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Schweizer Bier ist beliebt: Brauer trumpfen mit Regionalität

Konsumenten trinken immer mehr Bier von immer mehr Schweizer Brauereien. Das machen sich auch Hersteller in der Ostschweiz zu Nutzen wie Schützengarten aus St.Gallen, Locher aus Appenzell oder der Thurgauer Martin Wartmann.
Thomas Griesser Kym
Bierkultur im «Sternen»: Reto Preisig (links) und Martin Ketterer von der Schützengarten-Geschäftsleitung. (Bild: Mareycke Frehner (Heerbrugg, 27.11.2018))

Bierkultur im «Sternen»: Reto Preisig (links) und Martin Ketterer von der Schützengarten-Geschäftsleitung. (Bild: Mareycke Frehner (Heerbrugg, 27.11.2018))

Ein schöner Frühling und ein heisser Sommer – diese beiden Ingredienzien haben es vielen Schweizer Brauereien ermöglicht, im abgelaufenen Braujahr (per Ende September) mehr Bier zu verkaufen als im Jahr davor. Hinzu kam die Fussball-WM in Russland. Dieses Grossereignis hat dank der damit verbundenen geselligen Treffen (Public Viewing, Grillpartys usw.) den Bierkonsum ebenfalls befeuert, doch entscheidend war auch hier das prächtige Wetter.

Profitiert hat auch die St. Galler Brauerei Schützengarten, mit einem Ausstoss von rund 175'000 Hektolitern die Nummer fünf im hiesigen Markt. Das Unternehmen hat den Absatz von Markenbieren um 2,3 Prozent gesteigert und damit den Gesamtmarkt übertroffen, der nach einem leichten Minus im Vorjahr wieder um 1,8 Prozent wuchs. Für Schützengarten-Chef Reto Preisig «eher überraschend» ist der Verkauf der Schützengarten-Biere in der Gastronomie nach mehreren rückläufigen Jahren um 1 Prozent gestiegen. Dazu beigetragen haben neben dem Wetter wohl auch die gute Konjunktur und neue Produkte. So nennt Preisig beispielsweise «anhaltenden Erfolg» der Craft-Biere.

Konsumenten greifen öfters zu Craft-Bieren

Mit solchen handwerklich gemachten Bieren punkten seit mehreren Jahren Mikrobrauereien, deren Zahl ständig zunimmt. Das haben auch industrielle Brauer gemerkt und sind auf diesen Trend aufgesprungen. Mittlerweile hat Schützengarten vier Craft-Biere im Sortiment. Auch im Getränkehandel sowie an Veranstaltungen hat Schützengarten zugelegt, während der Bierabsatz im Detailhandel stagnierte. Dass der Durst insgesamt gross war, zeigt sodann die Bilanz Schützengartens im gesamten Getränkeverkauf, der um 4,1 Prozent zunahm. Dieser summiert sich aus den Bieren der eigenen Brauerei plus dem Verkauf von Handelsprodukten (alkoholfreie Getränke und Wein).

Ohne konkret darauf einzugehen, sprach Preisig im kürzlich neu eröffneten Restaurant Sternen in Heerbrugg von einem «erneut soliden finanziellen Ergebnis». Darauf will man aufbauen. Mit Aperitivo und Grapefruit hat Schützengarten zwei neue Biermischgetränke präsentiert, die in den kommenden Monaten in der Gastronomie und im Detailhandel eingeführt werden. Zudem will man bei den Konsumenten noch stärker mit Regionalität punkten.

Gerste und Hopfen aus regionalem Anbau

Dass dies zieht, zeigen die anhaltende Zunahme der Zahl der Brauereien in der Schweiz um 162 auf 995 sowie der erneute Rückgang der Importbiere, wobei es sich beim Grossteil um billiges Dosenbier handelt. Schützengarten will laut dem Technischen Direktor Martin Ketterer zum einen den Anteil der Schweizer Braugerste weiter erhöhen, nachdem dieses Jahr ein Dutzend Vertragsbauern 120 Tonnen heimische Gerste für das Unternehmen mit 220 Mitarbeitenden geerntet haben.

Zum anderen pflanzt neu ein Stammheimer Hopfenbauer für Schützengarten exklusiv reinen Aromahopfen der Sorte Opal an. Nächstes Jahr wird Schützengarten als älteste Schweizer Brauerei 240 Jahre alt. Geplant sind unter anderem ein Brauereifest im Frühling und ein obergäriges Jubiläumsbier.

Noch viel Überzeugungsarbeit nötig

Ein bekanntes Gesicht in der Brauszene ist seit Jahren Martin Wartmann. Er ist im Thurgau mit dem Brauhaus Sternen und der Brauerei Kloster Fischingen aktiv. Das Geschäft mit den Pilgrim-Bieren aus der Klosterbrauerei ist dieses Jahr gewachsen, «aber weniger stark als erhofft», wie Wartmann sagt. Als Grund nennt er zum einen den Wettbewerbsdruck durch immer mehr Brauereien. Zum anderen «braucht es sehr viel Aufklärung, um bei den Kunden Verständnis zu wecken für unsere Biere».

Der Thurgauer Bierbrauer Martin Wartmann in seiner Klosterbrauerei. (Bild: Andrea Stadler (Fischingen, 4. September 2015))

Der Thurgauer Bierbrauer Martin Wartmann in seiner Klosterbrauerei. (Bild: Andrea Stadler (Fischingen, 4. September 2015))

Wartmann nennt seine Produkte Gourmet-Biere, und diese haben ihren Preis. Ein Teil davon ist im Holzfass gereift. «Wir müssen die Konsumenten mit unseren Bieren in Berührung bringen. Da arbeiten wir daran.» Auch in der Gastronomie hat Wartmann laut seiner Darstellung noch viel Überzeugungsarbeit nötig. «Viele Wirte setzen unverändert auf das Lager hell und die Hahnenbiere und haben noch nicht verstanden, dass es auch Konsumenten gibt, die für ein spezielles Bier bereit sind, etwas mehr zu zahlen.»

Ausbau im Rahmen des Projekts «Brauhaus 2022»

Mit den Pilgrim-Bieren, mit denen Wartmann im Frühling 2015 gestartet ist, füllt er mittlerweile gegen 300'000 Flaschen im Jahr. Voriges Jahr waren es 230'000. Für eine gute Rechnung müssten es 350'000 Flaschen sein. «Noch machen wir keinen Profit», sagt Wartmann. Nächstes Jahr aber will er schwarze Zahlen schreiben. Die Pilgrim-Biere sind per Post erhältlich, in allen grösseren Coop-Supermärkten, wo der Verkauf recht gut laufe, und in Spezialitätenläden. Das Netz dieses Absatzkanals versucht Wartmann laufend zu erweitern. Ziel sei es, dem Kloster einmal «eine Brauerei zu hinterlassen, die langfristig rentiert».

Das Brauhaus Sternen liegt laut Wartmann «umsatzmässig auf Kurs». Will heissen: «Es ist leicht gewachsen.» Seine Hausbiere sind ab Rampe sowie in den beiden Gaststätten in Frauenfeld und Winterthur erhältlich. Das nächste Projekt heisst «Brauhaus 2022» und dreht sich um einen Ausbau der Brauerei in Frauenfeld. Nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung vergangenen Juni ist die Finanzierung gesichert. Um die Bekanntheit zu erhöhen, bieten das Brauhaus Sternen wie auch die Brauerei Kloster Fischingen Brauereiführungen an.

Brauerei Locher im Endspurt mit dem Investitionsprogramm

Die Brauerei Locher in Appenzell ist neben Ramseier in Hochdorf die grösste eigenständige Schweizer Bierherstellerin und damit insgesamt die Nummer drei oder vier hinter Carlsberg (Feldschlösschen, Hürlimann, Cardinal) und Heineken (Calanda, Haldengut, Eichhof, Ittinger). Laut Geschäftsleiter und Mitinhaber Karl Locher hat sein Familienunternehmen «ein gutes Braujahr» hinter sich mit «moderatem Wachstum. Wir sind mit dem Geschäftsgang zufrieden», sagt Locher, und auch für das neue Braujahr zeigt er sich zuversichtlich, falls das Wetter erneut mitspielt.

Karl Locher, Geschäftsleiter und Mitinhaber der Appenzeller Brauerei Locher. (Bild: Hanspeter Schiess (Appenzell, 29. April 2010))

Karl Locher, Geschäftsleiter und Mitinhaber der Appenzeller Brauerei Locher. (Bild: Hanspeter Schiess (Appenzell, 29. April 2010))

Locher hat gut 100 Mitarbeitende. Die Brauerei setzt auf Biermarken wie das Quöllfrisch, den Brandlöscher, das Vollmond-Bier und andere Spezialitäten und vermarktet seine Produkte landesweit. Das mehrjährige Investitionsprogramm im Umfang von 30 Millionen Franken steht vor der Vollendung. Als letzten Schritt hat Locher mit der Erneuerung der Fassaden begonnen, nachdem zuvor ein Neubau, neue Lagertanks und ein neues Hochregallager bewerkstelligt worden sind. Locher braut im Jahr über 200'000 Hektoliter Bier.

Billigdosen aus dem Ausland auf der Verliererstrasse

Der Schweizer Biermarkt ist im abgelaufenen Braujahr um 1,8 Prozent auf 4,7 Millionen Hektoliter gewachsen. Während die inländischen Brauereien den Ausstoss um 3,9 Prozent auf 3,6 Millionen Hektoliter steigerten, wiesen die Bierimporte, vor allem Billigware in Dosen, ein Minus von 4,6 Prozent auf 1,1 Millionen Hektoliter aus und verloren erneut an Terrain. Der Gesamtmarktanteil der inländischen Brauereien stieg auf 76,7 Prozent von 75,2 Prozent im vorvergangenen Braujahr.

«Dass der Import zurückgeht, ist erfreulich», sagt Markus Zemp, Präsident des Schweizer Brauerei-Verbandes. «Die Biervielfalt hat weiter zugenommen, und auch die grossen Brauereien haben das Angebot ausgeweitet.» Ende September gab es in der Schweiz 995 Brauereien, 162 mehr als vor Jahresfrist und 261 mehr als vor zwei Jahren. Mikrobrauereien schiessen wie Pilze aus dem Boden.

Erster Anstieg des Pro-Kopf-Konsums seit 2014

Allerdings werden nach wie vor über 99 Prozent des Schweizer Biers von den 50 grössten Brauereien produziert. Das dominanteste Bier ist unangefochten das Lager, das zusammen mit dem Spezialbier (Schweizer Version des Pils) für 82 Prozent des Biermarkts steht. Doch Spezialitäten haben ihren Anteil von 16 auf 18 Prozent erhöht. Zugenommen hat auch der Pro-Kopf-Bierkonsum, von 54,3 auf geschätzte 55 Liter. Das ist der erste Anstieg seit 2014. «Eine Trendumkehr ist das noch nicht», sagt Verbandsdirektor Marcel Kreber, auch mit Blick auf das Prachtwetter vor allem im zweiten Quartal. Der Konsum alkoholischer Getränke pro Kopf sei tendenziell weiter sinkend.

Sorgen bereitet der Branche laut Zemp der Fachkräftemangel. Pro Jahr schlössen nur etwa zehn Lernende die Ausbildung zum Bierbrauer ab. «Der Bedarf ist viel höher.» Nur die grossen Brauereien verfügten über die Infrastruktur, um die Ausbildung im Betrieb sicherzustellen. Der Verband will die Kooperation der Brauereien in der Ausbildung fördern und koordinieren. (sda/T. G.)

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