Fleisch-Skandal

Carna Grischa sagt Sorry - «kein systematischer Missbrauch»

Die Carna Grischa AG entschuldigt sich bei den vom Fleisch-Skandal betroffenen Kunden und macht zwei Mitarbeiter verantwortlich. Der Chef will nichts von den Manipulationen gewusst haben. Er spricht von bedauerlichen Einzelfällen.

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Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann spricht vor den Medien.

Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann spricht vor den Medien.

Keystone

«Die Carna Grischa AG bedauert die bekannt gewordenen Vorfälle ausserordentlich und entschuldigt sich bei den betroffenen Kunden», schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Wie Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann an der Medienkonferenz in Landquart sagte, bittet er die betroffenen Kunden, die Vorfälle zu entschuldigen.

Gemessen an den jährlich 120'000 Rüstscheinen und 90'000 Lieferscheinen liege die Fehlerquote im tiefen Promille-Bereich. «Wobei auch diese Fälle nicht akzeptabel sind», so Weilenmann.

Diese Vorkommnisse seien «inakzeptabel und stehen im vollständigen Widerspruch zu den geltenden Qualitäts- und Verhaltensrichtlinien der Carna Grischa AG», so Weilenmann weiter.

Carna Grischa habe 2013 unter der neuen Geschäftsführung einen neuen Qualitätsstandard eingeführt. «Trotzdem müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass auch im letzten Jahr Unregelmässigkeiten vorgekommen sind. Ich selbst hatte keinerlei Kenntnisse von irgendwelchen Manipulationen.»

«Kein systematischer Missbrauch»

Die bisherigen internen Untersuchungen hätten ergeben, dass sich die meisten Unregelmässigkeiten vor 2013 ereignet hätten, beteuert die Firma. In diesem Zeitraum habe noch die alte Führungscrew der ehemaligen Besitzer das Unternehmen geleitet.

Die Untersuchung der Fälle seit 2013 habe gezeigt, dass zwei Mitarbeiter für diese Manipulationen verantwortlich sind. Sie wurden freigestellt.

Wie an der Medienkonferent betont wurde, liege «aufgrund des heutigen Wissensstandes kein systematischer Missbrauch vor». Kontrollen hätten bisher kein systematisches Fehlverhalten aufgedeckt. «Wir gehen im Moment von äusserst bedauerlichen Einzelfällen aus», sagte der Verwaltungsratspräsident von Carna Grischa.

Der Kunde soll das richtige Fleisch bekommen

Die Firma hat vier Massnahmen ergriffen, «die ab sofort garantieren, dass die Kunden das Fleisch erhalten, das sie auch bestellt haben».

Bei den meisten Massnahmen handelt es sich um externe Qualitätssicherung, wie Carna Grischa mitteilte. So wurde ein Lebensmittel-Labor damit beauftragt, bei zufälligen Stichproben zu prüfen, ob Inhalt und Deklaration identisch sind. Und ein externer Qualitätsprüfer soll sicherstellen, dass Bestellung und Lieferung übereinstimmen.

Bauernverband fordert harte Sanktionen

Der Bündner Bauernverband zeigte sich derweil "entsetzt" über die Falschdeklarationen. Die Bündner Landwirtschaft sei in den Skandal "in keiner Art und Weise involviert", teilte der Verband mit. Der Imageschaden sei dennoch für die gesamte Fleischbranche und für die Landwirtschaft gross.

Der Bauernverband fordert nun bessere Kontrollen und harte Sanktionen bei Verstössen. Der Skandal bei CarnaGrischa habe gezeigt, dass in der Fleischbranche in der Verarbeitung und im Handel Schlupflöcher bestünden. (sda)

Zudem werden externe Berater engagiert, um die Prozesse im Unternehmen zu untersuchen. Die Ergebnisse sollen die Grundlage für weitere Massnahmen sein.

Schliesslich führt das Unternehmen eine Plattform ein, auf der die Mitarbeiter anonym Beschwerden und Kritik äussern können.

Über Mitarbeiter an die Medien

Doch wie kamen die Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit? Ein Mitarbeiter, der nach vier monatiger Tätigkeit Ende Oktober das Unternehmen verlassen musste, habe die Öffentlichkeit gesucht, heisst es von Seiten des Unternehmens. Die Untersuchung habe ergeben, dass «mindestens ein Dokument vom Informanten selber manipuliert wurde». Dieses Dokument sei im Sonntagsblick veröffentlicht worden.

Carna Grischa sichert der Staatsanwaltschaft die volle Kooperation zu. «Wir haben das grösste Interesse, dass die Vorfälle vorbehaltlos aufgeklärt werden», so Weilenmann. (ldu/sda)