Betrugsfall ASE: Staatsanwalt geht vor Bundesgericht

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft ist der Präsident der Fricktaler Firma zu milde weggekommen. Das Obergericht reduzierte seine Strafe im Februar auf 28 Monate.

Andreas Möckli
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Der Geschäftsführer der Firma ASE hat ein riesiges Schneeballsystem betrieben und damit knapp 2000 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen. Bild: Walter Bieri/Keystone

Der Geschäftsführer der Firma ASE hat ein riesiges Schneeballsystem betrieben und damit knapp 2000 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen. Bild: Walter Bieri/Keystone

Einer der grössten Fälle von Anlagebetrug in der Schweiz gelangt vor das Bundesgericht. Die Rede ist von der Fricktaler Investmentfirma ASE. Diese hatte zwischen 2006 und 2012 ein riesiges Schneeballsystem betrieben und damit knapp 2000 Geschädigte um 170 Millionen Franken betrogen. Das Aargauer Obergericht hat den Geschäftsführer der ASE, Martin Schlegel, zu einer Freiheitsstrafe von sieben Jahren verurteilt. Das Bezirksgericht Laufenburg hatte sich als Vorinstanz für neun Jahre ausgesprochen. Die Strafe für Geschäftspartner und Verwaltungsratspräsident Simon Müller wurde von fünf Jahren auf 28 Monate herabgesetzt.

Der Staatsanwalt Karl Knopf zeigte sich bereits nach dem mündlichen Urteil Anfang Februar unzufrieden. Nun zieht er den Fall an das Bundesgericht weiter, wie eine Sprecherin der kantonalen Staatsanwaltschaft Aargau auf Anfrage dieser Zeitung sagt. Beim Urteil des Obergerichts gegen Schlegel seien formelle Fehler der Grund für den Weiterzug. Was damit konkret gemeint ist, sagt die Sprecherin nicht. Bei Müller stört sich die Staatsanwaltschaft an der milden Strafe.

Was wusste der Präsident der Betrugsfirma?

Während Schlegel geständig ist und sich an der Aufarbeitung des Falls beteiligte, bestritt Müller sein Mitwissen und damit seine Schuld. Vor dem Bezirksgericht verlas er eine 67-seitige Erklärung, ohne dabei Fragen des Gerichts zu beantworten. Vor Obergericht sagte er dann aus. Zwar gab es zahlreiche Warnsignale, darunter zwei Artikel in der Zeitschrift «K-Geld», welche die zwielichtigen Praktiken der ASE beschrieben hatten. Er habe diese Warnungen nicht als Hinweis für Schlegels Schneeballsystem wahrgenommen. Müller habe sich schlicht nicht vorstellen können und auch nicht ansatzweise geahnt, dass Schlegel ihn derart hintergangen habe.

Das Obergericht befand, dass es für das Mitwissen Müllers lediglich Indizien, aber keine Beweise gebe. Deshalb gelte der Grundsatz «Im Zweifel für den Angeklagten». Zwar habe er eine gewisse Sorgfalt vermissen lassen, was seine Aufsichts- und Kontrollpflichten als Verwaltungsratspräsident anbelangt. Allerdings habe er nicht vorsätzlich, sondern lediglich fahrlässig gehandelt. Das reiche nicht zu einer Verurteilung wegen Misswirtschaft aus. Freigesprochen wird er auch bezüglich mehrfacher ungetreuer Geschäftsbesorgung. Schuldig ist er einzig, weil er Provisionen von der Bank kassiert hat, statt sie den Kunden weiterzugeben.

Die Anwälte von Müller sowie von Schlegel wollten sich auf Anfrage nicht dazu äussern, ob die beiden Angeklagten den Fall ans Bundesgericht weiterziehen.

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Andreas Möckli

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