BEWEGUNG: Chemiekonzerne schichten um

Bayer will einen Teil des Geschäfts an BASF verkaufen, um die Behörden für seinen Monsanto-Deal positiv zu stimmen.

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Im Zuge der geplanten Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto will Bayer einen Teil seines Geschäfts mit Saatgut und Herbiziden an BASF veräussern. Die beiden deutschen Chemieriesen fixierten entsprechende Vereinbarungen von 5,9 Milliarden Euro. Der Deal soll aber nur zustande kommen, wenn Bayer die geplante Übernahme von Monsanto aus den USA tatsächlich gelingt. Die EU-Wettbewerbshüter prüfen derzeit die Pläne für die 66 Milliarden Dollar schwere Übernahme.

Der Kauf umfasst das weltweite Glufosinat-Ammonium-Geschäft sowie ausgewählte Saatgut-Bereiche, wie BASF und Bayer gemeinsam mitteilten. Mit der Transaktion kann Bayer seine Monsanto-Pläne zumindest indirekt vorantreiben. Denn mit dem Verkauf wolle der Konzern «aktiv auf die potenziellen Bedenken der Regulierungsbehörden» eingehen, machte Bayer-Chef Werner Baumann klar. BASF selbst drohte bei der bisherigen Ausgangslage durch die Konzentration bei Saatgut und Pflanzenschutz als weltweite Nummer vier abgehängt zu werden. Für BASF-Chef Kurt Bock ist die Übernahme darum die Chance, in die Produktion von Saatgut einzusteigen und mit DowDuPont, Syngenta und Bayer/Monsanto mitzuhalten. Zur Übernahme weiterer Geschäfte, die Bayer verkaufen muss, hielt sich der BASF-Chef bedeckt. «Wir haben gekauft, was uns angeboten wurde und was für uns attraktiv ist.» Alles andere sei hypothetisch.

Lücken schliessen

BASF hatte bisher vor allem Fungizide und Pestizide im Programm, bei Herbiziden gab es aber Lücken. Der Ludwigshafener Konzern erweitere mit dem Zukauf das Pflanzenschutzgeschäft, stärke das Herbizid-Portfolio und steige in wichtigen Agrarmärkten in ein eigenes Saatgutgeschäft ein, erläuterte Konzernchef Kurt Bock. Alle betroffenen Mitarbeiter will BASF übernehmen und für mindestens drei Jahre zu unveränderten Konditionen weiterbeschäftigen.

EU-Kommission hat Bedenken

Der Verkauf an BASF kommt nur zustande, wenn die Kartellbehörden die Übernahme von Monsanto durchwinken. Die EU-Kommission hatte dagegen ernsthafte Bedenken angemeldet. Die EU-Kommission hatte nach einer ersten Untersuchung die Sorge geäussert, dass der Zukauf den Wettbewerb unter anderem in den Sparten Pestizide und Saatgut beeinträchtigen könnte.

Um grünes Licht aus Brüssel für die Milliarde-Übernahme zu erreichen, muss sich Bayer somit von Geschäften trennen. Die EU-Kommission hatte zuletzt erklärt, sie habe ihre Prüfung bis zum 22. Januar 2018 verlängert. Der endgültige Zusammenschluss mit Monsanto würde Bayer zum Weltmarktführer in der Agrarchemie machen. (rtr/dpa)