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BETEILIGUNG: Bei Clariant reden bald Saudis mit

Der staatliche Chemiekonzern Sabic erwirbt einen 25-Prozent-Anteil an Clariant von oppositionellen US-Investoren. Über die neuen Investoren und deren Absichten ist bisher nur wenig bekannt.
Daniel Zulauf
Unklar scheinen die Absichten der neuen Investoren beim Spezialchemie-Hersteller Clariant. (Bild: Arnd Wiegmann/Reuters (Pratteln, 29. Oktober 2017))

Unklar scheinen die Absichten der neuen Investoren beim Spezialchemie-Hersteller Clariant. (Bild: Arnd Wiegmann/Reuters (Pratteln, 29. Oktober 2017))

Daniel Zulauf

Im Aktionärsstreit um das Chemieunternehmen Clariant kommt es zu einer unerwarteten Wende. Knapp zwei Monate vor der Clariant-Generalversammlung wirft White Tale das Handtuch. Über die Beteiligungsgesellschaft halten drei oppositionelle US-Investoren insgesamt 25 Prozent aller Clariant-Anteile. Es handelt es sich um den Hedge-Funds Corvex sowie um zwei Industrielle, die ihre Interessen in einem Vehikel namens 40 North bündeln.

Bis gestern sah alles danach aus, als würde der Streit zwischen dem Trio und dem Clariant-Verwaltungsrat am 19. März in einem Showdown eskalieren. White Tale hatte vergangenes Jahr die von Clariant angestrebte Fusion mit US-Konkurrent Huntsman vereitelt und so einen schweren Konflikt mit Clariant-Chef Hariolf Kottmann und seinem Aufsichtsgremium heraufbeschwört. Nun verkaufen die Amerikaner ihr Aktienpaket an den saudischen Chemiekonzern Sabic.

70 Prozent in Händen des saudischen Staats

Gestrigen Mitteilungen zufolge erwirbt Sabic einen Anteil von 24,99 Prozent an Clariant. Unmittelbar vor dem Verkauf hatten die Clariant-Aktien den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Die Titel erreichten Anfang Woche ein Niveau von 29.50 Franken. Gemessen an diesem Preis hat die Transaktion einen Wert von 2,4 Milliarden Franken.

Aber es ist davon auszugehen, dass Sabic einen Zuschlag für das fixfertig geschnürte Aktienpaket bezahlt hat. Je nach Höhe dieses Zuschlages dürfte White Tale einen Gewinn von 700 Millionen bis 1 Milliarde Franken gemacht haben. Die letzten 5 Prozent erwarben die White-Tale-Investoren erst in den vergangenen drei Monaten. Dies deutet darauf hin, dass sich die Amerikaner bis zuletzt für den Kampf gegen Kottmann & Co. gerüstet hatten. White Tale wollte eine Überprüfung der Firmenstrategie von Clariant durch externe Berater durchsetzen und forderte eine direkte Vertretung im Verwaltungsrat.

Über die Absichten des neuen Grossaktionärs Sabic ist wenig bekannt. Immerhin heisst es, man plane «zurzeit» keine Schritte in Richtung einer Vollübernahme. Damit enttäuschen die Saudis aber die Hoffnungen vieler Investoren. Die Clariant-Aktien verloren gestern zeitweise mehr als 10 Prozent.

Sabic heisst mit vollem Namen Saudi Basic Industries Corporation. Das Unternehmen ist einer der weltgrössten Petrochemiehersteller. Mit über 35000 Mitarbeitern setzte der Konzern 2016 umgerechnet rund 35 Milliarden Franken um. Sabic wird erst seit 2014 an der Börse gehandelt. Noch immer befinden sich 70 Prozent aller Aktien in den Händen des saudischen Staats. Inzwischen ist Sabic unter anderem ein grosser Hersteller von Ethylen und Polyethylen. Daneben stellt die Firma auch Ammoniak und Harnstoff her, die für die Produktion von Düngemitteln verwendet werden.

Zum Unternehmen gehört aber auch ein Spezialchemiebereich. Hier liegt denn auch die Anknüpfung mit Clariant. Sabic dürfte einer der grössten Kunden von Clariant sein, indem die Saudis etwa Katalysatoren bei der Baselbieter Firma einkaufen. Katalysatoren kommen etwa bei der Produktion von Fettalkoholen, Schwefelsäure oder Formaldehyd zum Einsatz. Zudem besitzen Clariant und Sabic ein Gemeinschaftsunternehmen namens Scientific Design Company mit Sitz in New Jersey. Die Zusammenarbeit geht auf die von Clariant übernommene Süd-Chemie zurück. Sabic hat sich überdies auch für den Kauf der Süd-Chemie interessiert, unterlag aber 2011 in einem Bieterverfahren gegen Clariant. Vergangenen Herbst hat Sabic seinen Verwaltungsrat neu zusammengesetzt und dabei erstmals auch zwei Vertreter aus dem Westen an Bord geholt.

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