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BÖRSENGANG: Entlassen aus Chinas Fängen

Elf Monate nachdem die Aktien des Schweizer Airline-Caterers Gategroup von der Börse genommen wurden, kommen sie in den Handel zurück. Für die chinesische HNA-Gruppe ist die Rechnung aufgegangen.
Daniel Zulauf

Niemand würde heute noch der Behauptung widersprechen, dass sich das undurchsichtige chine­sische Tourismus- und Finanzkonglomerat HNA auf seinem wilden Einkaufstrip durch Europa und Amerika gründlich verrechnet hat. Von einem weit über­zogenen Ehrgeiz zeugt in der Tat der Expansionsdrang, welche die HNA-Promotoren rund um deren Gründer und obersten Lenker Chen Feng in den vergangenen drei Jahren dazu trieben, Firmen und Immobilien auf der ganzen Welt für mehr als 40 Milliarden Dollar einzukaufen.

Dabei ist ein Schuldenberg von rund 100 Milliarden Dollar entstanden, der aus der laufenden Rechnung des erst 15 Jahre alten Unternehmens nicht mehr finanzierbar ist. Viele gute Stücke, die sich HNA in der Sturm-und-Drang-Phase eiligst einverleibt hatte, werden nun in hoher Kadenz losgeschlagen.

So ergeht es gerade dem ­Airline-Caterer Gategroup. Die Chinesen hatten das einstige Vorzeigeunternehmen der früheren Swissair 2016 für 1,4 Milliarden Franken vollständig übernommen. Dem Verkauf war ein Streit zwischen dem Zürcher Investor und Aktionärsaktivisten Rudolf Bohl (RBR Capital) und dem Verwaltungsrat um die richtige Bewertung der Firma vorausgegangen. HNA anerbot sich dem in die Defensive gedrängten Aufsichtsgremium quasi als weisser Ritter und ermöglichte dem Präsidenten Andreas Schmid einen gesichtswahrenden Abgang. Der Prozess endete formell am 27. April 2017 mit der Dekotierung der Aktien von der Schweizer Börse.

Am kommenden 27. März, also elf Monate später, sollen die Titel am gleichen Ort wieder in den Handel eingeführt werden. HNA will 54 Millionen Aktien plus 7,6 Millionen Titel aus einer Mehrzuteilungsoption verkaufen. Darüber hinaus sollen 21,9 Millionen Titel im Rahmen einer Kapitalerhöhung neu ausgegeben werden. Die mit der Durchführung der Transaktion betrauten Banken haben eine Preisspanne für die Aktienplatzierung von 16 Franken bis 21 Franken je Titel ermittelt. HNA wird aus dem Börsengang also zwischen 1 Milliarde und 1,3 Milliarden Franken lösen.

Den Firmenwert gesteigert

Je nach Ausgang des Angebotsverfahrens wird die Gesellschaft am Ende an der Börse mit bis zu 2,6 Milliarden Franken bewertet sein. Im besten Fall kann sich HNA gemessen am ursprünglich bezahlten Kaufpreis somit über einen Mehrwert von über 80 Prozent oder mehr als einer Milliarde Franken freuen.

Zwar hat Gategroup seit dem Verkauf weiter investiert und insbesondere mit dem Kauf von ­Servair, der Catering-Gesellschaft von Air France-KLM, den Firmenwert weiter gesteigert. Doch die Schweizer hatten schon vor dem Einstieg von HNA ein umfang­reiches Restrukturierungsprogramm ausgearbeitet, das inzwischen weitgehend umgesetzt wurde und sich stark positiv auf die Bewertung ausgewirkt haben dürfte. Im Rahmen der Restrukturierung hat Gategroup rund 4000 Stellen eingespart. Mit Hilfe solcher Massnahmen hat Gategroup in den letzten zwei Jahren die ­Gewinnmargen hochgeschraubt. Die Firma hat die Grundlage für hohe Dividendenausschüttungen in der Zukunft gelegt. Für HNA ist die Rechnung in diesem Fall also aufgegangen. Und sie könnte in der Zukunft sogar noch besser aussehen. Die Chinesen wollen mit rund einem Drittel an Gategroup beteiligt bleiben. HNA-CEO Adam Tan soll dem Unternehmen auch weiterhin als Verwaltungsratspräsident vorstehen. Der Preis von ­Gategroup hätte allerdings noch höher ausfallen können, wenn die Chinesen vollständig zum Rückzug geblasen hätten, glaubt ein Zürcher Investment-Banker, der die Transaktion aus Distanz verfolgt. Die unsichere Finanz­lage von HNA und das Image der Gesellschaft mahnten viele Investoren zur Vorsicht, sagt der Banker auf Anfrage.

Daniel Zulauf

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