Carney führt Bank of England

Diesen Montag tritt der Kanadier Mark Carney als Gouverneur der britischen Notenbank an. Er übernimmt die heikle Aufgabe, die Geldflut einzudämmen.

Gabriel Rath
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Mark Carney (Bild: ky)

Mark Carney (Bild: ky)

LONDON. Die Stelle gilt als der zweitschwierigste Posten nach dem Amt des Trainers der englischen Fussballnationalmannschaft. Doch wenn der Kanadier Mark Carney kommenden Montag als erster Ausländer in der 319jährigen Geschichte der Bank of England das Kommando an der Londoner Threadneedle Street übernimmt, könnten die Erwartungen kaum höher sein: «Der herausragende Notenbanker unserer Zeit», sagte Finanzminister George Osborne über seinen Wunschkandidaten nach dessen Ernennung im vergangenen November, und selbst die Labour-Opposition sprach von einer «guten Wahl».

Ein schweres Erbe

Die Erwartungen sind umso höher als Carney als 120. Gouverneur der Bank of England ein schweres Erbe antritt. Er soll einen Weg aus der Dauerkrise weisen. Zwar gibt es erstmals handfeste Anzeichen einer wirtschaftlichen Erholung. Aber viele Ungewissheiten und Probleme bestehen weiter. Die Wachstumsprognose für die britische Wirtschaft für dieses Jahr lautet auf relativ magere 0,9%.

Ungeachtet dessen bleibt die Inflation über der Zielvorgabe von 2%. Dennoch hält die Notenbank angesichts der Konjunkturflaute seit bereits vier Jahren an einem Leitzinssatz auf dem historischen Tiefststand von 0,5% fest. Zugleich hat Carneys Vorgänger Mervyn King mit der Politik der quantitativen Lockerung 375 Mrd. £ (540 Mrd. Fr.) in die Wirtschaft gepumpt. Dieser Geldhahn muss irgendwann zugedreht werden.

In Harvard und Oxford studiert

In seiner Zeit als Gouverneur der Bank of Canada führte Carney eine Politik langfristiger Zusagen ein, denen er auch Taten folgen liess. Damit gewann er das Vertrauen der Märkte, und es gilt als sein Verdienst, dass Kanada auf dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise weitgehend unbeschädigt blieb. Carney studierte in Harvard und Oxford, wo er auch seine Frau, mit der er vier Töchter hat, kennenlernte. 13 Jahre arbeitete er bei der US-Investmentbank Goldman Sachs. Im Februar 2008 wechselte er als Vizegouverneur zur Bank of Canada, 2008 wurde er deren Gouverneur.

Herrscher über drei Künste

Nach einer umfassenden Reform ist Carney, wegen seines Aussehens «George Clooney der Finanzwelt» genannt, der wohl mächtigste Gouverneur der Bank of England seit ihrer Gründung. Mit einem Jahreslohn von 874 000 £ (1,25 Mio. Fr.) ist er auch der bestbezahlte. Als Lebensmotto nannte Carney einst «lernen, verdienen, dienen». Offensichtlich beherrscht er alle dieser Künste.