Casino Luzern geht im Sommer online

Im Juli fällt beim Casino Luzern der Startschuss zum Onlinegaming. Es dürfte die Einnahmen aus den Glücksspielen in die Höhe treiben. Die Ausgangslage ist günstig.

Rainer Rickenbach
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Wohl schon nächsten Monat darf das Casino Luzern online Spiele aufschalten: Blick auf ein Handy mit der Vorführversion des neuen Onlinecasinos. (Bild: PD/Grand Casino Luzern)

Wohl schon nächsten Monat darf das Casino Luzern online Spiele aufschalten: Blick auf ein Handy mit der Vorführversion des neuen Onlinecasinos. (Bild: PD/Grand Casino Luzern)

Der Kopf eines Hasen bildet das Logo für den neusten Geschäftsbereich des Luzerner Casinos. Er steht für Vermehrung, im Falle des Spielbetriebes für Geldvermehrung. Der Geschäftsbereich trägt die Bezeichnung «My Casino» und ermöglicht Spielern, auf dem Mobiltelefon, dem Tablet oder am Computer ihr Glück zu versuchen. Der genaue Zeitpunkt zum Start des Onlinegamings steht noch nicht fest, da alle Spiele noch von der Spielbankenkommission genehmigt werden müssen. «Wir rechnen damit, im Juli mit dem Onlinecasino starten zu können», sagt Guido Egli, Verwaltungsratspräsident der Kursaal-Casino Luzern AG.

Grünes Licht dafür hatte der Bundesrat vergangene Woche gegeben. Nebst Luzern bekamen auch die Casinos Pfäffikon/SZ, Baden und Davos die Bewilligung, über den Digitalkanal Casinospiele anzubieten. Egli: «Wir sind natürlich sehr glücklich, zu den ersten Spielbetrieben der Schweiz zu gehören, die in diesem neuen Geschäftsbereich tätig sind.» Die Stimmberechtigten hatten im vergangenen Jahr den rechtlichen Weg dazu geebnet.

Slotspiele, Roulette, Baccara, Blackjack und mehr

Auf der Seite mycasino.ch springt den Betrachtern ein Glückspielrad ins Auge. Die Besucher können eine Reise ins Spielermekka Las Vegas gewinnen. Sobald die Genehmigungen der Spielbankenkommission vorliegen, werden die richtigen Spiele auf der Webseite aufgeschaltet. «Es werden ähnliche Spiele sein, die es heute in unserem landbasierten Betrieb gibt», sagte CEO Wolfgang Bliem am Dienstag am Medientermin. Mit «landbasiert» meint er die Spiele im Gebäude an der Luzerner Haldenstrasse.

Slotspiele von verschiedenen Anbietern, Roulette, Blackjack, Baccara oder Videopoker lassen sich nach dem Start von zu Hause aus spielen. Beim Roulette haben sich die Entwickler etwas Besonderes einfallen lassen: Eines dieser Tischspiele findet wirklich im Casino statt, wird von Webkameras übertragen, und die Onlinespieler können in Echtzeit von ihren Geräten aus mitwirken. Bliem: «Die Verknüpfung zwischen realem und virtuellem Spiel ist ein Alleinstellungsmerkmal des Casino Luzern.»

Ihr Glück versuchen können alle in der Schweiz wohnhaften erwachsenen Personen. Die Konzession der Eidgenössischen Spielbankenkommission gilt indes nur für das Inland, die Casinos dürfen nicht im Ausland tätig werden und ihr neues Geschäftsfeld auch nicht auf Sportwetten ausdehnen. Im Gegenzug wird der Internetzugang zu Onlinespielbanken mit Sitz im Ausland ab dem 1. Juli gesperrt. Die Sperren waren im Abstimmungskampf vor einem Jahr umstritten, und ob und wie leicht sie sich umgehen lassen, wird sich ab dem Sommer zeigen.

Schweizer spielen für 250 Millionen online

Wie viel Umsatzwachstum vom Onlinespiel für das Casino abfällt, sei schwer abzuschätzen, sagt Bliem. Es seien verschiedene Einflüsse zu berücksichtigen. Verwaltungsratspräsident Egli versprach sich vor einem Jahr 15 bis 20 Millionen Franken, die über den Onlinekanal zusätzlich in die Casinokasse fliessen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr bezifferte sich der Spielertrag ohne Online­gaming auf knapp 37 Millionen Franken.

Ob die Spielstätte tatsächlich um mehr als 50 Prozent zulegen wird, wollte indes niemand von der Casinoführung als Ziel ausgeben. Grand-Casino-Finanzchef Rudolf Widmer: «Im schweizerischen Gesamtmarkt werden schätzungsweise 250 Millionen Franken für Casinospiele und Sportwetten umgesetzt. Wie viel davon künftig bei illegalen ausländischen Anbietern verbleibt, lässt sich schwer abschätzen. Unser Businessplan ist konservativ.» Doch die Ausgangslage hält er für vielversprechend, da von den 21 Schweizer Casinos bis jetzt nur 4 die Erlaubnis für Onlinespiele besitzen.

So geht das Onlinegaming vor sich: Über das Handy oder den Computer registrieren sich die Spieler bei einem der Schweizer Onlinecasinos. Mit einer Kreditkarte oder einem Internetzahlsystem lassen sie Geld auf ihr Spielerkonto gutschreiben. Bei der Teilnahme wird das Konto belastet, bei Gewinnen erhalten sie dort die Summe gutgeschrieben. Der Spielerkontostand ist jederzeit ersichtlich, ebenso wie die getätigten Einsätze und erzielten Gewinne. Das Geld auf dem Casinokonto lässt sich wie bei Swiss Lotto jederzeit auf das private Bankkonto überweisen. Gewinne bis zu einer Million Franken sind verrechnungssteuerfrei.

Spielsperren gelten auch für Onlinegaming

Bei Auszahlungen oder bei hohen Einzahlungen (mehr als 1000 Franken) und generell spätestens nach einem Monat genügt die einfache Registrierung mit Name, Adresse und Mail­anschrift nicht mehr. Die Spieler werden dann aufgefordert, mit der Kopie eines amtlichen Ausweises ihre Identität sowie den Wohnsitz in der Schweiz zu bestätigen. Für die Onlinecasinos gelten im Übrigen die gleichen Vorschriften wie für die herkömmlichen Spielstätten. Nebst dem Sozialkonzept zum Schutz der Spieler umfassen sie die Massnahmen gegen Geldwäscherei, eine Altersbeschränkung ab 18 und ein Teilnahmeverbot für gesperrte Spieler.

Entwickelt hat das Grand Casino Luzern sein Onlinegaming mit Unterstützung der staatlichen Technologiefirma PAF mit Sitz auf den skandinavischen Inseln Åland. Es handelt sich dabei um ein autonomes Gebiet, das unter finnischer Staatshoheit steht. «Es war uns wichtig, ein seriöses Unternehmen zu beauftragen, das sonst keine geschäftlichen Beziehungen zur Glücksspielbranche in der Schweiz unterhält. PAF besitzt in diesem Geschäft zudem viel Erfahrung», sagt Egli.

In Luzern beschäftigt das Grand Casino 14 Personen, die den Betrieb und den Zahlungsverkehr überwachen sowie den Kundenservice pflegen. Egli spricht von «erheblichen Investitionen», die das Unternehmen für das Onlinecasino getätigt hat, nennt aber keine bestimmte Summe. Alleine im vergangenen Jahr müssen es indes mindestens eine Million Franken gewesen sein, wie aus dem Jahresbericht hervorgeht. Der Gewinn der Grand-Casino-Gruppe brach vor allem wegen der finanziellen Vorleistungen von knapp 1,5 Millionen auf etwas weniger als 300'000 Franken ein.