BUSINESS LUNCH

«Niemand braucht dreimal Fleisch» «The Age of Less», das Zeitalter des Weniger propagiert David Bosshart, seit 1999 CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, in seinem Buch als neue Wohlstandsformel für die westliche Welt.

Drucken
Teilen
David Bosshart CEO Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft. (Bild: Quelle)

David Bosshart CEO Gottlieb Duttweiler Institut für Wirtschaft und Gesellschaft. (Bild: Quelle)

«Niemand braucht dreimal Fleisch»

«The Age of Less», das Zeitalter des Weniger propagiert David Bosshart, seit 1999 CEO des Gottlieb Duttweiler Instituts für Wirtschaft und Gesellschaft, in seinem Buch als neue Wohlstandsformel für die westliche Welt. Gestern sprach er darüber am Ostschweizer Personaltag.

Herr Bosshart, bei welchem Produkt schlagen Sie beim Einkaufen über die Stränge?

Als reisefreudiger und allseitig interessierter Mensch gebe ich viel fürs Lesen und fürs Reisen aus. Auch wenn ich mich mal privat zurückziehe und mit meiner Frau in Ruhe Ferien mache – da bin ich sicher grosszügig.

Sie propagieren in Ihren Schriften und Referaten das «Age of Less». Ist dies nicht ein Wunschtraum, da der Mensch stets nach immer mehr Besitz strebt?

Das «Weniger» sollte nicht im Sinne von «Verzicht», sondern im Sinne von «anders» verstanden werden. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Niemand braucht dreimal am Tag Fleisch. Wenn ich den Fleischkonsum auf vier, fünf Mal in der Woche reduziere, fühle ich mich körperlich sicherlich nicht schlechter – im Gegenteil. Ich reduziere lieber den Fleisch-Konsum, esse dafür aber besonders gut zubereitetes Fleisch, wenn ich mir welches bestelle.

Von Politikern und Geschäftsleuten fordern Sie eine zivile Verantwortung ein, die auf Nachhaltigkeit und nicht auf Jahresbilanzen oder Wahltermine abzielt. Das dürfte doch kaum funktionieren.

Ich gebe zu, dass das schwierig ist, wenn man als Politiker wiedergewählt werden möchte, aber Kurzfristigkeit schadet allen. Es ist doch in unserem eigenen Interesse, dass wir nachhaltig regieren und wirtschaften, damit wir unseren Kindern eine intakte Umwelt und eine gesunde Gesellschaft hinterlassen. Dazu gehört auch, dass weder Staat noch Private Geld verprassen und dadurch Schulden anhäufen, welche Generationen nach uns bezahlen müssen.

Sie halten auf der ganzen Welt Referate. Ihr ökologischer Fussabdruck muss demnach miserabel sein. Wäre es nicht nachhaltiger, wenn Sie in der Zukunft Ihre Referate per Videoübertragung hielten?

Theoretisch haben Sie da Recht – mein ökologischer Fussabdruck ist eine Katastrophe, halte ich doch im Jahr 100 Referate und reise entsprechend viel. Wenn ich aber beim Verhalten meiner Zuhörer nur schon kleinste Änderungen erziele, wiegt das meinen ökologischen Fussabdruck sicherlich auf. Eine Videokonferenz ist im Übrigen viel unpersönlicher, Menschen möchten andere Menschen treffen und sich mit ihnen vernetzen. (ken)