Champagner ist in der Krise

Zum Jahreswechsel ist er wieder in Strömen geflossen: Der Champagner. Doch das festliche Getränk ist ein Opfer der Krise in Europa. Die Verkaufszahlen sind zurückgegangen – vor allem im Champagner-Land Frankreich.

Christine Longin
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Champagner ist der edelste Schaumwein. Doch auch der teuerste, und das setzt dem Absatz zu. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

Champagner ist der edelste Schaumwein. Doch auch der teuerste, und das setzt dem Absatz zu. (Bild: ap/Thomas Kienzle)

Sekt oder Champagner? Für die meisten Franzosen ist die Antwort zu Silvester klar: auf das neue Jahr kann nur mit dem edlen Schaumwein aus der nordostfranzösischen Region Champagne angestossen werden. Doch die Krise hat auch den Champagner erfasst. Zum zweitenmal in Folge gingen die Flaschen-Verkaufszahlen im soeben beendeten Jahr zurück, wie die Wirtschaftszeitung «Les Echos» berichtet. Bei 3% bis 4% dürfte das Minus 2013 liegen. Einen besonders starken Verkaufseinbruch erleiden die mehr als 300 Häuser ausgerechnet in ihrer Heimat Frankreich mit einem Rückgang um 6%. «Früher haben die Leute auf dem Weihnachtsmarkt ein, zwei Kisten gekauft, heute sind es zwei oder drei Flaschen», sagt ein Winzer.

Sekt ist keine Bedrohung

«Da er teurer ist als andere Alternativen, ist der Champagner nicht mehr erste Wahl», erklärt der Experte David Ménivale von der Neoma Business School in Reims das Kaufverhalten auf der Website Atlantico.fr. Zu besonderen Anlässen könnten inzwischen auch andere Schaumweine ausgeschenkt werden. Und Sekt, Prosecco und die französische Variante, der Crémant, sind tatsächlich im Kommen – auch im Champagner-Land Frankreich. 5,5 Flaschen Schaumwein werden dort pro Kopf im Jahr getrunken.

Damit ist Frankreich Spitzenreiter vor Deutschland mit 4,8 Flaschen. Weltweit werden jährlich 2,5 Milliarden Flaschen Schaumwein verkauft – ein Fünftel davon kommt aus Frankreich, dem Hauptproduktionsland vor Italien, Spanien und Deutschland. Für den edlen Champagner, von dem jährlich etwa 320 Millionen Flaschen verkauft werden, ist der Sekt allerdings keine ernsthafte Konkurrenz. «Die Schaumweine werden nicht als Bedrohung für den Champagner gesehen, sondern eher als Ergänzung», schreibt «Les Echos». «In Krisenzeiten leiden beide.»

Billigangebote locken

Preislich nähern sich die prickelnden Getränke vor allem zum Jahresende an, wenn die Supermärkte Champagner zu Schleuderpreisen von unter 10 € (12 Fr.) anbieten. Die Winzer reagieren darauf allerdings verschnupft: «Das schadet dem Image des Champagners», sagt die Marketingbeauftragte Stéphanie Simard im Fernsehsender France 3. Das gilt vor allem für den einheimischen Markt, wo die französische Champagnerindustrie gut die Hälfte ihrer Produktion absetzt.

Der Rest geht ins Ausland, vor allem nach Grossbritannien, mit 32 Millionen Flaschen Hauptabnehmerland vor den USA (17,7 Millionen) und Deutschland (12,6). Die Produzenten setzen angesichts der Krise vor allem auf die neuen Märkte in Übersee. Japan ist bereits der viertgrösste Champagnerabnehmer mit neun Millionen Flaschen. Unter den Top Ten ist auch Australien auf Platz sieben – hinter Italien und vor der Schweiz. Weit hinten mit nur zwei Millionen Flaschen liegt China, immerhin Hauptabsatzland für den französischen Rotwein Bordeaux.

Hinein nach Asien und Afrika

Doch der Experte David Ménivale sieht das Reich der Mitte und auch afrikanische Länder wie Nigeria als Zukunftsmärkte. «In diesen Ländern bleibt der Champagner ein besonderes Produkt, das nur selten als einfacher Schaumwein gesehen wird.» Das edle Image mache ihn vor allem für die oberen Einkommensschichten attraktiv, «also Konsumenten, die weniger von den wirtschaftlichen Problemen betroffen sind».

Solche Kunden können auch die ständig steigenden Preise für den Champagner verkraften, der nur so heissen darf, wenn er wirklich aus der Region Champagne kommt und unter strengen Regeln hergestellt wurde: um 31% kletterte der Betrag für die Flasche in den vergangenen zehn Jahren. Der Preisanstieg hält den Umsatz für die Winzer mit rund 4,4 Milliarden in diesem Jahr trotz sinkender Verkaufszahlen stabil.