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St.Galler Stickerei: Bischoff Textil zieht die Reissleine

Das Stickereigeschäft aus der Schweiz heraus rentiert nicht mehr, und das Unternehmen will es nicht länger quersubventionieren. Geld verdient Bischoff in Asien und mit Immobilien.
Thomas Griesser Kym

Auf fünf Pfeiler hat sich das ­Geschäft der Bischoff Textil AG mit Sitz in St.Gallen bis vor kurzem gestützt. In der Stickerei ist dies erstens das Geschäft aus der Schweiz heraus, das exportgetrieben ist. Zweitens die beiden Joint Ventures in Asien (Thailand und Sri Lanka), drittens ein Joint Venture in der Türkei. Hinzu kommen viertens und fünftens die Immobilien in der Schweiz und im Ausland, wobei Bischoff Büros und vor allem Wohnungen vermietet.

Nach und nach ist dieses ­Geschäftsmodell aber aus der ­Balance geraten. «Wir verdienen Geld mit den asiatischen Joint Ventures und mit den Immobilien», sagt Bischoff-Verwaltungsratspräsident Reto Spaar, «nicht aber mit dem Schweizer Stickereigeschäft und in der Türkei.» Die firmeninterne Quersubventionierung zwischen den rentablen und den unrentablen Zweigen sei immer grösser geworden. ­Bischoff hat deshalb schon vor ­einiger Zeit das Stickerei-Gemeinschaftsunternehmen mit zuletzt noch rund 80 Beschäftigten in der Türkei aufgelöst. «Wir sind aus wirtschaftlichen und politischen Überlegungen ausgestiegen», sagt Spaar.

Die Exporte sind dramatisch eingebrochen

Als nächsten Schritt beabsichtigt ­Bischoff nun, den Grossteil der in der Schweiz verbliebenen Stickereiproduktion ebenfalls in die Werke nach Thailand und Sri Lanka zu verlagern, wo rund 1000 Mitarbeitende beschäftigt sind. Das würde etwa 50 der 76 Arbeitsplätze in unserer Region kosten. Spaar legt Zahlen auf den Tisch: 2006 betrugen die ­Exporte der ganzen Schweizer Stickereiindustrie, die vollständig auf die Ostschweiz konzentriert ist, 110 Millionen Franken. Nun sind es noch 30 Millionen. «Vor zehn, zwölf Jahren haben wir alleine so viel exportiert», sagt Spaar.

Der Trend sei eindeutig: «Wir haben unseren Marktanteil verteidigt, aber der Kuchen wird immer kleiner.» Zunehmende Konkurrenz aus Asien, die deutlich günstiger produziert, und dies mittlerweile zu erstaunlich guter Qualität, der starke Franken, veränderte Modegewohnheiten, Konkurrenz durch Spitzen – all das drückt aufs Schweizer Geschäft der Bischoff Textil. Kommt hinzu, dass es immer schwieriger werde, hierzulande die Wertschöpfungskette aufrechtzuerhalten, weil es kaum noch Zulieferer und Verarbeiter gebe. In Asien dagegen habe das Joint Venture Bischoff Gamma, das je hälftig zusammen mit einer thailändischen Unternehmer­familie betrieben wird, gar eigene Spinnereien und Färbereien.

«Wir wollen weiterhin auch mit Swiss Design punkten»

Dass Bischoff nun «eine weitere Verlagerung in Billiglohnländer mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen» plane, wie es die Gewerkschaft Unia for­muliert, weist Spaar dezidiert zurück. Bilder, die er von den Werken in Thailand und Sri Lanka präsentiert, zeigen aufgeräumte und saubere Fabrikhallen, moderne und helle Arbeitsplätze ­sowie Schweizer Stickmaschinen von Lässer aus Diepoldsau und von Saurer aus Arbon. Die Bilder seien zwei oder drei Jahre alt, doch sehe es dort noch immer gleich aus, sagt Spaar. Die Löhne seien natürlich deutlich tiefer als in der Schweiz, aber im lokalen Vergleich gut.

Falls Bischoff die Verlagerung wie geplant umsetzt, dürften in der Ostschweiz noch gut zwei Dutzend Arbeitsplätze verbleiben. Im Werk Diepoldsau will Bischoff die Herstellung technischer Textilien behalten, und in St. Gallen soll weiterhin eine Kreativabteilung am Werk sein, auch wenn diese «wohl etwas kleiner wird», wie Spaar sagt. Doch: «Wir wollen weiterhin auch mit Swiss Design punkten. Dieses spielt immer noch eine grosse Rolle bei gewissen Käuferschichten in Asien, und das ist auch ein Wunsch unseres Joint-Venture-Partners.»

Die Gewerkschaft schaltet sich ein

Die Bischoff-Belegschaft hat noch zwei Wochen Zeit, um im Rahmen des Konsultationsverfahrens Vorschläge einzubringen zur Verminderung oder Vermeidung des drohenden Stellenabbaus. «Ein paar Ideen sind schon eingegangen», sagt Spaar, doch will er dem Personal keine falschen Hoffnungen machen. Man werde aber alle Vorschläge sorgfältig prüfen. Von Unia-Regionalleiterin Anke Gähme ist Spaar gestern kontaktiert worden. Sie möchte mit ihm in Absprache mit dem Kantonalen Gewerkschaftsbund Möglichkeiten zum Erhalt von Arbeitsplätzen diskutieren und über einen Sozialplan verhandeln, wie sie sagt. Spaar kündigt an, er werde Anke Gähme selbstverständlich empfangen.

Spaar ist ein Enkel von Otto Bischoff, der das Unternehmen 1927 gegründet hatte. Es steht im Besitz der Familien Hungerbühler und Bischoff. Zudem sind einige Mitarbeitende, vor allem frühere, beteiligt. Insgesamt habe man rund 50 Aktionäre, sagt Spaar. Er hat 2015 das Verwaltungsratspräsidium vom langjährigen Patron Max R. Hungerbühler übernommen, und seit 2016 steht dessen Sohn Andreas Hungerbühler der damals um­gebauten und verjüngten Geschäftsleitung vor.

Den Vorwurf eines Aktionärs, der anonym bleiben will, dem Verwaltungsrat fehle es an tex­tilem Fachwissen und die Geschäftsleitung sei zu unerfahren, weist Spaar zurück. Im Verwaltungsrat sässen mit Guido Sutter und dem früheren Bischoff-Co-Chef Markus Hungerbühler Leute mit viel Textil-Know-how, und die vierköpfige Geschäftsleitung bestehe zu drei Vierteln aus langjährigen Bischoff-Beschäftigten.

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