub ab der Saison 2018/ 19 die Champions League und die Europa League übertragen wird. Befürchtet wurde, dass die Goals von Ronaldo, Messi & Co. künftig nur noch mit einem Teleclub-Abo, das jährlich über 500 Franken kostet, verfolgt werden können.

Doch gestern überraschte die SRG SSR positiv: Die Sender SRF, RTS und RSI zeigen auch künftig Spiele der Champions League und der Europa Lea­gue live und exklusiv in allen Sprachregionen der Schweiz im Free-TV. Ab der Saison 2018/19 wird an 31 Abenden (bisher 47) pro Saison ein Spiel pro Abend übertragen – jeweils mittwochs und donnerstags. Die Spiele vom Dienstag gibt’s live nur noch bei Teleclub.

SRG-Sportchef Roland Mägerle spricht von einem «grossen Erfolg für das Schweizer Publikum». Die Schweiz ist ab 2018/19 das einzige Land in Westeuropa, in dem es die Champions League noch im Free-TV gibt. Mägerle sagt dazu, man habe in den «sehr intensiven Verhandlungen» mit der Uefa-Vermarktungsagentur Team Marketing primär auf die eigenen Stärken verwiesen: «Die SRG offeriert ein massgeschneidertes Programm für alle vier Sprachregionen der Schweiz und erreicht ein Millionenpublikum.» Zudem stehe sie für hohe Qualität beim Programm und in der Produktion und sei verlässlich als langjähriger Übertragungspartner. Hinzu komme die landesweite Abdeckung durch Fernsehen, Radio und Online.

Livespiel am Mittwoch, Aufzeichnung am Dienstag

Trotz der Livespiele auf SRF müssen die TV-Zuschauer einen Serviceabbau in Kauf nehmen, weil die Dienstagsspiele im Free-TV wegfallen. Mägerle sagt dazu, «unsere finanziellen Mittel sind begrenzt, auch für die Champions League.» Die SRG habe «ein reduziertes Rechtepaket zu einem im Vergleich zum Vorjahr reduzierten Preis erworben». Detaillierte Zahlen nennt Mägerle nicht. Insgesamt wendet die SRG im Jahr für Sportübertragungsrechte 51 Millionen Franken auf.

Der Vertrag mit der Uefa sieht vor, dass die SRG am Mittwoch jeweils für einen Match das Vorwahlrecht gegenüber Teleclub habe. Das bedeutet laut Mägerle: Spielt eine Schweizer Mannschaft am Mittwoch, ist die Partie wie bisher bei der SRG live zu sehen. Dienstagsspiele kann die SRG nachträglich ausstrahlen, und sie zeigt in einer Spezialsendung alle Höhepunkte.

Die Übertragungen der Spiele der Champions League und der Europa League bleiben laut Mägerle «für die Werbewirtschaft attraktive Plattformen». Aber: «Refinanzieren kann man in der Schweiz Sportübertragungen nicht.» Im Schnitt deckten kommerzielle Einnahmen wie Werbung und Sponsoring nur 13 Prozent der Vollkosten einer Sportproduktion und für Rechte ab. Der Spitzenfussball mache da keine Ausnahme. Laut Mägerle bleibt auch der Kampf um Sportrechte eine Herausforderung für alle TV-Sender. Eine Prognose für die Zeit nach 2020/21 wäre laut Mägerle Kaffeesatzlesen.

Ernst Meier