Berühmt geworden durch Osama bin Laden

Michael Wrase, Doha, Riad
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Katar Mit 11400 Quadratkilometern ist Katar nur unwesentlich grösser als der Libanon. Von den gut 2 Mio. Einwohnern haben nur etwa 15% die Staatsbürgerschaft des Emirates mit dem höchsten Pro-Kopf-Einwohnern der Welt (132000 $). Katarer «erster Klasse» bekommen kostenlose Wohnungen vom Staat. Auch Arztbesuche sind gratis. Junge Paare erhalten bei der Heirat zudem grosszügige Geldgeschenke von ihrem Staat. Das Heer der asiatischen Gastarbeiter wird dagegen gnadenlos ausgebeutet.

Weltweit bekannt wurde Katar durch seinen Fernsehsender Al Dschasira, der die «Botschaften» von Osama bin Laden exklusiv erhielt und ausstrahlte und während des Arabischen Frühlings meist live über die Volksaufstände in Ägypten, Libyen, Jemen, Syrien und Bahrain berichtete.

Seit 200 Jahren regiert die Familie Al Thani

Katar, das im September 1971 unabhängig wurde, wird seit über 200 Jahren von der aus Saudi-Arabien eingewanderten Familie Al Thani beherrscht. Die Mitglieder des Clans sind Anhänger der ultrakonservativen wahabitischen Lehre, die auch in Saudi-Arabien Staatsreligion ist. Die Al Thanis besetzen auch heute noch die meisten Ministerposten. Anstelle eines Parlaments gibt es eine beratende Versammlung, deren Mitglieder vom Emir ernannt werden und diesen mit Vorschlägen unterstützen dürfen. Geplante Lokalwahlen wurden verschoben. Frauen müssen sich unterordnen. Chef der Exekutive und Judikative ist Emir Tamin bin Hamad al-Thani, der selbst im Kreis der Familien nicht unumstritten ist.

Katar, das sich mit dem Iran ein riesiges Erdgasfeld im Persischen Golf teilt, ist der grösste Exporteur von verflüssigtem Erdgas. Das Emirat verfügt – nach Russland und Iran – über die grössten Gasreserven der Welt.Katar fördert seit Jahren die Muslimbruderschaft, die im Arabischen Frühling die Wahlen in Ägypten und Tunesien gewann. Die von der Bruderschaft propagierte islamische Demokratie wird von Königen und Emiren in Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten als eine Bedrohung ihrer absolutistischen Herrschaft angesehen.

IS hat seine ideologischen Wurzeln in Saudi-Arabien

Muslimbrüder gelten dort als Terroristen und Todfeinde. Es trifft sicher zu, dass Katar radikalen Predigern Asyl gewährt und im syrischen Bürgerkrieg dschihadistische Gruppen unterstützt, die Al Kaida nahestehen. Aber dennoch mutet es doch merkwürdig an, wenn ausgerechnet ein Land wie Saudi-Arabien nun Katar bezichtigt, den internationalen Terrorismus zu fördern. Schliesslich war und ist es Saudi-Arabien selbst, das mit der staatlich geförderten Verbreitung seines intoleranten Islam, dem Wahabismus, den Nährboden des weltweiten islamistischen Terrors erst geschaffen hat. Der sogenannte Islamische Staat (IS) hat schliesslich seine ideologischen Wurzeln ausgerechnet in Saudi-Arabien.

Michael Wrase, Doha, Riad