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Verlagerung nach Asien: Bischoff Textil prüft Vorschläge der Gewerkschaften zur Abfederung des geplanten Stellenabbaus

Die Gewerkschaften haben sich mit dem St. Galler Stickereiunternehmen über die beabsichtigte Produktionsverlagerung ausgetauscht. Trotz guten Klimas: Viel ändern dürfte sich am Abbauplan nicht.
Thomas Griesser Kym
Bischoff Textil will sich aus wirtschaftlichen Gründen wärmer anziehen. (Bild: Mareycke Frehner (St. Gallen, 2. September 2015))

Bischoff Textil will sich aus wirtschaftlichen Gründen wärmer anziehen. (Bild: Mareycke Frehner (St. Gallen, 2. September 2015))

Der Tonfall hat geändert. Mitte September hatte Anke Gähme, Regionalleiterin Ostschweiz der Gewerkschaft Unia, der Bischoff Textil AG einen einseitigen Fokus auf Gewinnmaximierung vorgeworfen und kritisiert, das Stickereiunternehmen wolle die Produktion «in Billiglohnländer mit menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen» verlagern. Vergangene Woche nun hat Gähme zusammen mit Barbara Gysi, Präsidentin des Kantonalen Gewerkschaftsbundes, Bischoff-Verwaltungsratspräsident Reto Spaar getroffen. «Wir hatten einen sehr konstruktiven Austausch», lobt Gähme und fügt an:

«Bischoff Textil hat ein offenes Ohr für die Sorgen der Belegschaft und rechtzeitig Vorkehrungen getroffen.»

Im Gespräch der beiden Gewerkschafterinnen mit Spaar ging es um die Modalitäten des geplanten Stellenabbaus im Zuge der beabsichtigten Verlagerung eines Teils der in der Ostschweiz verbliebenen Produktion zu Bischoffs Joint Ventures nach Thailand und Sri Lanka. Als Erklärung werden wirtschaftliche Gründe genannt. Das soll 50 der 76 Arbeitsplätze kosten.

Betroffen wäre hauptsächlich der Standort am Hauptsitz St. Gallen und damit die Herstellung von Stickereien für die Modebranche. Hingegen möchte Bischoff die Produktion technischer Textilien für das Gesundheitswesen im anderen Werk Diepoldsau hier erhalten.

Gewerkschaften legen Ideen auf den Tisch

Vor einer Woche ist die dreiwöchige Konsultationsfrist abgelaufen. Wie Gähme sagt, haben sie und Gysi Vorschläge präsentiert, um die Restrukturierung möglichst sozialverträglich zu gestalten. Es geht zum Beispiel darum, die betroffenen Arbeitnehmenden mit Hilfe des Regionalen Arbeitsvermittlungszentrums sowie mit Coaching und Outplacement-Begleitung bei der Stellensuche zu unterstützen. Ausserdem solle Bischoff versuchen, den Standort Diepoldsau mit den technischen Textilien weiter zu stärken.

Ferner spricht Gähme vom Konzept einer Transfergesellschaft. In dieser sollten die Arbeitnehmenden qualifiziert werden, damit sie in ungekündigter Stellung eine neue Beschäftigung auch ausserhalb der Textilindustrie antreten könnten.

Bischoff-Sprecher Sven Bradke bestätigt:

«Der Dialog ist sehr konstruktiv verlaufen.»

Von den Ideen, welche die Gewerkschafterinnen vorgelegt hätten, habe das Unternehmen «vieles schon initiiert oder umgesetzt.» So habe Bischoff die technischen Textilien als «Zukunftsprojekt» identifiziert und wolle «das Möglichste tun», um sie hier zu behalten. «Dieses Geschäft hat hohes Innovationspotenzial.»

Für die Einrichtung einer Transfergesellschaft sei das Unternehmen wohl zu klein, sagt Bradke. Er verweist aber auf frühere Angaben, wonach Bischoff den Betroffenen bei der Stellensuche zusammen mit dem Amt für Wirtschaft so gut wie möglich helfen wolle. Zudem werde man Härtefälle vermeiden, und zur «grosszügigen finanziellen Unterstützung» der einzelnen Beschäftigten steht ein Vorsorgefonds zur Verfügung.

Unia macht sich «keine Illusionen»

Wie Bradke sagt, werden Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Bischoff Textil AG alle Vorschläge der Gewerkschaften «vertieft prüfen». Die Mitarbeitenden würden über die Resultate und weiteren Schritte frühestens am 22. Oktober informiert. Sollte die Verlagerung wie geplant durchgezogen und 50 Stellen abgebaut werden, lautet der Zeithorizont dafür Sommer 2019. Anke Gähme macht sich «keine Illusionen»:

«Die Verlagerung lässt sich kaum mehr vermeiden. Aber immerhin bleibt uns bis dahin noch etwas Zeit.»

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