25-Millionen-Investition: Bioforce macht sich im Thurgau breit

Das Thurgauer Unternehmen nimmt eine neue Produktionsstätte in Betrieb und besinnt sich seiner Wurzeln. Besuchern wird künftig mehr geboten. 

Christof Lampart
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Bioforce-Chef Peter Gmünder im Kräutergarten. (Bild: Andrea Stalder / Roggwil, 11. Juni 2018)

Bioforce-Chef Peter Gmünder im Kräutergarten. (Bild: Andrea Stalder / Roggwil, 11. Juni 2018)

«Mit der neuen Produktionsstätte können wir den wachsenden Bedarf unserer acht Tochtergesellschaften und gut zehn internationalen Partner auch langfristig sicherstellen.» Das sagt Peter Gmünder, CEO der Bioforce-Gruppe. Tatsächlich hat die Herstellerin pflanzlicher Heilmittel mit dem 45 Meter langen, 17 Meter breiten und 15 Meter hohen Neubau samt modernisierter Besucherinfrastruktur, was total über 25 Millionen Franken kostete, nun deutlich mehr Platz an ihrem Stammsitz in Roggwil.

Die moderne Infrastruktur soll sicherstellen, dass auch künftig alle regulatorischen Anforderungen der Zulassungs­behörden erfüllt werden. «Die nationalen und internationalen Anforderungen an die Produktion und Qualitätssicherung von Arzneimitteln wurden in den vergangenen Jahren deutlich verschärft, und wir erwarten, dass dieser Trend weitergeht», so Gmünder vorausblickend.

Mitte September geht’s los

Bereits seit Anfang August werden die ersten Ernten im Neubau versuchsweise verarbeitet. Die Produktion wird schrittweise in Betrieb genommen, bedingt durch die Freigabe der ­zuständigen Behörden und die Erntezeitpunkte der Pflanzen. Die frisch geernteten Rohstoffe werden dann über eine Schleuse angeliefert, geschnitten, mit Alkohol extrahiert und abgepresst. Anschliessend wird der gewonnene Extrakt ins neue Tanklager gepumpt. Je nach ­galenischer Form (Tinkturen, Tabletten, Heissgetränk) und erforderlicher Konzentration wird er weiterverarbeitet. Die zwei vollautomatischen Grossmengen-Linien (4000 und 6000 Liter) sowie eine spezielle Kleinmengen-Linie entsprechen laut eigenen Angaben dem neusten Stand der Technik.

Offiziell eröffnet wird die Anlage am 12. September im Beisein von Prominenz aus Politik und Wirtschaft. Unter anderem hat auch Grossratspräsident Kurt Baumann sein Kommen angekündigt. Bioforce will am Produktions- und Denkplatz Ostschweiz festhalten. Trotz der immer grösser werdenden Herausforderungen der Wechselkurse sei im Thurgau die Mischung aus Rahmenbedingungen, qualifiziertem Personal und Bauern, die nach den Bioforce-Bedürfnissen anpflanzen, «sehr gut», betont Gmünder.

«Für uns ist es wichtig, dass wir die ganze Wertschöpfung maximal unter eigener Kontrolle haben.»

Das beinhalte «jeden einzelnen Schritt, von der Aussaat über die Auslieferung unserer Arzneimittel bis hin zur Freigabe für den Export. Dieser geht bis nach Kanada, Australien und Südafrika. Der Auslieferung gehen teils bis zu 200 Qualitätskontrollen voraus».

Neu gestaltete Infrastruktur für Besucher

Per 1. Januar 2020 ändert die Bioforce AG ihren Namen in A.Vogel AG. Dieser geht zurück auf Alfred Vogel, der das Unternehmen 1963 in Roggwil gründete. Gäste will das Unternehmen künftig in seiner neuen Besucherinfrastruktur willkommen heissen.

Blick in die Produktion der Bioforce in Roggwil (Bild: Urs Bucher)

Blick in die Produktion der Bioforce in Roggwil (Bild: Urs Bucher) 

Auf dem neugestalteten und erweiterten Rundgang werden die Besucher – vergangenes Jahr nahmen 7000 Personen an einer der Führungen teil – in die Welt der Phytopharmaka-Produktion eingeführt. Das Besuchsprogramm umfasst Filme, Infotafeln, multimediale Installationen und die Besichtigung von Showrooms und der Produktionsstätte.

Bioforce in Zahlen

Die Bioforce-Gruppe entwickelt und produziert pflanzliche Arzneimittel (Phytopharmaka), Nahrungsmittel und Nahrungsergänzungsmittel aus Frischpflanzen. Das Unternehmen setzt mit seinen neun Gruppengesellschaften in Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Grossbritannien, Holland, Irland, Kanada und der Schweiz brutto über 130 Millionen Franken um. Über 80 Prozent davon trägt das Ausland bei. Bioforce hat 500 Angestellte, davon 170 hierzulande. (art.)

Bioforce ruht nicht und geht neue Wege

«Gute Besserung» – heute meist «rasche Besserung» – wünscht man sich allenthalben. Mit einem Projekt für ein Naturheilprodukt ist ein Team der Fachhochschule St. Gallen für den WTT Young Leader Award nominiert.

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Christof Lampart