Bina setzt auf Schweizer Bauern

Trotz mehrerer Erschwernisse hat der Migros-Produktionsbetrieb in Bischofszell vergangenes Jahr sein Geschäft ausgebaut. Das Unternehmen verarbeitet wenn möglich Schweizer Rohstoffe und ist flott ins neue Jahr gestartet.

Thomas Griesser Kym
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Markus Lüssi (links), Leiter der Geschäftseinheit Früchte, und Bina-Chef Otmar Hofer mit Erdbeeren zur Herstellung von Konfitüre. (Bild: Urs Bucher)

Markus Lüssi (links), Leiter der Geschäftseinheit Früchte, und Bina-Chef Otmar Hofer mit Erdbeeren zur Herstellung von Konfitüre. (Bild: Urs Bucher)

BISCHOFSZELL. Um 4% auf 543,7 Mio. Fr. hat die Bischofszell Nahrungsmittel AG (Bina) ihren Umsatz vergangenes Jahr gesteigert. Otmar Hofer, Unternehmensleiter des Migros-Produktionsbetriebs, nennt zwei Faktoren: Zum einen die letztjährige Übernahme der Schweizer Getränke AG Obermeilen (SGO), die den Umsatz vor allem der kleinsten Geschäftseinheit Früchte nach oben getrieben hat, zum anderen eine Zunahme der Verkäufe um gut 3% in der Geschäftseinheit Fertiggerichte, die mit 260 Mio. Fr. annähernd für den halben Umsatz der Bina steht. Ein Trend geht hier zu gekühlten Frisch- und Ultrafrischprodukten, wobei laut Hofer die 2013 eingeführten Salate und Birchermüesli in der Gunst der Konsumenten weiterhin stark zulegen.

Neues Phänomen bei Kartoffeln

Leicht rückläufig waren dagegen die Verkäufe der beiden anderen Geschäftseinheiten Getränke und Kartoffelprodukte. Aber auch hier sind die Absatzmengen gestiegen, wobei diese bei den Getränken nach mehrjährigen Rückgängen erstmals wieder anzogen. Hofer erklärt die Entwicklung bei den Getränken – weniger Umsatz, mehr Absatz – mit «einer Verschiebung zu eher günstigeren Produkten». Bei den Kartoffelprodukten wiederum macht er «ein neues Phänomen im Veredelungsverkehr» aus. Bekanntlich ist der Schweizer Kartoffelmarkt geschützt. Allerdings besteht die Regel, dass bei Exporten von Kartoffeln in die EU eine gleiche Menge verarbeiteter Kartoffelprodukte zollbegünstigt in die Schweiz zurück importiert werden kann. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Produkte aus den zuvor exportierten oder überhaupt aus Schweizer Kartoffeln hergestellt worden sind; es geht rein um die äquivalente Menge. Hofer beobachtet als Folge einen vermehrten Veredelungsverkehr, vor allem bei Pommes Chips. Diese sind «preislich attraktiv», sprich relativ teuer, und ausländische Chipshersteller versuchen vermehrt Fuss zu fassen auf dem Schweizer Markt, auf dem der Platzhirsch Zweifel eine starke Position inne hat. Hofer selber will dieses Spiel nicht mitmachen: «Die Bina will die Wertschöpfung integral in der Schweiz erbringen», also hier Pommes Chips aus Schweizer Kartoffeln herstellen. Allerdings führt diese Geschäftspolitik dazu, dass wegen des Preisdrucks und der ausländischen Konkurrenz die Schere zwischen Umsatz und Absatz aufgeht. 2014 setzte die Bina mit 26 600 Tonnen Kartoffelprodukten 104 Mio. Fr. um, 2010 mit 26 500 Tonnen 113 Mio. Franken. Auch bei der Konfitüre schwört die Bina auf Schweizer Zucker und, wenn immer möglich, Schweizer Früchte.

Export tritt an Ort

Nach Kundengruppen hat die Bina 2014 sowohl im Detailhandel mit der Migros als wichtigstem Verkaufskanal als auch im Grosshandel zugelegt. In letzterem überproportional; dies dank der Übernahme der SGO, deren Standort bis in zwei Jahren nach Bischofszell verlegt wird (vgl. Ausgabe vom letzten Freitag). An Bedeutung gewonnen als Folge der Frankenstärke hat sodann der EU-Standort im vorarlbergischen Frastanz, wo die Bina-Tochter Gastina den Umsatz um fast 5% auf 24 Mio. € steigerte. Stagnierend ist jedoch der Bina-Export mit gut 24 Mio. Franken. Hier soll vor allem die Geschäftseinheit Früchte Gas geben; mittelfristig soll sie 20% ihres Umsatzes im Ausland erzielen, vor allem in Asien, im Mittleren Osten und in den USA – «bewusst ausserhalb der Eurozone», wie Hofer sagte.

Gelungener Start ins neue Jahr

Ins laufende Geschäftsjahr hat die Bina «den Rückenwind von 2014 mitgenommen». Für das 1. Quartal 2015 nennt sie ein Wachstum des Umsatzes um 3,8% auf 136 Mio. Franken. Die Gastina hat sich um 9,4% auf 6,8 Mio. € gesteigert.

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