Börse straft Samsung ab

Nach einem verlorenen Patentstreit mit dem US-Rivalen Apple ist die Aktie des südkoreanischen Elektronikkonzerns um 7,5 Prozent getaucht. Und der Streit ist noch nicht beigelegt.

Georg Ackermann
Drucken
Teilen

SINGAPUR. Um 11 Mrd. $ verringerte sich der Börsenwert Samsungs gestern am Aktienmarkt von Seoul. Zuvor hatte ein kalifornisches Gericht entschieden, dass Samsung in sechs von sieben Fällen Patente des iPhone-Herstellers Apple verletzt habe. Als Folge muss Samsung Apple Schadenersatz von 1,05 Mrd. $ zahlen. Die Die Milliardensumme ist zwar für Samsung gut zu verkraften, und einige Analysten zeigen sich gelassen (vgl. Ausgabe von gestern).

Dennoch kann man aber im Richterspruch auch einen Rückschlag sehen für Samsung auf dem US-Markt für Smartphones. Weltweit sind die Koreaner der grösste Anbieter von Mobiltelefonen, und dank der Modellreihe Galaxy konnten sie Anfang Jahr auch Apple im Segment der Smartphones überholen. Dieser Erfolg liess den Betriebsgewinn zuletzt auf 17 Mrd. $ hochschnellen, und auch die Kasse ist mit 21 Mrd. $ an Reserven gut gefüllt. Damit befinden sich Samsung auf Augenhöhe mit Apple, und beide Konzerne sind gut gerüstet für weitere Patentstreitigkeiten, die mittlerweile in neun Ländern ausgetragen werden.

Patente gegen Lizenzgebühr

Erst vor kurzem war ein Richter in Seoul zu einem deutlich moderateren, salomonischen Urteil gekommen: Ein Unternehmen solle Patente, die quasi Industriestandard erlangt haben, seinen Wettbewerbern auf fairer und vernünftiger Basis gegen eine Lizenzgebühr zur Verfügung stellen. Die EU-Kommission hatte bereits im Januar ein Prüfverfahren gegen Samsung eingeleitet, da das Unternehmen grundlegende Patente für den Mobilfunk missbräuchlich zurückhalte. Angeblich hatte Samsung ein Angebot Apples ausgeschlagen, die begehrten Technologien zu einem Preis von 24 $ pro Gerät zu lizenzieren.

Nokia als Profiteur

Google steht nach dem Urteil ebenfalls unter Druck, denn die Forderungen zielen indirekt auch auf das Betriebssystem Android des US-Internetkonzerns. Android wird bevorzugt genutzt auf den Smartphones von Samsung und des taiwanischen Herstellers HTC. Google teilte mit, das Urteil beziehe sich nicht auf den Kern der Android-Software. Tatsächlich schützen die Patente vor allem Designelemente des Geräts und Funktionen der Benutzeroberfläche von Apples Produkten. Die Aktien von HTC fielen dennoch an der Börse in Taipeh um 2%. Apple klagt gegen HTC wegen ähnlicher Patentverletzungen.

Experten erwarten nun Auftrieb für den US-Softwarekonzern Microsoft und dessen neues Betriebssystem Windows 8. Dieses wird wie schon heute Windows 7.5 auch neue Nokia-Smartphones ausstatten, die am 5. September vorgestellt werden sollen. Die Aktien des finnischen Nokia-Konzerns gewannen gestern 10%.

Samsung dagegen wird Produkte für den US-Markt noch einmal überarbeiten müssen. Betroffen sind die Smartphones Galaxy S und SII sowie das Tablet Galaxy Tab 10.1. Beim Galaxy SIII wurden die Rundungen bereits verändert, um Ähnlichkeiten mit Apples iPhone zu reduzieren.

Aktuelle Nachrichten