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Bittersüsses Geschäft

Grosse Teile der Privatbank Wegelin firmieren ab sofort als Privatbank Notenstein – unter Raiffeisens Dach.
Adrian Künzi, Chef der neuen Privatbank Notenstein, und Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, beim ersten gemeinsamen Auftritt. (Bild: ky/Walter Bieri)

Adrian Künzi, Chef der neuen Privatbank Notenstein, und Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz, beim ersten gemeinsamen Auftritt. (Bild: ky/Walter Bieri)

Es war eine der aussergewöhnlichsten Bankpressekonferenz seit langem: Unzählige, auch internationale Medienschaffende, liessen sich von Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz in Zürich über die überraschende Grossübernahme informieren. Was sich auf dem Papier wie eine nüchterne Transaktion liest, hat in der Realität grosse Dramatik: Wegelin & Co., die älteste Privatbank der Schweiz, gibt es künftig in dieser Form nicht mehr.

Zusehends unter Druck wegen des Steuerstreits mit den USA, entschloss sich die Wegelin-Spitze zu einem radikalen Schritt. Das ganze Nicht-US-Geschäft der Privatbank wird in die neugegründete Notenstein Privatbank in St. Gallen übertragen. Diese kommt vollständig in den Besitz von Raiffeisen. Die 700 ehemaligen Wegelin-Mitarbeitenden und sämtliche Standorte werden übernommen.

Zwei bisherige Teilhaber, Magne Orgland und Adrian Künzi, scheiden zugleich aus Wegelin aus. Sie bekleiden in der neuen Bank operative Aufgaben. Laut Raiffeisen haben beide keinen Bezug zum US-Geschäft von Wegelin, um das sich der Rechtsstreit mit Amerika dreht. Dieses Geschäft bleibt unter Kontrolle von Wegelin und der sechs verbleibenden unbeschränkt haftenden Teilhaber, darunter Konrad Hummler.

«Ein Juwel»

«Das ist ein historischer Moment, die Geburtsstunde einer neuen Bank», sagte Adrian Künzi vor den Medien, früher Teilhaber, ab sofort operativer Leiter der neuen Privatbank Notenstein. «Es ist ein Juwel, das jetzt den Besitzer gewechselt hat.» So richtig zum Feiern zumute war aber keinem der anwesenden Bankenvertreter. Auch nicht Pierin Vincenz, der einräumte, zwei Gefühle in der Brust zu haben: Zum einen handle es sich um einen grossen Einschnitt für die Traditionsbank Wegelin. Schadenfreude sei daher definitiv fehl am Platz. Aus Sicht von Raiffeisen Schweiz freue man sich aber, den Ertrag diversifizieren zu können. So wird das Privatkunden- und Vermögensverwaltungsgeschäft massiv gestärkt. Ein Wunsch, den die genossenschaftlich organisierte Bankengruppe schon lange hegte. Der konkrete Kontakt und Anstoss zur Transaktion kam aber von Wegelin & Co. Unter dem Strich sollen nun Kundenvermögen von 21 Milliarden Franken zur Bank Notenstein transferiert werden. 70 Prozent der Kunden stammen dabei aus der Schweiz, 30 Prozent kommen aus weiteren europäischen Ländern. Beziehungen zu den USA gebe es darunter nicht, wurde unterstrichen.

Auf dem Postweg und in Gesprächen

Die betroffenen Wegelin-Kunden werden derzeit über den Wechsel informiert. Übers Wochenende gehen entsprechende Briefe in die Post, ebenso haben bereits Berater erste Gespräche mit Kunden gesucht. Die Internetseite der Bank Wegelin, die seit gestern nur noch die aktuelle Verkaufsmitteilung aufweist, wird in Kürze in die neue Internetpräsenz der Bank Notenstein übergehen.

Vincenz, der zusätzlich das Präsidium der neuen Bank übernimmt, unterstrich, dass mit der gefundenen Lösung zahlreiche Arbeitsplätze in der Schweiz gesichert würden. Gleichzeitig bringe die Übernahme des Schweizer Wegelin-Geschäfts für Raiffeisen einen beachtlichen Know-how-Gewinn. Eine derart grosse Zahl an Vermögensspezialisten einzeln auf dem hart umkämpften Arbeitsmarkt anzuwerben, wäre wohl schwierig gewesen, räumte Vincenz ein.

Die Notenstein Privatbank gehört zwar zu 100% Raiffeisen, wird aber bewusst eigenständig geschäften. Sie berät Kunden ab einem Vermögen von 500 000 Franken und wird laut Vincenz mit Raiffeisen «eher wie ein Kooperationspartner» zusammenarbeiten. Die relativ junge Wegelin-Tochter Nettobank indessen wird in einem juristischen Zwischenschritt aufgehoben. Laut Vincenz war sie hauptsächlich in der Vermögensberatung im Onlinesegment tätig. Man prüfe nun, ob es allenfalls Bereiche gebe, die man unter neuen Vorzeichen fortführen könne.

Abstützen auf die Finma

Die Finanzmarktaufsicht Finma hat die Aufspaltung genehmigt. Bereits im Vorfeld hatten die Beteiligten die Finma über die Pläne informiert. Die aufsichtsrechtlichen Anforderungen für die neue Raiffeisen-Tochter Notenstein Privatbank seien erfüllt, teilte die Finma gestern mit. Bei der Überprüfung des Sachverhalts klopfte die Finma laut eigenen Angaben insbesondere auch die Risiken ab, die sich aus den Untersuchungen der US-Justiz gegen die Bank Wegelin ergeben.

«Die von den Parteien vorgesehenen Massnahmen berücksichtigen die Risiken angemessen», kommt die Finma zum Schluss. Insbesondere verblieben die mit dem US-Geschäft besonders verbundenen Mitarbeitenden und die unbeschränkt haftenden Teilhaber in der Bank Wegelin. Sie seien an der neuen Bank in keiner Weise beteiligt. Dennoch führte die auf dem Papier klare Abgrenzung zum US-Geschäft zu wiederholten Fragen an der Medienkonferenz. Auch wenn die beiden Ex-Wegelin-Teilhaber, die nun zu Notenstein wechseln, eingehend geprüft worden seien: Ein noch klarerer Schnitt wären von aussen kommende Führungskräfte gewesen. Vincenz betonte erneut, dass man diese Fragen im Vorfeld genau abgeklärt habe. Es sei aber ebenso wichtig, dass die bisherige Firmenkultur auch in der neuen Privatbank erhalten bleibe – mit Künzi und Orgland als Garanten.

Ortsmässig wird die Trennung jedenfalls deutlich: Während der bisherige Wegelin-Hauptsitz am St. Galler Marktplatz zum Sitz der Privatbank Notenstein wird, zieht der übrige Teil der «restlichen Wegelin» an die St. Galler Museumsstrasse. Thorsten Fischer, Zürich

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