Börsenfusion rückt näher am Paternoster-Platz

LONDON. Ein Deal mit potenziell nationalistischer Sprengkraft bleibt von der britischen EU-Diskussion unberührt: Drei Wochen nach der Bekanntgabe ihrer Verhandlungen haben am Mittwoch die beiden Börsen von Frankfurt und London ihren «Zusammenschluss der Gleichen» verkündet.

Sebastian Borger
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LONDON. Ein Deal mit potenziell nationalistischer Sprengkraft bleibt von der britischen EU-Diskussion unberührt: Drei Wochen nach der Bekanntgabe ihrer Verhandlungen haben am Mittwoch die beiden Börsen von Frankfurt und London ihren «Zusammenschluss der Gleichen» verkündet. Sollten die Aktionäre und Aufseher zustimmen, entstünde dadurch ein globaler Finanzdienstleister namens TopCo mit Aktienbewegungen im Wert von jährlich 5200 Mrd. € in mehr als 3200 Firmen. Börsianer in London wiesen auf die Möglichkeit hin, dass die US-Firma ICE, Inhaberin der New Yorker Börse, das Milliardengeschäft noch mit einem eigenen Angebot durchkreuzen könnte.

Deutscher Anteil leicht höher

Die London Stock Exchange (LSE) und Deutsche Börse AG (DBAG) wollen durch den Zusammenschluss jährlich 450 Mio. € Kosten einsparen. Im künftigen Unternehmen haben die Aktionäre der deutschen Firma mit rund 54,4% der Papiere die Überhand. Die Holding wird ihren Standort in London haben, beide Unternehmenssitze sollen bestehen bleiben.

Als Verwaltungsratspräsident ist Donald Brydon von der LSE vorgesehen, Joachim Faber von der DBAG soll als Vize fungieren. «Wir erhöhen den Wert für unsere Aktionäre», beteuert LSE-Chef Xavier Rolet, 56, dessen Amtszeit mit dem Deal zu Ende ginge. Neuer Leiter des Unternehmens mit einem Börsenwert von 26 Mrd. € soll Carsten Kengeter werden, der seit vergangenem Jahr DBAG leitet.

Der 48jährige Deutsche war schon früher in London tätig, zuletzt als Leiter der Investmentbanking-Sparte der UBS. Dort musste er im Gefolge des Skandals um den unzureichend beaufsichtigten Trader Kweku Adoboli, der mehr als 2 Mrd. $ verloren hatte, seinen Hut nehmen.

Vom Werben und Verweigern

Die Frankfurter waren im vergangenen Jahrzehnt schon häufiger auf Brautschau. Neben zwei Werbeversuchen in London bemühten sie sich auch vergeblich um die Schweizer Börse sowie um Euronext. Zu Beginn des Jahrhunderts wehrte sich LSE gleich mehrfach gegen Übernahmeversuche, darunter von der US-Börse Nasdaq, der australischen Macquarie Bank und Schwedens OMX.

Stattdessen trug LSE zur Konsolidierung der europäischen Börsenszene bei, indem das Unternehmen die Mailänder Borsa Italiane erwarb. Pikanterweise residiert die Londoner Börse ausgerechnet am Paternoster-Platz – alltägliche Warnung für die Londoner Marktteilnehmer, dass Aktienkurse ebenso fallen wie steigen.

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