Bis zu 15 Filialen als Ziel: Genfer Gelateria plant den grossen Glacé-Coup auch in der Deutschschweiz

Die Glacé-Kette Manu ist in der Rhonestadt Kult. Nun will sie stark expandieren. Doch die Konkurrenz mit der «Gelateria die Berna» oder «Kalte Lust» ist gross. Und da gäbe es noch ein anderes Problem.

Benjamin Weinmann, Genf
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Gelateria mit Expansionshunger: Manu will in der Schweiz kräftig wachsen.

Gelateria mit Expansionshunger: Manu will in der Schweiz kräftig wachsen.

Manu/zvg

In Genf sind sie Kult: Die knallgrünen Eisdielen mit dem einprägsamen Namen. Manu. An heissen Tagen stehen die Genfer jeweils Schlange, um sich einen Becher oder ein Cornet mit den süssen Glacékugeln zu ergattern. Begonnen hatte Gründer und Namensgeber Emanuele Zanchi vor zehn Jahren. Inzwischen gibt es Manu an sechs Standorten, viermal in Genf, einmal in Nyon VD und seit Mai in Lausanne VD.

Laut dem Italiener, der seit rund 13 Jahren in Genf lebt, dürfte Manu in der Schweiz umsatzmässig die grösste oder zweitgrösste, unabhängige Gelateria sein. In der Deutschschweiz bringt es die Gelateria die Berna bald auf sieben Standorte, der Oltener Betrieb «Kalte Lust» auf vier. Branchenzahlen gibt es allerdings keine.

Geht es nach Zanchi, dürfte die Rangordnung aber bald klar sein. Denn er plant die grosse Expansion. Der ehemalige Banker, der seine Passion zum Beruf machte, weil ihm hierzulande echte «gelati italiani» fehlten, geht in die Offensive.

«Nach einem Jahrzehnt Erfahrung in diesem Business bin ich überzeugt, dass Manu auch in anderen Städten Erfolg haben kann.»

Für den Ausbau hat Zanchi das Franchise-Modell gewählt: Interessierte können gegen eine Gebühr das gesamte Modell inklusive Shopkonzept, Ausbildung und Beratung erkaufen, arbeiten aber als eigenständige Unternehmer. Berühmt gemacht hat das Konzept McDonald’s. Statt Burger sollen in diesem Fall aber Stracciatella-, Limone- und Lampone-Kugeln den Erfolg garantieren.

Italianità in Glacé-Form: Manu hat in Genf bereits zahlreiche Fans. Bald auch in der Deutschschweiz?

Italianità in Glacé-Form: Manu hat in Genf bereits zahlreiche Fans. Bald auch in der Deutschschweiz?

Manu/zvg

Zanchi und sein Geschäftspartner haben die bisherige Produktionsanlage in Meyrin komplett erneuert und die Kapazitäten massiv erweitert. Kostenpunkt: Rund 1 Million Franken. «Nun können wir bis zu 6000 Liter Eiscrème pro Tag produzieren», sagt der 41-Jährige aus Genua. Zum Vergleich: An einem guten Tag verkauft eine Manu-Boutique 250 bis 300 Liter. Theoretisch wären also Kapazitäten für über 20 Filialen verfügbar. Zanchi gibt sich vorsichtig: «Ich halte bis zu 15 Filialen mittelfristig für realistisch.» Bei durchschnittlich sieben Angestellten pro Standort ergäbe dies rund 70 zusätzliche Stellen.

Zürich, Luzern, Basel und St. Gallen als Ziel

Zuversichtlich ist der Unternehmer auch dank den Erfahrungen in Lausanne, dem ersten Franchise-Projekt. «Seit wir dort gestartet sind, erhalten wir zahlreiche Anfragen aus Städten wie Neuenburg oder Yverdon für weitere Partnerschaften.» Klar sei für ihn, dass Manu auch in Deutschschweizer Grossstädten wie Zürich, Bern, Luzern, St. Gallen und Basel präsent sein werde.

Die grosse Herausforderung im Gelato-Business sei die Saisonalität, sagt Zanchi. «Wir müssen unsere Umsätze zwischen März und Oktober erwirtschaften, und das Wetter ist matchentscheidend, ob wir an einem Tag viel oder manchmal sogar Null Franken in der Kasse haben.» Während dieser Zeit bleiben die Manu-Filialen zwölf Stunden pro Tag geöffnet, von Mittag bis Mitternacht.

Das Personal erhält jeweils nur einen befristeten Vertrag. Somit beginnt die Job-Interviewrunde Anfang Jahr für Zanchi immer wieder von vorne. «Insofern sind Januar und Februar die stressigsten Monate, auch wenn die Geschäfte dann noch nicht geöffnet sind.»

Dieser August ist entscheidend

Bauchschmerzen bereitet dem Gelato-Unternehmer derzeit vor allem die Coronakrise. Im Kanton Waadt mussten die beiden Filialen während des Lockdowns vier Monate lang schliessen, da sie aus Sicht der Regierung keine notwendigen Produkte verkauften. In Genf hingegen brachte das Leid der Eisdielen offenbar die Herzen der Behörden zum Schmelzen: Die Gelaterias durften offenbleiben.

«Die langen Schlangen vor den Filialen gaben den optischen Eindruck, dass alles in Ordnung war. Dem war aber nicht so.» Man habe draussen das Social Distancing angewandt und die Anzahl Kunden in der Filiale begrenzen müssen. Allein im April lagen die Umsätze 40 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Und im Juni habe das Wetter nicht mitgespielt, sagt Zanchi. Mietzinsreduktionen habe man praktisch keine erhalten, dafür einen Corona-Kredit des Bundes. «Der August wird nun für das Jahresresultat entscheidend sein.»