Bremse für Hochfrequenzhandel

Strenge Vorschriften im riskanten Hochfrequenzhandel und für die Spekulation mit Nahrungsmitteln – dafür plädiert der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments.

Marianne Truttmann
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BRÜSSEL. Das EU-Parlament will die von der EU-Kommission vorgeschlagene Einschränkung des Hochfrequenzhandels (HFT) verschärfen. Der Wirtschaftsausschuss des EU-Parlaments hat gestern eine entsprechende Position zur Revision der Richtlinie über Märkte und Finanzinstrumente (Mifid) verabschiedet. Bei den Provisionen verständigte sich der Ausschuss dagegen auf eine schwächere Variante. Statt wie anfänglich geplant zu verlangen, dass Verkäufer von Finanzprodukten Provisionen (Kickbacks) an den Kunden weiterreichen müssen, genügt dem Parlamentsausschuss als zweite Option auch, dass die Provisionen transparent gemacht werden.

Ausgeklügelte Algorithmen

Beim HFT einigte sich der Ausschuss darauf, dass Börsenaufträge mindestens eine halbe Sekunde lang im Handelssystem verbleiben müssen. Der Luxemburger Abgeordnete Robert Goebbels, Verhandlungsführer der sozialistischen Fraktion, verweist darauf, dass Händler und Investoren im HFT ausgeklügelte Algorithmen benutzen, die Aufträge in Millisekunden plazieren und dann häufig wieder annullieren, um den Preis in eine bestimmte Richtung zu treiben. Im Schnitt bleibe ein HFT-Auftrag nur für drei Millisekunden im System. Dies habe zur Folge, dass HFT-Aufträge über 80% aller Angebote auf Aktienmärkten ausmachen, jedoch nur etwa 20% aller ausgeführten Aufträge auf HFT zurückzuführen seien, hält Goebbels fest.

Ohne die neue EU-Regelung abzuwarten, hat Deutschland bereits einen Gesetzesentwurf mit schärferen Vorschriften für den HFT vorgelegt (vgl. Ausgabe von gestern). Dabei wurde jedoch auf eine Zeitlimite verzichtet. Diese wird von der Branche vehement bekämpft. Deutschland führt stattdessen eine Zulassungspflicht für Hochfrequenzhändler ein und mehr Möglichkeiten, den Handel bei ungewöhnlichen Bewegungen zu unterbrechen.

Schach den Spekulanten

Schliesslich hat sich der Parlamentsausschuss dafür ausgesprochen, dass für die Spekulation mit Nahrungsmittel-Derivaten bindende Maximallimiten gelten, an die sich ein Anleger halten muss. Festlegen soll diese Limiten die Europäische Wertpapieraufsichtsbehörde Esma. Dabei soll unterschieden werden zwischen reinen Spekulanten und Nahrungsmittelkonzernen, welche die Rohstoffe benötigen.

Das EU-Parlament wird voraussichtlich kommenden November über die Vorschläge entscheiden. Noch nicht festgelegt hat sich der Rat der EU-Staaten, in welchem grosse Meinungsverschiedenheiten herrschen.