Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Dieselaffäre: Bitteres Ende für den «Herrn der Ringe»

Auch bei der VW-Tochter Audi wurde im Dieselskandal kräftig geschummelt. Audi-Chef Rupert Stadler konnte sich stets halten. Doch nun endet seine Ära – ihm drohen mehrere Monate Untersuchungshaft.
Christoph Reichmuth, Berlin
War elf Jahre lang Chef von Audi: Rupert Stadler, hier an der North American International Auto Show in Detroit. Bild: Scott Olson/Getty (11. Januar 2016)

War elf Jahre lang Chef von Audi: Rupert Stadler, hier an der North American International Auto Show in Detroit. Bild: Scott Olson/Getty (11. Januar 2016)

In der Branche nannte man Rupert Stadler nur noch «Teflon-Stadler». Manager grosser deutscher Autobauer mussten im Zuge der Dieselaffäre gehen, es kamen neue wie der vormalige VW-Chef Matthias Müller, der inzwischen ebenfalls schon wieder seinen Posten räumen musste. Doch an ihm prallten stets alle Vorwürfe ab. Stadler, Audi-Chef seit 2007 und als solcher auch Mitglied im Vorstand von Volkswagen, hat sie alle überdauert.

Der Dieselskandal ging den 55-jährigen Spitzenmanager irgendwie nichts an, konnte man den Eindruck gewinnen. Die Öffentlichkeit nahm Audi die saubere Rolle ab. Während in Deutschland die Verkaufszahlen für VW-Diesel einbrachen, verkauften sich die Audi-Modelle weiterhin bestens. Die VW-Eigentümerfamilien Porsche und Piech legte ihre schützende Hand über den Audi-Chef. Sein Vorgänger bei Audi war übrigens Martin Winterkorn, der spätere VW-Chef, der nach Auffliegen des Dieselskandals im Herbst 2015 vom Hof gejagt wurde und gegen den die USA derzeit mit Hochdruck ermitteln.

Beeinflussung eines Zeugen?

Nun hat es auch den «Herrn der Ringe», wie ihn der Boulevard in Anspielung auf das Audi-Firmenlogo nennt, mit voller Wucht getroffen. Seit diesem Montag sitzt Stadler in Untersuchungshaft, als Audi-Chef ist er beurlaubt. Er ist damit der ranghöchste deutsche Manager, der in Folge des Dieselskandals von der deutschen Justiz in Untersuchungshaft gesteckt wurde. Inhaftiert wurde der in Ingolstadt lebende Betriebsökonom, so heisst es, wegen «Verdunkelungsgefahr».

Bereits eine Woche zuvor wurde Stadlers Privathaus in Ingolstadt durchsucht. Nun ist die zuständige Münchner Staatsanwaltschaft der Überzeugung, der Audi-Chef habe viel mehr über die Schummel-Software in Dieselmotoren gewusst und versuche nun, Beweise hierfür verschwinden zu lassen. Die «Süddeutsche Zeitung» berichtet zudem von einem abgehörten Telefongespräch zwischen Stadler und weiteren Audi-Managern, in dem Stadler offenbar den Gedanken geäussert habe, einen ihm unliebsamen Mitarbeiter, der ihn in der Dieselaffäre belastet hatte, zu entlassen. Die Strafverfolgungsbehörde könnte dies als versuchte Beeinflussung von Zeugen werten. Gestern wollte sich Stadler zum ersten Mal gegenüber der Münchner Staatsanwaltschaft zu den Vorwürfen äussern. Über den Inhalt des Gesagten war bis Redaktionsschluss nichts bekannt.

Die Ermittler haben ihr Visier schon länger auf den Audi-Konzern in Ingolstadt gerichtet. Zehntausende Audi-Fahrzeuge älterer, aber auch moderner Baureihen waren ebenfalls mit einer Schummelsoftware ausgestattet, sie wurden zur Umrüstung in die Werkstätten zurückgerufen. In den USA war Audi schon früher aufgeflogen, bezahlte mehr als eine Milliarde Dollar Strafe.

«Ich habe meine Leute gefragt»

Von alledem will Stadler – immerhin seit elf Jahren an der Konzernspitze – nichts gewusst haben. «Ich habe meine Leute gefragt, ob wir sauber sind», erzählte Stadler einmal – als diese mit «Ja» geantwortet hätten, habe er sich wieder um die Zukunft der Marke gekümmert. Mit ambitionierten Zielen, wie Stadler erst gerade an seiner letzten grossen Pressekonferenz im Mai verkündet hatte: Stadler berichtete von einer Elektro-Offensive im Konzern, bis 2025 solle jedes dritte verkaufte Auto der Marke Audi ein Elektrofahrzeug sein.

Dass Audi in der öffentlichen Wahrnehmung anders als VW nicht sofort mit dem Dieselskandal in Verbindung gebracht wird, ist nicht zuletzt das Verdienst von Stadler, der den Verdacht stets von seinem Unternehmen gelenkt hat. Dabei gilt der Audi-Konzern gewissermassen als «Keimzelle des Abgasbetrugs», wie das «Handelsblatt» schreibt. Denn bei Audi wurde die Schummelsoftware, die später in Millionen Fahrzeugen der Marken VW, Porsche, Audi, Seat und Skoda verwendet wurde, vor Jahren entwickelt. Anfänglich war der Hintergedanke der neuen Software nicht Betrug, doch schon bald nutzten die Techniker offenbar den Effekt der Software, dass sich mit dieser der Schadstoffausstoss auf dem Prüfstand nach unten korrigieren lässt. 2007 soll ein Audi-Techniker eine Rundmail an einige Konzernkollegen geschrieben haben, in der er darauf aufmerksam machte, dass «ganz ohne Bescheissen» die strengen Grenzwerte in den USA nicht eingehalten werden könnten. 2007 trat Stadler just sein Amt an der Audi-Spitze an.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.