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Schweizer Fleischbranche
verlängert Frist

Importe trotz Überangebot? Dies sorgte jüngst für viel Unverständnis. Gestern kam es deshalb zur ausserordentlichen Sitzung beim Fleischverband. Man einigte sich auf eine Verlängerung der Importperiode.
Raphael Bühlmann
Blick in ein Schlachthaus des Fleischverarbeiters Bell. (Bild: F. Biasio/Keystone (Oensingen, 22. Dezember 2005)

Blick in ein Schlachthaus des Fleischverarbeiters Bell. (Bild: F. Biasio/Keystone (Oensingen, 22. Dezember 2005)

Die knappe Futterversorgung sorgt weiter für Verwerfungen auf den Agrarmärkten. Gestie­gene Schlachtzahlen liessen in der Schweiz diese Woche die Preise für Metzgkühe erodieren. Von 8.20 Franken auf 7 Franken pro Kilo Schlachtgewicht.

Für Kopfschütteln sorgte zudem, dass die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft (Proviande) für den Monat August zusätzlich Importe von 800 Tonnen Kuhhälften beantragt hat. Wegen der darauf erfolgten Kritik setzte Proviande die Festsetzung des SchlachtkuhRichtpreises für nächste Woche aus und berief stattdessen gestern eine ausserordentliche Sitzung des Verwaltungsrates (VR) ein. Dieser beschloss, die Importperiode um einen Monat bis Ende September zu verlängern und damit die Menge zu sistieren. Normalerweise wird jeweils monatlich eine Importmenge festgelegt, die es einzuhalten gilt.

Bell und Lucarna bezahlen den Richtpreis

«Der Verwaltungsrat fordert die Importeure auf, die durch die Massnahme geschaffene Möglichkeit zu nutzen, die bereits bewilligten Importe zu verschieben und damit den Markt nicht zusätzlich zu belasten», schreibt Proviande in einer Mitteilung. Zudem würden Produzenten und Verwerter alles daransetzen, dass die Preise für Schlachtkühe stabil bleiben, ohne dass mit Bundesmitteln Marktabräumungen durchgeführt werden müssten. Den Richtpreis für Schlachtkühe setzte der VR bei 7.50 Franken fest. Die beiden grossen Verarbeiter, denen von Seiten des Bauernverbands diese Woche eine «schamlose Ausnutzung der Notlage» vorgeworfen wurde, bestätigen auf Anfrage, dass sie den Richtpreis respektieren werden. «Bell wird ab Montag den Richtpreis von Proviande bezahlen», schreibt Fabian Vetsch von Bell auf Anfrage. Auch Lucarna Macana bestätigte die Preiseinhaltung. Dass die fast schon panikartigen Verkäufe von Kühen die Preise kurzfristig unter Druck setzen würden, verwundert nicht.

Langfristig dürften die Agrarmärkte aber wohl eher von einem ausgeprägten Nachfrageüberhang gekennzeichnet sein. Denn so spärlich der Regen auf die Felder und Äcker in ganz Europa gefallen ist, so gross werden die Versorgungsengpässe in den kommenden Wochen sein. Die ersten Vorboten dafür zeichnen sich bereits ab. «Auf dem Schweizer Milchmarkt haben die Futterversorgung und die hohen Temperaturen zu deutlich sinkenden Milcheinlieferungen geführt», schreiben die Schweizer Milchproduzenten (SMP). Dies lasse sich anhand der gesunkenen Butterlager erkennen. Aufgrund dessen erübrigten sich auch die Massnahmen zur Marktentlastung. Dabei wurde bis anhin überschüssige Milch zu Butter verarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Milchbauern zu international konkurrenzfähigen Preisen exportiert. Der grösste Schweizer Milchverarbeiter Emmi hob den im Juli eingeführten Beitrag für Butterexporte per Anfang August wieder auf. Den Milchlieferanten bleibt damit unter dem Strich 1 Rappen mehr pro Kilo Milch.

Mais- und Weizenpreise ziehen stark an

Auch in Europa sind bereits im Juni die durchschnittlichen Milchpreise erstmals seit November 2017 gestiegen. «In Bezug auf die Ankündigungen der Molkereien wird der durchschnittliche Milchpreis im Juli und August weiter steigen», hielt der holländische Landwirtschaftsverband fest, der für ganz Europa die monatliche «International Milk Price Review» erstellt. Nicht anders sieht es auf den Getreidemärkten aus. «Die deutsche Getreideernte ist so niedrig wie seit 1994 nicht mehr», schreibt das Agrarportal «Agrarheute.de». Besonders die Schätzungen von Körnermais- und Weizen hätten massiv nach unten korrigiert werden müssen.

An Europas bedeutendsten Futtermittelbörsen in Paris haben die Futtermittelpreise in den letzten Wochen stark angezogen. Die gehandelten Terminkontrakte für Mais oder Weizen erzielen seit Jahren nicht mehr erreichte Höchstpreise. Allein seit Mai hat der Weizen um teils über 20 Prozent auf über 200 Euro pro Tonne angezogen.

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