Börsen bleiben anfällig

Nach einer starken zweimonatigen Hausse wurden die Börsen im Februar kalt geduscht. Auslöser waren in erster Linie die Ungewissheiten rund um die Wahlen in Italien, an denen sich schon im Vorfeld ein knappes Ergebnis abgezeichnet hatte.

Drucken
Teilen

Nach einer starken zweimonatigen Hausse wurden die Börsen im Februar kalt geduscht. Auslöser waren in erster Linie die Ungewissheiten rund um die Wahlen in Italien, an denen sich schon im Vorfeld ein knappes Ergebnis abgezeichnet hatte. Entsprechend litten die europäischen Aktien am stärksten, und die Risikoprämien zwischen deutschen und italienischen sowie spanischen Zinsen weiteten sich aus.

Wie weiter in Italien?

Das Patt zwischen den beiden Kammern im italienischen Parlament verspricht eine Phase erhöhter politischer Instabilität. Dies birgt das Risiko, dass die Zinsen für Staatsanleihen in Italien wie im vergangenen Sommer wieder auf das als langfristig untragbare Niveau von gegen 6% steigen. Zwar hat die Europäische Zentralbank versprochen, gegen solche Exzesse mit unbegrenzten Mitteln zu intervenieren. Voraussetzung dazu ist allerdings ein Programm mit dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). In diesem Programm müssen konkrete Pläne zur Sanierung der Staatsfinanzen und zu wirtschaftspolitischen Reformen vereinbart werden. Nach dem Votum gegen Austerität (Sparpolitik) dürfte sich eine Einigung mit dem ESM indessen schwierig gestalten.

Portion Austerität für die USA

Eine zweite Belastung für die Finanzmärkte sind die proportionalen Budgetkürzungen in den USA, die per Anfang Monat in Kraft getreten sind. Von den Kürzungen ausgenommen sind die Sozialversicherungen. Die Ausgabenschnitte machen immerhin 0,5% der Wirtschaftsleistung aus. Dies, nachdem schon Anfang Jahr Sparmassnahmen im Umfang von über 2% der Wirtschaftsleistung beschlossen worden waren.

Sorgen auch in China

Das Wirtschaftswachstum wird darunter in den nächsten Quartalen leiden. Die US-Börse zeigte sich aber wenig beeindruckt von dieser beinahe europäischen Fiskalpolitik. Zum einen hatte sich ein solches Ergebnis schon abgezeichnet. Zum anderen kamen aus der US-Wirtschaft jüngst ermutigende Signale. Falls keine Einigung punkto Schuldengrenze gelingt, drohen im Mai jedoch weitere Ausgabenkürzungen.

Einen Rückschlag musste der Aktienmarkt in China hinnehmen. Neben den Smog-Bildern aus Peking trugen dazu schleppende Konjunkturindikatoren sowie Massnahmen der Regierung gegen die Überhitzung des Immobiliensektors bei. Wir haben deshalb in unserer Anlagepolitik die Position in China verkauft und auch das eng damit verbundene Engagement in Kupfer aufgelöst.

Hohe Liquidität gibt Flexibilität

Angesichts der Ungewissheiten in Europa, aber auch in den USA und China empfiehlt sich eine Untergewichtung von Rohstoffen. Bei Aktien ist eine neutrale Position angebracht mit einem Fokus auf interessante Themen wie dem US-Wohnbau. Da wir gegenüber Staatsobligationen der Industrieländer ebenfalls zurückhaltend sind, ergibt sich in den Portfolios eine starke Übergewichtung der Liquidität. Geldmarktanlagen machen das Portefeuille robust gegen Turbulenzen an den Finanzmärkten und geben die nötige Flexibilität, um bei übertriebenen Marktrückschlägen günstige Einstiegschancen zu nutzen.

Alessandro Sgro, Advisory

Anlegen, Raiffeisen Schweiz

Aktuelle Nachrichten