Brexit und US-Notenbank: Bald gilt's ernst

Am 15. und 23. Juni stehen Ereignisse an, welche die Finanzmärkte bewegen werden. Es sind der US-Zinsentscheid und die Brexit-Abstimmung.

Caroline Hilb Paraskevopoulos, Leiterin Anlagestrategie und Analyse, St. Galler Kantonalbank
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Am 15. und 23. Juni stehen Ereignisse an, welche die Finanzmärkte bewegen werden. Es sind der US-Zinsentscheid und die Brexit-Abstimmung. Zunächst schauen wir auf die USA: Wird die Notenbank Fed an der Zinsschraube drehen? Egal ob SMI, Dollar oder Goldpreis – keine Anlageklasse kann sich der Strahlkraft der Fed entziehen.

Bitte keine Überraschungen!

Wir gehen davon aus, dass die Fed im Juni ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte erhöhen wird. Die Fed kommuniziert aktiv und bereitet die Finanzmarktteilnehmer auf diesen Schritt vor – was sehr wichtig ist, denn 99% der Geldpolitik ist Kommunikation. Sobald sich nämlich die Zeichen einer erneuten Zinserhöhung verdichten, wird der Dollar profitieren. Und je überraschender dies ist, desto stärker die Reaktion an den Finanzmärkten. Und das ist ein kritischer Punkt. Denn die Abschwächung des Dollars in den letzten Monaten hat der Marktlage gutgetan: Die Währungen der Schwellenländer kamen zur Ruhe, und die Angst vor einer Schuldenkrise ebbte ab. Wenn nun diese Erwartung wieder dreht, kommen die Währungen der Emerging Markets wieder unter Abgabedruck, und es braucht nur einen kleinen Funken, der an den Märkten eine ähnliche explosive Mischung wie zu Beginn des Jahres provozieren kann. Ebenfalls wird ein stärkerer Dollar die US-Exportleistung beeinträchtigen, was die US-Konjunkturaussichten belasten könnte. Sinkende Aktienmärkte wären dann ebenfalls die Folge.

Was kann die Fed tun, um eine negative Entwicklung zu verhindern? Sie muss beharrlich und bei jeder Gelegenheit betonen, dass eine weitere Zinserhöhung durchaus möglich ist. Dieser Kommunikationsstrategie muss Fed-Chefin Janet Yellen unbedingt die Treue halten.

Brexit birgt Gefahrenpotenzial

Grossbritannien entscheidet am 23. Juni über den Verbleib in der EU. Der Abstimmungsausgang ist offen. Die Briten werden in erster Linie ihre Zustimmung zur Zuwanderungspolitik in die Urne legen, wie das britische Sorgenbarometer nahe legt. Dabei sind die Folgen der Abstimmung vor allem auch ökonomischer Natur. Sollte sich Grossbritannien für den Austritt entscheiden, müssen sämtliche Handelsabkommen neu ausgehandelt werden, und die Ungewissheit wird entsprechend zunehmen. Negativ betroffen ist dann schnell der britische Finanzsektor. Wir gehen davon aus, dass der wirtschaftliche Schaden sich in den Zahlen sehr rasch und negativ niederschlagen wird. Wir rechnen auch damit, dass die Finanzmärkte den Entscheid sofort in der Kursentwicklung verarbeiten werden. Aber wir gehen davon aus, dass der Einfluss kurzfristig sein wird.

Im Kern birgt der US-Zinsentscheid mittelfristig positive Impulse für die Märkte. Der Einfluss des Brexit wird bei einer Annahme kurzfristig einen negativen Effekt haben, diesen aber wieder schnell verlieren. Wir belassen die Aktienquote unverändert. Bei der Obligationenallokation nehmen wir ebenfalls keine Änderung vor.

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