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BLACK FRIDAY: Rote Zahlen am schwarzen Freitag

Der amerikanische Shoppingtag hat sich auch in der Schweiz etabliert. Nicht alle sind erfreut, denn der Brauch bringt zwar Umsatz, zehrt aber auch am Gewinn.
Federico Gagliano
Die grosse Rabattschlacht: Auch in der Shopping Arena wird der Black Friday begangen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die grosse Rabattschlacht: Auch in der Shopping Arena wird der Black Friday begangen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Spätestens dieses Jahr steht fest: Black Friday ist inzwischen auch in der Schweiz ein Datum, das viele dick in ihrem Kalender anstreichen. Immer mehr Detailhändler locken mit Schnäppchen und Sonderangeboten. Die Seite www.swiss.blackfriday listet über 200 Geschäfte, die bei der Preisschlacht mitmachen. Während man aber den Tag oft mit Bildern aus den Staaten von Randale um billige Fernseher assoziiert, geht es hierzulande gesitteter zu und her. Besonders, da die Schlacht eher online stattfindet.

Vergangenes Jahr machte sich dies durch mehrere überlastete Webseiten bemerkbar: Bereits kurz nach Mitternacht stürzten die Onlineshops von Manor, Interdiscount, Melectronics und Microspot unter einer Flut von Zugriffen zusammen. Das scheint dieses Jahr nicht anders zu sein: Interdiscounts Shop brach am Donnerstag zusammen. Der Elektronikhändler bietet diese Woche als Teil seiner Black Friday Week das Halbtax-Abo der SBB zum halben Preis an – allerdings nur für Neukunden. Die Gutscheine waren rasch ausverkauft, inzwischen wurde Nachschub geliefert.

Ein Black Friday um den 1. August

Profitieren die Händler überhaupt vom "umsatzstärksten Tag" des Jahres, wie der Black Friday oft und gerne in Pressemitteilungen genannt wird? "Es ist ein gefährliches Spiel. Bei vielen Promotionen legen die Händler drauf oder haben Zuschüsse von den Lieferanten erhalten", sagt Thomas Lang, Gründer und Chef der E-Commerce-Beratungsfirma Carpathia. Und weiter: "Von Umsatz alleine hat noch kein Händler gelebt – der Handel lebt von Marge. Kommt hinzu, dass diese Umsätze in den Folgewochen vor Weihnachten fehlen, weil sich viele Kunden da bereits mit ihren Geschenken eingedeckt haben." Langs Meinung teilt Jelmoi-Chef Franco Savastano, der kürzlich in der "Handelszeitung" seinem Unmut gegenüber dem Trend Luft machte.

Ökonomisch macht der Tag also nicht sehr viel Sinn. Woher rührt dann der Gruppenzwang? "Satte Rabatte kommen bei Kunden selbstverständlich immer gut an und niemand will den Umsatz an die Mitbewerber verlieren. So kann ich mir erklären, warum fast alle mitmachen", sagt Lang.

Mit der richtigen Strategie könne man aber auch vom Black Friday profitieren: Lang rät beispielsweise, nur ganz wenige Hammerangebote zu kreieren, falls möglich sogar mit Unterstützung der jeweiligen Lieferanten oder Marken. Oder noch besser: "Gar nicht mitmachen und über das ganze Jahr ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis präsentieren." Trotzdem glaubt Lang, dass Black Friday bleibt. "Es ist sehr schwierig, so etwas wieder zurückzuziehen. Denn ein Mitbewerber wird immer mitmachen und dann die Kunden gewinnen, zumindest an diesem Tag."

Black Friday bleibt aber ein Fremdkörper in der Schweiz – und hat seine finale Form noch nicht gefunden. Viele Händler experimentieren deshalb: Manche strecken die Angebote über das Wochenende oder wie Interdiscount über die ganze Woche. Andere wechseln den Tag: Media-Markt startete am Donnerstag den Red Thursday mit eigenen Angeboten. Der ursprüngliche Black Friday funktioniert in den USA hauptsächlich wegen des verlängerten Thanksgiving-Wochenendes – was sich hier nicht unverändert kopieren lässt. Eine Schweizer Black-Friday-Variante könnte für die hiesigen Händler erfolgversprechender sein als die aktuelle Version – doch welches Da­tum eignet sich am besten? Lang: "Ich würde den Tag nicht ins Weihnachtsgeschäft legen, sondern rund um den 1. August. Damit könnte man die Sommerflaute und das immer etwas schwierigere dritte Quartal beleben."

Konsumenten sollen gezielt einkaufen

Des Händlers Leid ist zwar des Käufers Freud, trotzdem ist beim Black-Friday-Shopping Vorsicht geboten. Nicht alle Angebote sind auch wirklich Schnäppchen: Es lohnt sich, den Preis eines Produkts bei mehreren Anbietern zu vergleichen. Teils werden die Rabatte auf die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers gegeben, die oft über dem tatsächlichen Ladenpreis liegt. Lang rät zusätzlich, gezielt vorzugehen und nur Dinge zu kaufen, die man auch wirklich braucht.

Die Ostschweiz zieht mit

Der ursprünglich amerikanische Black Friday hat bereits 2015 die Schweiz erreicht. Damals lockte die Warenhauskette Manor am letzten Freitag im November mit 30 Prozent Rabatt und generierte so den dreifachen Umsatz. Seither machen immer mehr Geschäfte mit. Auch in der Ostschweiz hat diese Mode Einzug gehalten.

Die St.Galler Shopping Arena als grösstes Einkaufszentrum der Region veranstaltet gar ein Black Friday Weekend. So können Einkaufseifrige am Freitag bis 22 Uhr einkaufen und auch am Sonntag noch von Rabatten profitieren. "95 Prozent der Geschäfte bieten Rabatte an", sagt Marketingleiterin Fabienne Diez. Das über die Strasse liegende Westcenter zieht mit den gleichen Öffnungszeiten mit. Auch das Einkaufszentrum Karussell in Kreuzlingen hat am Freitag länger offen und bietet weitere Attraktionen an. Im Rheinpark in St.Margrethen ist hingegen alles wie üblich.

Abgesehen davon sind es vor allem Elektronikgeschäfte, die grosse Preisunterschiede aufweisen. "Auffallend ist die Playstation 4, die jedes Jahr am Black Friday bemerkenswert billiger ist als an anderen Tagen", sagt Julian Zrotz von blackfridaydeals.ch. Auf dieser Webseite kann man in verschiedensten Kategorien Schnäppchen des Black Friday finden. Grundsätzlich rät Zrotz zu einem Preisvergleich. "Es gibt auch gross angepriesene Aktionen, die tatsächlich so gut sind, wie sie aussehen." Vor allem bei Elektronikartikeln werde aber oft mit Prozenten gelockt, die im Vergleich zu den unverbindlichen Preisempfehlungen des Herstellers stünden. Die Anbieter könnten bei ihren Preisen beliebig von Empfehlungen abweichen.

Andere Länder kennen weitere Tricks, um Konsumenten anzulocken. In Brasilien zum Beispiel gibt es Händler, die ihre Preise ein paar Wochen vor dem letzten Freitag im November her­aufsetzen, um dann am besagten Tag die normalen Preise als Rabatt zu bewerben. In der Schweiz sind solche Fälle nicht bekannt. In Asien bieten Geschäfte am "Singles Day" als weit extremerer Form am 11. November unzählige Rabatte an. Die Einnahmen sind enorm, so machte zum Beispiel der chinesische Onlinehändler Alibaba in rund zwei Minuten 25,4 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Hannah Göldi

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