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Der Schweizer Boom in Österreich ist vorbei

Erstmals seit zehn Jahren gingen die schweizerischen Übernachtungen in Österreich deutlich zurück. Dies, weil die Schweiz preislich zuletzt aufgeholt hat.
Niklaus Vontobel
Blick auf das bekannte Dorf Hallstatt im österreichischen Salzkammergut. (Bild: Lingxiao Xie/Getty)

Blick auf das bekannte Dorf Hallstatt im österreichischen Salzkammergut. (Bild: Lingxiao Xie/Getty)

Ein Jahrzehnt lang war das Ferienland Österreich in der Schweiz en vogue. Jedes Jahr drängten mehr und mehr schweizerische Urlauber ins Nachbarland, vor allem ins Tirol und ins Vorarlberg. 2018 ist nun das erste Jahr, in dem Österreich einen deutlichen Rückgang im «Quellmarkt Schweiz» verzeichnet. Das zeigen neue Zahlen von Statistik Austria. Dabei erlebt das Land insgesamt gerade einen touristischen Boom. Nur die Schweizer machen nicht mehr mit. Bei ihnen gab es den deutlichsten Rückgang der Übernachtungen von allen ausländischen Gästen. Vor allem mit der beginnenden Wintersaison verlor Österreich offenbar an Anziehungskraft. Im Dezember kamen 5 Prozent weniger Schweizer Gäste, die schweizerischen Logiernächte gingen um 2,5 Prozent zurück.

Dass damit die besten Wachstumszeiten erst einmal passé sind – diese Einschätzung wird auch im österreichischen Tourismus geteilt. Von kräftigen Zuwächsen spricht man etwa bei «Österreich Werbung» nicht mehr. Die Bedingungen hätten sich «leicht an­gepasst», sagt die Regionen­managerin Carmen Breuss. Die Schweiz habe ihr eigenes Angebot verbessert, auch das Marketing sei sichtbar verstärkt worden.

Österreichische Hoteliers schlugen preislich kräftig zu

Im Schweizer Tourismus gilt er auch als beendet, der schweize­rische Boom in Österreich. Dies erklärt man sich in der Branche unter anderem mit den Preisen. «Unsere Nachbarn haben die gestiegene Nachfrage genutzt – und die Preise erhöht», sagt Hotelleriesuisse-Präsident Andreas Züllig. In der Schweiz hingegen habe man sich zurückgehalten. Das Lob des obersten Hoteliers für die eigene Branche wird von den statistischen Ämtern beider Länder gestützt. Die Hotellerie in der Schweiz verzichtete demnach nicht bloss auf Preissteigerungen. Ihr gelang sogar eine deutliche Senkung. In Österreich hingegen schlugen die Hoteliers preislich kräftig zu, ihre Konditionen gingen zuletzt steil nach oben.

Züllig erkennt eine gewisse Desillusionierung der schweizerischen Gäste mit möglichen Superdeals. «Letzten Endes zahlt man für gute Qualität überall einen ähnlichen Preis», sagt der Bündner Hotelier. Diese Erkenntnis habe sich in den letzten Jahren allmählich durchgesetzt. «Die Schweizer haben auch gemerkt: Die Leistung stimmt, die sie daheim für ihr Geld bekommen.»

Der Luzerner Tourismusprofessor Jürg Stettler erkennt Fortschritte im Schweizer Tourismus. Die Branche habe ihre Preise in den letzten Jahren stetig gesenkt. Geholfen hätten auch die günstigeren Tickets für Bergbahnen sowie die gross angelegten Werbekampagnen dafür. «Damit ist das Bild von der teuren Schweiz korrigiert worden, zumindest ein Stück weit.»

Neid wegen deutschen Gästen

Doch obwohl der Boom vorbei ist, kehren nicht Massen von Schweizer Touristen ihren österreichischen Gastgebern den Rücken zu. Es wandern bloss nicht mehr Jahr für Jahr noch mehr Schweizer Reisende dorthin ab. Stattdessen werden wohl weiterhin jährlich um die 5 Millionen Übernachtungen von Schweizern gebucht. Von der Schweizer Treue ist man bei «Österreich Werbung» überzeugt. «Wir glauben, in den kommenden Jahren das hohe Niveau der Schweizer Gästezahlen be­halten zu können», sagt Managerin Breuss. Im besten Falle sei ein leichter Ausbau möglich. Denn laut Umfragen würden die Schweizer Gäste unter anderem die landschaftliche Schönheit schätzen, die Qualität der Hotellerie sowie das Verhältnis von Preis und Leistung. An eine Massenrückkehr von schweizerischen Gästen glaubt man auch hierzulande nicht wirklich. Hotelleriesuisse-Präsident Züllig geht im Gegenteil davon aus, dass die Zahl der Übernachtungen grosso modo gleich bleiben wird.

Auch ohne Schweiz-Boom ist Österreich international gerade hipp. 2018 kamen nochmals 4,5 Prozent mehr ausländische Gäste. Insgesamt gelang ein neuer Rekord: Die Gäste übernachteten rund 150 Millionen Mal. Wie in der Schweiz freuen sich die Hoteliers über einen wachsenden Zustrom an chinesischen Gästen. Österreich ist zudem in Deutschland zunehmend beliebt, 2018 übernachteten dort 5 Prozent mehr deutsche Gäste. Damit verbucht Österreich aktuell rund 12 Prozent mehr deutsche Gäste als noch vor zehn Jahren. Davon kann der Schweizer Tourismus nur träumen. Man wartet noch immer auf eine Rückkehr der deutschen Gäste.

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