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Börse auf Rekordjagd - wie lange noch?

Die Tiefzinspolitik und Hoffnungen auf ein Ende im Handelsstreit treiben die Aktienkurse auf Höchststände. Doch es gibt auch Risiken.
Daniel Zulauf
Der Schweizer Aktienindex hat in den letzten zehn Jahren stark zugelegt und einen neuen Rekordstand erreicht.

Der Schweizer Aktienindex hat in den letzten zehn Jahren stark zugelegt und einen neuen Rekordstand erreicht.

Der Herbst ist erfahrungsgemäss eine schlechte Zeit für Aktienanleger. Das belegen langjährige Börsenstatistiken sowohl für Europa als auch für Amerika. Doch heuer ist alles anders: An der Wall Street notieren die Dividendenwerte auf Höchstständen.

Auch in der Schweiz hat der Swiss-Market-Index (SMI) am Montag ein Allzeithoch erreicht. In Deutschland überquerte der Dax, das Barometer der 30 wertvollsten Unternehmen am Frankfurter Aktienmarkt, diese Woche die Marke von 13000. Damit ist der Index nur noch rund 3 Prozent vom bisherigen Rekordwert von Anfang 2018 entfernt.

Für den Boom gibt es zwei Gründe. Der erste und wichtigere ist die anhaltende und jüngst sogar wieder verschärfte Tiefzinspolitik der Notenbanken. Seit dem vergangenen Juli hat das amerikanische Fed dreimal in Folge den Leitzins gesenkt. Gesunken ist damit aber nicht nur die Verzinsung von Geldern, die bloss auf eine Frist von drei Monaten oder kürzer angelegt werden.

Noch stärker zurück gingen die Zinsen von langfristig investiertem Kapital. So bewegt sich die Rendite einer US-Schatzanleihe mit zehnjähriger Laufzeit aktuell noch bei rund 1,4 Prozent, nachdem die auf den Verfalltag berechnete Verzinsung im Höchst noch über 3 Prozent gelegen hatte.

Weitere Zinssenkungen der Notenbanken nicht in Sicht

Ähnliches bewirkt auch die Europäische Zentralbank, indem sie im September das Programm zum Rückkauf von Anleihen neu gestartet hat. Weil dieser Schritt erwartet wurde, waren die Renditen europäischer Staatsanleihen schon in den Sommermonaten kräftig gefallen.

Eine zehnjährige Obligation der Eidgenossenschaft rentierte im August bei Minus 0,9 Prozent, nachdem sie Anfang Jahr noch bei Minus 0,2 Prozent rentiert hatte. Inzwischen bewegen sich die langfristigen Zinsen an den Kapitalmärkten wieder leicht nach oben. Das hat damit zu tun, dass die Finanzmarktteilnehmer in absehbarer Frist keine weiteren Schritte der Notenbanken mehr erwarten.

Um 23 Prozent ...

... liegt der Swiss Market Index seit Jahresbeginn im Plus.

Zu lösen scheint sich dafür der Knoten im Handelsstreit zwischen den USA und China. Der US-Handelsminister Wilbur Ross sagte am Montag nach einem Treffen mit Chinas Premierminister Li Keqiang in Bangkok, man sei einer Einigung «relativ nahe». Dem Vernehmen nach wollen die Amerikaner ein chinesisches Versprechen, die eigene Währung nicht abzuwerten. Im Gegenzug müssten die USA auf weitere Strafzölle verzichten.

Im Urteil der meisten Ökonomen war der seit mehr als einem Jahr andauernde Handelsstreit hauptverantwortlich für die markante Verlangsamung des globalen Wirtschaftswachstums. Während die Schweiz im laufenden Jahr noch mit einem Wachstum des Bruttoinlandproduktes von knapp einem Prozent rechnen kann, droht in Deutschland sogar eine Rezession.

Vor diesem konjunkturellen Hintergrund haben Finanzanalysten ihre Erwartungen bezüglich der Unternehmensgewinne im laufenden und im kommenden Jahr seit Monaten stetig nach unten an korrigiert. Dass die Aktienmärkte ihr Kursniveau dennoch halten konnten, verdanken sie allein den Notenbanken. Die ultratiefen Zinsen wirken in zweifacher Hinsicht als Kursstütze an den Börsen.

Erstens dämpfen sie die Fremdkapitalkosten der Unternehmen, was das Risiko für die Aktionäre naturgemäss vermindert und höhere Bewertungen zulässt. Und zweitens steigt der Druck für die Investoren, das Geld aus negativ verzinslichen Obligationen in Aktien umzuleiten. «Die Bewertung der Aktienmärkte ist gemessen an den gängigen Kriterien sicher nicht mehr günstig», sagt UBS-Ökonom Daniel Kalt.

Dennoch bleiben die Titel gefragt. «Wenn ein Investor die Mittel aus einer zur Rückzahlung fällig werdende Obligation neu anlegen muss, kommt er fast zwangsläufig auf den Aktienmarkt, denn sichere Obligationen mit guter Schuldnerqualität rentieren fast überall in der Welt im negativen Bereich», sagt Kalt.

«Die Bewertung der Aktienmärkte ist gemessen an den gängigen Kriterien sicher nicht mehr günstig», sagt Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz der UBS. (Bild: Keystone)

«Die Bewertung der Aktienmärkte ist gemessen an den gängigen Kriterien sicher nicht mehr günstig», sagt Daniel Kalt, Chefökonom Schweiz der UBS. (Bild: Keystone)

Weltweit stark nachgefragt werden seit dem letzten Börsengewitter im Herbst vor einem Jahr die Aktien der grössten Schweizer Unternehmen, die hohe und relativ sichere Dividenden versprechen. Die Aktien von Nestlé etwa legten seit Jahresbeginn um fast 29 Prozent zu. Die Roche-Titel avancierten um 20 Prozent und Novartis um 18 Prozent. Die Titel repräsentieren mehr als die Hälfte des Swiss-Market-Index, der seit Jahresbeginn um 23 Prozent avancierte.

Deshalb hat die Hoffnung auf eine Lösung des Handelsstreites ausländische Börsen in Europa und Übersee in den vergangenen Tagen und Wochen deutlich stärker angetrieben als den Schweizer Markt. Viele Beobachter gehen davon aus, dass das gute Klima mindestens bis zum Jahresende anhalten könnte.

Häufig zu hören ist der Verweis auf die 2020 anstehende Präsidentenwahl in den USA, die Trump davon abhalten könnte, den Handelsstreit noch einmal eskalieren zu lassen und damit neue konjunkturelle Risiken heraufzubeschwören. Zudem geht kaum jemand davon aus, dass die Notenbank ihre Politik bald verändern könnten.

Nährboden für Börseneinbrüche ist vorhanden

Risikolos sind solche Prognosen freilich nicht. So bleibt abzuwarten, ob tatsächlich nur der Handelskonflikt zwischen den USA und China für die jüngste Eintrübung des Weltkonjunktur verantwortlich war. Die globale Nachfrageschwäche kann auch andere Gründe haben, wie zum Beispiel die hohe Verschuldung vieler Staaten, Unternehmen und Privathaushalte, die seit der Finanzkrise vor zehn Jahren trotz Tiefzinspolitik weiter zugenommen hat.

Sollten sich die neuen keimenden Hoffnungen auf eine neuerliche Beschleunigung des Wirtschaftswachstums nicht erfüllen, bliebe dies für die Aktienmärkte gewiss nicht ohne Folgen.

Dann nämlich müssten die Finanzanalysten ihre Gewinnprognosen weiter nach unten korrigieren, womit sich die Diskrepanz zu den aktuellen Bewertungen der Aktien nochmals vergrössern würde. So ergeben sich typischerweise Börseneinbrüche.

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