Besser, aber weit entfernt von gut

Fast alle Ökonomen hatten die Schweiz in einer Rezession erwartet. Doch nun ist die Wirtschaft im zweiten Quartal gewachsen und so einer Rezession entronnen. Das Plus ist dank mehrerer Faktoren zustande gekommen. Erstens hat sich der Privatkonsum solid entwickelt.

Thomas Griesser Kym
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Fast alle Ökonomen hatten die Schweiz in einer Rezession erwartet. Doch nun ist die Wirtschaft im zweiten Quartal gewachsen und so einer Rezession entronnen. Das Plus ist dank mehrerer Faktoren zustande gekommen. Erstens hat sich der Privatkonsum solid entwickelt. Dahinter stehen ein robuster Arbeitsmarkt und anhaltende Zuwanderung. Zweitens haben die Unternehmen trotz getrübter Exportaussichten mehr investiert. Das mag auch damit zusammenhängen, dass der starke Franken importierte Kapitalgüter verbilligt hat und die Firmen diesen Vorteil nutzen, um mit neuen Maschinen oder Fahrzeugen ihre Produktivität zu steigern – wobei gerade die Frankenstärke dies wohl auch erzwingt. Drittens haben die Exporte zugenommen. Schweizer Qualität scheint weiterhin gefragt zu sein, und hilfreich sind die Anzeichen einer Konjunkturerholung in der Eurozone und in den USA.

So viel zur frohen Kunde. Es gibt aber auch weniger Erfreuliches. Allgemein wird erwartet, dass die Arbeitslosigkeit in den nächsten Monaten zunimmt. Die Importe sind im zweiten Quartal zurückgerutscht, was neben ihrer Verbilligung auch damit zu tun haben kann, dass Unternehmen in Erwartung schwächerer Produktion und Exporte weniger Vorleistungen und Rohmaterialien im Ausland eingekauft haben. Die jüngsten Monatszahlen zur Industrieproduktion und der Exporte jedenfalls zeigen bereits einen Trend zur Abschwächung. Ausserdem hat manche Firma zur Stützung ihrer Verkäufe Preisnachlässe gewähren müssen, was an den Margen zehrt.

Alles in allem lässt sich sagen: Die Schweizer Wirtschaft hat sich im zweiten Quartal besser respektive weniger schwach entwickelt als befürchtet. Aber die Lage bleibt fragil. Viel hängt davon ab, wie es mit der Weltwirtschaft weitergeht. Kommt diese besser in die Gänge, sollte dies auch den Franken weiter schwächen.

thomas.griesser@tagblatt.ch