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«Bild sieht nicht so schlecht aus»

In der Schweizer Wirtschaft greifen noch nicht alle Rädchen ideal ineinander. Trotzdem äussert UBS-Chefökonom Daniel Kalt Zuversicht, sieht aber auch die Arbeitnehmenden gefordert.
Martin Sinzig
Produktion von Spezialschrauben bei einer der hiesigen «Industrieperlen» (UBS-Ökonom Daniel Kalt), der SFS Group. (Bild: Michel Canonica)

Produktion von Spezialschrauben bei einer der hiesigen «Industrieperlen» (UBS-Ökonom Daniel Kalt), der SFS Group. (Bild: Michel Canonica)

Daniel Kalt ist Teil eines globalen Teams von Ökonomen und Anlageexperten, welche die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte beobachten und Anlageempfehlungen erarbeiten. Am vergangenen Mittwoch vermittelte der UBS-Chefökonom und Regional Chief Investment Officer Schweiz vor Anlagekunden in Ermatingen seinen Ausblick.

Wie beurteilen Sie die Ostschweizer Wirtschaft?

Die Ostschweiz ist gut aufgestellt. Die Kantone verfolgen eine sehr solide Finanzpolitik, und sie sind auf vielen Ebenen wettbewerbsfähig. Auf Unternehmensseite sind einige Industrieperlen zu finden, Firmen, die herausstechen, wie zum Beispiel eine SFS Group, aber auch weitere Betriebe aus dem Textilmaschinensektor, aus der Mikroelektronik und anderen Bereichen. Sie haben sich oft enorm gute Nischen erarbeitet.

Die Schweizer Wirtschaft dürfte 2016 langsamer wachsen als im Vorjahr. Wie lautet Ihre aktuelle Prognose?

Wir sehen für das laufende Jahr ein Wachstum der Schweizer Wirtschaft von 1,4 Prozent, dies nach einem recht soliden zweiten Quartal, das als Ausreisser nach oben erscheint. Es stellt sich heraus, dass die Bremsspuren, welche die letztjährige Frankenaufwertung hinterlässt, viel länger wirken. Es ist ein schleichender Prozess. Kommt hinzu, dass der Wachstumsmotor Immigration deutlich langsamer läuft.

Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft haben sich die Exporte beschleunigt.

Wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt. Das Bild sieht nicht so schlecht aus. Wir sehen generell in der Weltwirtschaft für das kommende Jahr eine leichte Beschleunigung. Das gilt für Deutschland, für die USA, und auch in China wird stimuliert. Daher erwarten wir von der Exportseite einen positiven Wachstumsbeitrag.

Dennoch halten sich Schweizer Firmen mit Investitionen zurück. Bereitet das Sorgen?

Im Prinzip schon. Der Bauboom neigt sich dem Ende zu, und auch die Ausrüstungsinvestitionen sind schon dieses Jahr schwach gewesen. Auch nächstes Jahr sind nicht viele Impulse zu erwarten, denn viele Unternehmen sind zurückhaltend und verlagern zum Teil ins Ausland. Die Investitionen werden darum nicht der grosse Treiber sein.

Der Staatskonsum wächst derzeit fast doppelt so stark wie der Privatkonsum.

Auch nächstes Jahr gehen wir von diesem Muster aus. Dass der Privatkonsum nicht mehr so stark zulegt, hat vor allem mit der geringeren Einwanderung zu tun. Das stärkere staatliche Wachstum hat strukturelle Gründe. Im öffentlichen Sektor steigt die Beschäftigung seit einigen Jahren kräftig. Der Gesundheitssektor wächst, demographisch bedingt, quasi unbeeinflusst von der Konjunktur. Auch die öffentliche Verwaltung ist deutlich gewachsen.

Der Immobiliensektor stagniert.

Kommt es hier zur Sättigung und zu Preiskorrekturen?

Ich denke nicht, dass es zu einem Preiscrash kommt, aber es gibt einzelne Regionen und Segmente, wo Vorsicht geboten ist. Institutionelle Anleger wie Pensionskassen und Versicherungen sind auf der Suche nach Rendite und ziehen überall, auch in der Ostschweiz, Mietobjekte hoch. Das könnte zu einem Überangebot führen. Wir sehen bereits jetzt, dass die Leerstände steigen, und es ist absehbar, dass die Preise unter Druck kommen. Schliesslich wird das ein Rennen um die qualitativ besseren Objekte bringen. Das verursacht wiederum geringere Renditen für ältere Wohnimmobilien.

Wie läuft es am Arbeitsmarkt?

Angesichts des verhaltenen Wirtschaftswachstums sehen wir keinen markanten Anstieg der Arbeitslosigkeit. Der Strukturwandel wird sich jedoch beschleunigen. Da gibt es aus der Mikroperspektive dennoch Unsicherheit. Nicht wenige Arbeitnehmende werden sich umschulen und neue Perspektiven finden müssen.

Daniel Kalt UBS-Chefökonom (Bild: Hanspeter Schiess)

Daniel Kalt UBS-Chefökonom (Bild: Hanspeter Schiess)

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