CEBIT: Digitales zum Anfassen

Die weltgrösste Computermesse rückt die grossen IT-Themen in den Mittelpunkt: Roboter, Drohnen, autonomes Fahren sowie das Internet der Dinge.

Georg H. Przikling
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An der Cebit werden zwei autonom fahrende Schweizer Postautos, die in Sitten getestet werden, gezeigt. (Bild: Focke Strangmann/Keystone)

An der Cebit werden zwei autonom fahrende Schweizer Postautos, die in Sitten getestet werden, gezeigt. (Bild: Focke Strangmann/Keystone)

Georg H. Przikling

focus@tagblatt.ch

Von ihren Glanzzeiten ist die Cebit ein gutes Stück entfernt. Seit die traditionell in Hannover stattfindende, weltgrösste Computermesse nur noch Fachbesucher zulässt, sind die Besucherzahlen von einst 800000 auf mittlerweile 200000 gesunken. Auch das Angebot hat sich gewandelt. Konkrete Produkte wie Notebooks, Grafikkarten und ähnliches spielen nur noch eine untergeordnete Rolle oder werden auf Veranstaltungen wie dem Mobile World Congress in Barcelona und der in Las Vegas stattfindenden Consumer Electronic Show gezeigt.

Die Cebit hingegen, die in diesem Jahr vom 20. bis 24. März mit rund 3000 Ausstellern täglich ihre Tore öffnet, will sich als Trendsetter etablieren. Dazu greift die Messe die grossen Themen der Digitalisierung auf und versucht sie anhand von konkreten Beispielen «anfassbar und erlebbar» zu machen, wie Messechef Oliver Freese betont.

Internet der Dinge als Schwerpunktthema

Tatsächlich durchdringt die Digitalisierung immer mehr das Leben des Einzelnen, aber auch Unternehmensabläufe. Ein Schwerpunktthema der diesjährigen Cebit ist daher das Internet der Dinge (Internet of Things, kurz IoT). Ob Zahnbürste, Kühlschrank, Barbie-Puppe oder digitaler Sprachassistent – immer mehr Geräte des Alltags sind permanent mit dem Internet verbunden. In Unternehmen schreitet die Vernetzung von Produktionsmitteln ebenfalls voran. Zu ihnen gesellt sich auch der Gesundheitsbereich, der virtuelle Arztbesuch per Mausklick dürfte in wenigen Jahren schon Realität sein. Mit der ständigen Online-Verbindung steigt auch das Risiko von Angriffen und die Gefahr von Datendiebstahl. Cybersicherheit und die Frage, wie man Unternehmen vor millionenschweren Produktionsausfällen schützen kann, sind denn auch ein weiteres, wichtiges Cebit-Thema. Mit an Bord ist auch Microsoft, das in diesem Jahr auf einen eigenen Stand verzichtet. Das Unternehmen zeigt in Hannover seine «Windows Defender Advanced Threat Protection», mit der Unternehmen Angriffe auf ihr Netzwerk erkennen, untersuchen und darauf reagieren können.

Die russischen Sicherheitsexperten von Kaspersky Labs wiederum präsentieren auf der Messe ihre Vision eines künftigen Schutzsystems, das auf künstlicher Intelligenz basiert und Cyberangriffe vorhersagen kann.

Selbstfahrendes Postauto in Sion an der Cebit

Navigationssysteme waren gestern, die Zukunft gehört den autonom fahrenden Fahrzeugen. Was in Sion längst Realität ist – im Wallis verkehren seit Sommer 2016 autonom fahrende Kleinbusse der Postauto AG –, soll schon in wenigen Jahren zum ganz normalen Strassenbild gehören. Das Zauberwort in diesem Zusammenhang lautet einmal mehr Vernetzung. Um den Verkehrsfluss zu verbessern und Staus zu vermeiden, bekommen alle autonomen Fahrzeuge in einem bestimmten Gebiet in Echtzeit optimierte Routen zugewiesen – so zumindest sehen es grosse Automobilbauer wie Toyota oder Volkswagen, die auf der Cebit vertreten sind.

Wenn von der Zahnbürste bis zum Fahrzeug alles ins Internet drängt, steigen naturgemäss die Datenberge. «Das Auto wird im Jahr 2020 bis zu 4000 Gigabyte an Daten pro Tag produzieren», erklärt beispielsweise die Intel-Sprecherin Monika Lischke. Insgesamt, so Schätzungen, sollen bis 2020 weltweit rund 50 Milliarden Geräte vernetzt sein. Dafür braucht es jedoch die entsprechende Infrastruktur – und die sollen einerseits der Breitbandausbau sowie andererseits der kommende Mobilfunkstandard 5G ermöglichen. Letzterer gilt als Grundvoraussetzung für ein funktionierendes Internet der Dinge ohne Grenzen und spielt eine zentrale Rolle auf der Cebit.

Wer bei Drohnen & Robotern an Spassprodukte denkt, irrt: Auf der Cebit dominieren Gerätschaften für den industriellen Einsatz wie die Wartung von Windkraftanlagen und schwimmfähige Modelle für den Unterwassereinsatz. Zu ihnen gesellen sich smarte Roboter, die als Industriehelfer fungieren, und Exo-Skelette, die das Heben von tonnenschweren Lasten ermöglichen. Dass sie künftig auch Querschnittsgelähmten das Aufstehen und Gehen ermöglichen, zeigt, dass der Mensch angesichts der vielen Zukunftsthemen nicht ganz aussen vor bleibt.