Cat Bonds – Alternative mit Pep

Börsenspiegel

Bernhard Eugster
Drucken
Teilen

Alle Jahre wieder finden insbesondere im Spätsommer Meldungen über tropische Wirbelstürme in den USA, in Mexiko oder der Karibik den Weg in die Schlagzeilen. Diese Meldungen interessieren nicht nur Feriengäste, die in diese Regionen reisen möchten, sondern auch Anleger, die in versicherungsbasierte Anleihen investieren. Mit sogenannten Cat Bonds übernimmt der Investor nämlich die Rolle eines Rückversicherers.

Versicherungen müssen stets sicherstellen, dass sie sehr schwere Versicherungsereignisse überstehen können— auch wenn diese statistisch nur einmal in hundert Jahren vorkommen. Weil Erst- oder Rückversicherer gewisse sehr kapitalintensive Risiken nicht in vollem Umfang selber tragen können, treten sie diese an den Kapitalmarkt ab. Der Investor hingegen erhält eine Risikoprämie dafür, dass sein investiertes Kapital bei klar definierten Katastrophenereignissen zur Zahlung von Versicherungsschäden herangezogen wird.

Risikostreuung ist das A und O

Insbesondere bei Spitzenrisiken wie Wirbelstürmen oder Erdbeben ist die Messlatte, ab wann ein Investor zur Kasse gebeten wird, allerdings sehr hoch. Der entstandene Versicherungsschaden muss mehrere Milliarden Franken betragen, bis ein Cat Bond zur Auszahlung herangezogen wird. In den letzten 20 Jahren geschah dies sehr selten, etwa beim Hurrikan Katrina im Jahr 2005 oder beim Erdbeben, das 2011 zur Atomkatastrophe in Fukushima führte. Bei den meisten in der Schweiz erhältlichen Cat Bond Fonds betrug der Verlust nach einem solchen Extremszenario zwischen 3 und 6 Prozent – und er konnte innert Jahresfrist wieder aufgeholt werden.

Um eine langfristig positive Rendite zu erzielen, ist es für den Anleger entscheidend, die Risiken über möglichst viele unabhängige Gefahrentypen und Regionen zu streuen. Dies, weil es ungewiss ist, wann oder wo ein schweres Versicherungsereignis mit hohen Schäden eintreten wird. Ist es ein Hurrikan in Miami? Oder ein Wintersturm in Europa, ein Taifun in Japan, ein Erdbeben in Australien? Oder ein Tsunami in Indonesien?

Seit die Aktienmärkte Rekord an Rekord reihen, der Immobilienmarkt heiss läuft und es mit Obligationen kaum mehr etwas zu verdienen gibt, werden vermehrt alternative Anlagemöglichkeiten gesucht. Deshalb ist auch die Nachfrage nach Katastrophenanleihen zuletzt deutlich gestiegen – und das Renditepotenzial dieser Papiere entsprechend etwas geschrumpft.

Weil das Eintreten eines Schadensereignisses praktisch unabhängig von den traditionellen Finanzmärkten ist, eignet sich die Anlageklasse der Cat Bonds dennoch optimal zur Diversifikation in einem Portfolio.

Bernhard Eugster

Senior Portfolio Manager

Thurgauer Kantonalbank