BRIEFPOST: Quickmail geht über die Grenze

Der St. Galler Briefzusteller Quickmail bricht wegen des Teilmonopols der Schweizerischen Post aus seinem Heimmarkt aus. Künftig verschickt Quickmail Briefe in die ganze Welt, dies mit Hilfe der Deutschen Post.

Stefan Borkert
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Eine Quickmail-Zustellerin auf Tour rund um Thal. Jetzt wird Quickmail auch international. (Bild: Hanspeter Schiess)

Eine Quickmail-Zustellerin auf Tour rund um Thal. Jetzt wird Quickmail auch international. (Bild: Hanspeter Schiess)

Stefan Borkert

Die Quickmail AG bietet ab 2018 Schweizer Kunden die weltweite Zustellung von Briefen und Warensendungen bis zwei Kilogramm an. Anders als innerhalb der Schweiz gilt für diese Sendungen keine Gewichtsgrenze über 50 Gramm. Quickmail-Geschäftsführer Bernard Germanier ist nicht gewillt, wegen des Teilmonopols der Post die Füsse stillzuhalten: «Da wir damit rechnen, dass das Briefmonopol bis 50 Gramm für die Schweiz noch einige Jahre aufrechterhalten wird, mussten wir nach weiteren Tätigkeitsfeldern suchen.» Als Partner hat Quickmail die Deutsche Post ins Boot geholt und einen Vertrag abgeschlossen, der die Beförderung der Sendungen ins Ausland ab 15. Januar 2018 ermöglicht. Die Deutsche Post ist Europas grösster Postdienstleister. Germanier kritisiert die starke Stellung der Post in der Schweiz: «Rund 75 Prozent des Postmarktes in der Schweiz fällt unter das Teilmonopol.» Nicht davon betroffen sind abgehende Sendungen aus der Schweiz ins Ausland, welche nicht unter das Monopol fallen.

Eigentlich müsste die Schweizerische Post Quickmail nicht fürchten, aber reagiert wird trotzdem. Der Marktanteil von Quickmail liege bei etwa 2 Prozent. Im Briefmarkt sei die Schweizerische Post nach wie vor dominierend, sagt Germanier und fährt fort: «Dennoch hat der Eintritt von Quickmail in den Briefmarkt bereits viele positive Effekte hervor gebracht.» So seien diverse Zuschläge für Geschäftskunden gestrichen «und die Preise für Massensendungen sind seit unserem Markteintritt nicht mehr erhöht worden». Dass das Teilmonopol der Post in Bälde gekippt wird, hält Germanier für unwahrscheinlich. «Für eine komplette Aufhebung des Teilmonopols lässt sich im Parlament zurzeit keine Mehrheit finden, obwohl die Wettbewerbskommission zum Schluss gekommen ist, dass das Teilmonopol zu Verzerrungen und Fehlanreizen für Marktteilnehmer führt. Er hofft aber, dass eine vorsichtige Absenkung des Teilmonopols von 50 auf 25 Gramm «eines Tages hoffentlich im Parlament zur Debatte kommen wird». Damit würden immer noch 50 Prozent des Postmarktes unter das Teilmonopol fallen und die Post damit weiter ausreichend schützen. Auch wenn das seiner Meinung gar nicht mehr notwendig sei.

Wenig politischer Druck im Parlament

Allerdings gibt Germanier zu bedenken, dass der Postmarkt für viele Parlamentarier kein Kernthema ist. Dennoch versuche Quickmail zu vermitteln, dass Vielfalt im Postmarkt nicht nur für die Kunden wichtig sei, sondern auch Arbeitsplätze in allen Kantonen schaffe. «Quickmail hat alleine in den letzten acht Jahren 500 Vollzeitstellen geschaffen», sagt er.

Germanier und die Quickmail AG fühlen sich in der Schweiz in ein enges Korsett gezwängt. Der Aktionsradius sei in der Schweiz enger als in allen anderen europäischen Ländern. Um auf dem Markt besser auftreten zu können, sei Quickmail schon zufrieden, wenn der durch den Gesetzgeber vorgesehene Teilleistungszugang zu Postfächern gewährt und Quickmail beim Teilleistungszugang auf der letzten Meile gegenüber Geschäftskunden nicht diskriminiert würde, erklärt Germanier und doppelt nach: «Zudem ist für einen funktionierenden Postmarkt eine Absenkung des Teilmonopols auf 25 Gramm notwendig.»