Bühler investiert in die Zukunft des Essens

Die Lebensmittelindustrie muss umdenken. Der Uzwiler Konzern sucht dafür die Zusammenarbeit mit Forschung und Start-ups. In der Schweiz und international.

Kaspar Enz
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Im Innovationszentrum Cubic in Uzwil tüfteln Forscher, Start-ups und Bühler an neuen Ideen.

Im Innovationszentrum Cubic in Uzwil tüfteln Forscher, Start-ups und Bühler an neuen Ideen.

Bild: Urs Bucher (Uzwil, 22. Mai 2019)

Was Bühler und Givaudan letztes Jahr mit Innovationszentren in Uzwil und Zürich begonnen haben, führen sie nun in Singapur fort. Beim Standort des Schweizer Aroma-Produzenten Givaudan in Singapur soll das neue Innovationszentrum noch dieses Jahr eröffnet werden. Forscher von Hochschulen und Jungunternehmen im Lebensmittelbereich können dort Pilotanlagen von Bühler und ein Aromalabor von Givaudan nutzen, sowie auf Experten der beiden Unternehmen zurückgreifen, um neuartige Lebensmittel auf Pflanzenbasis zu entwickeln.

Singapur sei dafür besonders interessant, sagte Ian Roberts, Technologiechef von Bühler an der Präsentation des Jahresergebnisses. Denn bis 2030 will Singapur 30 Prozent seiner Lebensmittel selbst produzieren. Denn dem Stadtstaat fehlen de Flächen für herkömmliche Landwirtschaft. Singapur setzt deshalb auf Technologie und wolle zu einem Zentrum für innovative Lebensmittelindustrie werden. Was noch fehle sei das Know-How von Unternehmen wie Givaudan oder Bühler.

Industrie muss umdenken

Aber nicht nur in Singapur brauche die Nahrungsmittelindustrie neue Ideen. «Wenn wir angesichts des Klimawandels zehn Milliarden Menschen ernähren wollen, müssen wir die Ernährung neu denken», sagte Roberts. Der Ersatz von Fleisch sei besonders wichtig. Die Produktion tierischer Nahrungsmittel verbrauche über 60 Prozent der weltweiten Landwirtschaftsflächen, erzeuge aber nur 17 Prozent der verspeisten Kalorien.

Das Umdenken sei im Gang. «Ich bin seit 25 Jahren in der Lebensmittelindustrie. Ein Umwälzung, wie sie im Moment abläuft, habe ich noch nie erlebt», sagt Ian Roberts. «Wie Tesla bei den Autos haben die Burger von Beyond Meat eine Lawine losgetreten.» Kaum ein Tag vergehe, an dem er sich nicht mit pflanzlichen Proteinen beschäftigt. Denn Bühler ist mit seinen Anlagen zum Mischen von Zutaten, zur Extrusion und Formung von Nahrungsmitteln in der Lage, vorne mitzumischen.

Erbsenhuhn mit Biss

Für den Umbau der Ernährung sei Zusammenarbeit unabdingbar, gerade mit Jungunternehmern. Mit dem Programm Mass Challenge fördern Bühler und andere Unternehmen der Branche Start-ups. Eines davon ist «Planted», das letztes Jahr Poulet aus Erbsen auf den Markt brachte. Vor allem in Biss und Faserstruktur kommt es dem Huhn nahe, wie der Koch im Bühler-Innovationszentrum Cubic vorführte. Den Boom spürt Co-Gründer Christoph Jenny. «Die Nachfrage ist da. Wir müssen Wartelisten führen.» Deshalb will Planted im Sommer eine neue Produktion in Kemptthal eröffnen. Statt 500 Kilo pro Tag sollen dann vier Tonnen produziert werden. Mit Anlagen von Bühler. Denn mit den Start-ups investiert das Uzwiler Traditionsunternehmen nicht nur in die Zukunft der Ernährung, sondern auch in zukünftige Kunden.

Der Bühler-Konzern erhält eine Frau in der Konzernleitung

Ab September amtiert Irene Mark-Eisenring als Personalchefin und Mitglied des Topmanagements des Uzwiler Technologiekonzerns. Sie zieht in das oberste operative Führungsgremium ein, in dem bisher lauter Männer sitzen.
Thomas Griesser Kym

Nachhaltige Lösungen für die Ernährung der Zukunft liefern

Die Bühler Gruppe hat in Uzwil ein neues Gebäude für die interdisziplinäre Forschung und Entwicklung gebaut. Der Bühler «Cubic», für den das Unternehmen knapp 50 Millionen Franken investierte, soll auch Lösungen für die Ernährung der Zukunft liefern.