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Brexit hemmt Investitionen

Die Unsicherheit rund um den Ausstieg Grossbritanniens aus der EU lässt immer mehr Unternehmen bangen. BMW und andere Firmen aus der Europäischen Union erwägen radikale Massnahmen.
Guy Faulconbridge (Reuters), London
Die BMW-Mini-Niederlassung in Oxford. (Bild: Christopher Furlong/Getty; 13. März 2017)

Die BMW-Mini-Niederlassung in Oxford. (Bild: Christopher Furlong/Getty; 13. März 2017)

Die anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit versetzt immer mehr Unternehmen in Alarmstimmung. Ein BMW-Manager stellte im schlimmsten Fall die Schliessung britischer Werke in Aussicht, falls der Brexit zu grossen Unterbrechungen der Lieferkette führen würde.

Auch Airbus hatte davor gewarnt, dass ein EU-Austritt der Briten ohne Vertrag über die künftigen Handelsbeziehungen die Präsenz in Grossbritannien gefährden könnte. Schon ziehen einige Firmen Konsequenzen: Im ersten Halbjahr brachen die Investitionen in die britische Autoindustrie dem Verband der britischen Kraftfahrzeughersteller und -händler (SMMT) zufolge um fast die Hälfte ein. Zudem kündigte die spanische Infrastrukturgesellschaft Ferrovial an, wegen des Brexit die Holding für das internationale Geschäft von Oxford nach Amsterdam zu verlegen. Der SMMT forderte Premierministerin Theresa May gestern zu einem Kurswechsel auf und mahnte an, die weltweit fünftgrösste Volkswirtschaft in der EU-Zollunion zu halten.

«Frustration in den Vorstandsetagen»

«Die Frustration in den globalen Vorstandsetagen über den langsamen Fortgang der Verhandlungen wächst», sagte SMMT-Chef Mike Hawes. «Die Regierung muss ihre Position zur Zollunion überdenken.» Ankündigungen zu Investitionen in neue Fabriken, Maschinen oder Modelle der britischen Autoindustrie seien in der ersten Jahreshälfte bereits um fast die Hälfte auf nur noch rund 347 Millionen Pfund (454 Millionen Euro) gesunken.

Am Tag zuvor hatte ein Mitarbeiter der BMW-Chefetage für Aufregung gesorgt, indem er für den Fall von ernsthaften Störungen der Lieferkette nach dem Brexit die Schliessung von Werken in Grossbritannien in Aussicht gestellt hatte. BMW könne nicht in Grossbritannien produzieren, wenn die Lieferkette einen Stopp an der Grenze machen müsse, sagte der für Zollfragen zuständige BMW-Manager Stephan Freismuth der «Financial Times». Gestern jedoch versuchte BMW, die Sorgen über ein mögliches Aus für britische Werke zu zerstreuen: Der Konzern denke derzeit nicht aktiv über eine Auslagerung der Produktion aus dem Vereinigten Königreich nach, betonte der BMW-Sonderbeauftragte für Grossbritannien, Ian Robertson. BMW baut in Grossbritannien den Mini und Rolls-Royce-Fahrzeuge. Rund 90 Prozent der dafür verwendeten Teile kommen vom europäischen Festland. In den vergangenen Tagen hatten auch Manager von Airbus und Siemens Grossbritannien vor einem unvorbereiteten Ausstieg aus der Zollunion gewarnt.

Airbus: Tausende von gefährdeten Jobs

Airbus hatte für den Fall eines Austritts der Briten aus der EU ohne Vertrag über die künftigen Handelsbeziehungen mit der Staatenunion die langfristige Präsenz im Königreich in Frage gestellt. Damit wären Tausende Jobs in Grossbritannien gefährdet, wo Airbus Flügel für seine Maschinen herstellt. Die Briten wollen die EU im März 2019 verlassen. Noch immer ist aber die künftige Beziehung Grossbritanniens zur EU offen. Wegen der vielen Unklarheiten gewährt die EU dem Königreich eine Übergangsperiode bis Ende 2020. In der Zeit muss sich London an EU-Regeln halten, bewahrt sich dafür aber den Zugang zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion.

Genau darüber gibt es noch Streit innerhalb der britischen Regierung. Während einige Politiker möglichst enge EU-Beziehungen aufrechterhalten wollen, sprechen sich andere für eine radikalere Trennung aus. Mehr als die Hälfte des britischen Aussenhandels im Volumen von 1,1 Billionen Dollar entfällt auf die EU-Staaten.

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