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BLOCKCHAIN: Die Datenberge der Zukunft bändigen

Banken, Industrie, sogar der heimische Backofen: In der digital vernetzten Welt müssen in den nächsten Jahren immer mehr Daten verwaltet werden. Die Blockchain-Idee gilt als Hoffnungsträger. Peter Schnürer vom IT-Dienstleister Inventx blickt voraus.
Thorsten Fischer

Interview: Thorsten Fischer

Peter Schnürer, Fachbegriffe wie Bitcoin und Blockchain tauchen vermehrt in unserem Alltag auf. Woran liegt das?

Das Thema kommt nicht aus dem Nichts. Die Idee, Vorgänge mit einer Blockchain abzubilden, entstand kurz nach der Finanzkrise vor zehn Jahren. Bis heute ist nicht abschliessend geklärt, ob die Idee von einer oder mehreren Personen stammt. In einem Grundsatzpapier wurde damals ein Transaktionssystem geschildert, das unabhängig von einer dritten Stelle funktioniert, also losgelöst von Banken oder Staat. Später wurde die Idee von Programmieren umgesetzt. Die Kryptowährung Bitcoin ist nicht die einzige, aber eine prominente Anwendung davon. Schritt für Schritt kommen nun neue Anwendungen dazu.

Auch wer sich nur am Rande dafür interessiert, hört ab und zu von Bitcoin – allerdings im negativen Sinn. Wenn Internet-Erpresser eine Bitcoin-Zahlung fordern, damit gekaperte Daten entschlüsselt werden. Schadet das nicht der Idee?

Im Grunde genommen ist das bei allen innovativen Technologien so. Neues wurde schon immer rasch auch für unlautere oder kriminelle Zwecke verwendet. Was aber keineswegs gegen eine neue Technologie oder ihr Funktionieren spricht. Das sehen inzwischen immer mehr Branchen und Personen so. Ich stelle hier ein positives Umdenken fest.

Heisst umdenken auch, Blockchain nicht bloss als System für digitale Währungen zu verstehen?

Das ist ein wichtiger Punkt. Wenn man das Thema Blockchain auf Bitcoin reduziert, ist das nichts anderes, als würde man beim Internet ausschliesslich an E-Mail denken. Es sind viele Themen, die die Blockchain so interessant machen. Das erste sind natürlich digitale Werte auf der Blockchain, da gehört Bitcoin als eine der Währungen dazu. Das zweite sind digitale Verträge, die Abläufe exakt festhalten und nicht manipulierbar sind. Und ganz generell geht es um offene Plattformen.

Was heisst das an einem konkreten Beispiel?

Im internationalen Warenverkehr tauschen sich oft zwei Parteien aus, die sich nicht wirklich kennen. Entsprechend schwach ist das Vertrauen. Der eine liefert nicht, wenn er das Geld nicht hat, der andere zahlt nicht, wenn er die Ware nicht hat. Bisher gibt es dafür Intermediäre, in der Regel Banken, die wechselseitig für Ware und Geld bürgen. Werden die Transaktionen nun in eine Blockchain geschrieben, sehen die beteiligten Parteien jederzeit, was vor sich geht. Aus dem Navigationssystem GPS kommen Daten, die zeigen, wo sich der Warencontainer befindet. Zugleich gibt der smarte Vertrag auf der Blockchain an, ob schon Geld eingezahlt worden ist.

Und was kann die Technologie beispielsweise im eigenen Zuhause leisten?

Nehmen wir einen intelligenten Backofen in nicht allzu ferner Zukunft. In dem Moment, in dem er benutzt wird, wird der Backofen die benötigte Menge Strom dort einkaufen, wo er sie je nach Tageszeit am günstigen beziehen kann. Das geschieht automatisch im Hintergrund, und der Strom wird milliwatt-genau abgerechnet. Die Haushaltsgeräte werden so ein Teil des Internets der Dinge. Und die Blockchain wird ein wichtiges Betriebssystem dafür sein. Denn gerade wenn der Alltag so intensiv vernetzt wird, müssen alle Transaktionen sicher, automatisch und nicht manipulierbar abgewickelt werden.

Wenn ich aus dem Haus gehe, werde ich in naher Zukunft dann auch von der Blockchain umgeben sein?

Die Plattform ist für viele Anwendungen offen. Fahrzeuge sind zunehmend autonom unterwegs, sie werden bei Bedarf in die Waschanlage oder in die Garage fahren. Oder an die Tankstelle, wo sie – künftig wohl eher mit Strom denn mit fossilen Brennstoffen – aufgeladen werden. Viele dieser Handlungen und Aufträge lösen im Internet der Dinge einen Geldfluss aus. Und dafür ist die Blockchain bestens geeignet.

Über einzelne Prozesse im Hintergrund verliert der Mensch aber so den Überblick.

Die Geräte und Algorithmen werden zwar eigenständig Entscheidungen treffen, aber in dem Rahmen, den wir ihnen vorgeben. Doch zweifellos werden sich Herausforderungen stellen. Das betrifft auch Banken. Viele Geldtransaktionen werden nicht mehr klassisch über ein Finanzinstitut abgewickelt, sondern wie angedeutet beispielsweise direkt über Haushaltsgeräte.

Wo viel neue Ideen sind, entsteht auch Übertreibung. Gibt es bereits eine Blockchain-Blase?

Da momentan sehr viel Geld in diesen Bereich fliesst, wird es kurzfristig zu Korrekturen kommen. Bei einigen Kryptowährungen war dies bereits der Fall. Aber das ist gesund und notwendig, damit sich am Schluss die nachhaltigen Geschäftsmodelle von den anderen absetzen.

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