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Burger, Rock und T-Shirts

Die Lokale der Restaurantkette sind nicht mehr die grosse Attraktion, die sie einst waren. Die Mischung aus Gastronomie und Musikmuseum trotzt jedoch Krisen und neuen Trends.
Ernst Meier
Das Hard Rock Cafe in Lan Kwai Fong, dem Party- und Nachtleben-Zentrum Hongkongs. (Bild: Xaume Olleros/Getty (Hongkong, 29. Februar 2016))

Das Hard Rock Cafe in Lan Kwai Fong, dem Party- und Nachtleben-Zentrum Hongkongs. (Bild: Xaume Olleros/Getty (Hongkong, 29. Februar 2016))

Es galt in den 1980er- und 90er- Jahren als ultimatives Feriensouvenir: das T-Shirt aus einem Hard Rock Cafe einer Weltmetropole. Wer den Klassiker aus London, Los Angeles oder Berlin trug, signalisierte, dass er oder sie eine Person von Welt ist; jemand, der die trendigsten Orte auf dem Globus und ein ganz cooles Restaurant persönlich besucht hat. Meist gab es auch noch ein, zwei Anekdoten dazu: «Hey, da waren die Original-Lederjacke von Michael Jackson und die Sonnenbrille von Roy Orbison ausgestellt!» oder «Neben mir an der Bar sass Jon Bon Jovi».

Mittlerweile ist der Hype um die weltumspannende Restaurantkette abgeflacht. T-Shirts, Pins oder Kaffeetassen mit dem markanten Logo sind längst kein Muss mehr. Auch die Kulinarik in den Musikrestaurants gilt nicht mehr als aussergewöhnlich.

Die Geburtsstunde der Hard Rock Cafes geht auf das Jahr 1971 zurück. Die beiden Amerikaner Peter Morton und Isaac Tigrett, die zwei Jahre zuvor nach London gezogen sind, vermissen ein Burger-Restaurant so sehr, dass sie selber ein solches am 14. Juni 1971 im Londoner Stadtteil Mayfair eröffnen. Es wird schnell zum Treffpunkt von Musikern. Der Legende nach soll Eric Clapton einer der ersten Stammgäste gewesen sein. Ihm habe es so gut gefallen, dass er eines Tages seine Gitarre als Erinnerung an die Wand hängt. Pete Townshend von The Who macht es ihm nach – und so ist die Idee geboren, das Restaurant mit Erinnerungsstücken aus der Welt der Rockmusik zu schmücken.

Die Kombination aus American Food, Rock und Museum wird in London ein so grosser Hit, dass die Besitzer nach zehn Jahren die internationale Expansion wagen. Innert zweier Jahrzehnte exportieren Morton und Tigrett ihr Konzept in zahlreiche Grossstädte auf allen Kontinenten. Besonders einträchtig neben der Gastronomie erweist sich der Verkauf von Merchandise-Artikeln. 1995 öffnet das erste Hard Rock Hotel & Casino in Las Vegas. Heute gibt es unter der Dachmarke Hard Rock Cafe weltweit 168 Restaurants, 23 Hotels und 11 Casinos in 71 Ländern. Jährlich finden in den Lokalen über 15 000 Konzerte statt.

Konkurrenten haben längst Pleite gemacht

Die beiden Gründer sind längst ausgestiegen. Die Besitzer des Gastro- und Unterhaltungsimperiums wechseln mehrere Male, bis 2006 die Seminole-Indianer die Hard Rock Cafe International für 965 Mio. $ kaufen, ausgenommen einige Betriebe wie das Hotel-Casino in Las Vegas. Den geschäftstüchtigen Nachkommen der Ureinwohner Floridas gelingt es, den Konzern durch die Wirtschaftskrisen der vergangenen zehn Jahre zu führen und sich gegen neue Trends in der schnelllebigen Gastronomie zu behaupten – keine Selbstverständlichkeit, wie andere Beispiele zeigen.

So ging die Restaurantkette Planet Hollywood (mit Stars wie Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone als Investoren), die in den 1990er-Jahren fast 100 Lokale eröffnete, zweimal in Konkurs. Heute gibt es offiziell noch sechs solche Restaurants. Auch die Fashion Cafés, für die Naomi Campbell und Claudia Schiffer Mitte der 1990er-Jahre zur Eröffnung erschienen – verschwanden nach wenigen Jahren von der Bildfläche.

Vergangene Woche gab Hard Rock International bekannt, dass man nun auch die Casino- und Hotelbetriebe sowie Markenrechte, die noch nicht zum Konzern gehörten, aufkaufte. «Damit wird das globale Territorium an Casinos und Hotel-Casinos von Hard Rock International wieder vereint», teilte das Unternehmen der Seminole-Indianer erfreut mit. Man sei überzeugt, «dass der Gastro- und Unterhaltungskonzern damit für noch nie da gewesene Wachstumschancen aufgestellt ist».

Überhaupt scheinen die Seminolen ungebrochen an den nachhaltigen Erfolg der Musiklokale zu glauben. «Neue Hard Rock Cafes sind in Reykjavik, Shanghai, Rangun und San Juan angekündigt», teilt der Konzern mit. «Neue Hard-Rock-Hotelprojekte sind in Abu Dhabi, Atlanta, Berlin, Dubai, Itapema, London, Los Cabos, New York, Teneriffa, Shenzhen, Dalian und Haikou geplant.» Allen Unkenrufen zum Trotz führen die Seminolen die Erfolgsgeschichte der Hard Rock Cafes. Sie scheinen sich dabei das Motto zahlreicher Altrocker zum Vorbild zu nehmen, das besagt: «Still rocking after all these years.»

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