Bernanke dreht Geldhahn zu

Mit dem Aufkauf von Staatsanleihen für 600 Mrd. Dollar hat die US-Notenbank die Wirtschaft mit billigem Geld versorgt. Jetzt läuft das Programm aus, und der Wirtschaft geht es kaum besser.

John Dyer
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Notenbankchef Bernanke in der Zwickmühle: Die Wirtschaft braucht Geld, Inflation und Verschuldung sprechen für Masshalten. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

Notenbankchef Bernanke in der Zwickmühle: Die Wirtschaft braucht Geld, Inflation und Verschuldung sprechen für Masshalten. (Bild: epa/Jim Lo Scalzo)

Boston. Dieser Geldhahn wird zugedreht. Jedenfalls erwartet eine Mehrheit der Analysten, dass die US-Notenbank Fed kein weiteres Programm zum Aufkauf von Wertpapieren auflegt. «Die politischen Risiken sind so gross, dass die Fed äusserst zögerlich sein wird, weitere Wertpapiere aufzukaufen», schreibt Michael Feroli, Ökonom bei JP Morgan Chase.

Ende Monat läuft das Programm aus, in dessen Rahmen die Fed seit letzten Herbst Staatsanleihen für 600 Mrd. $ aufgekauft hat. Damit hat sie günstiges Geld in die Wirtschaft in den USA und weltweit geleitet. Es war bereits das zweite Programm dieser Art – schon 2008 hatte die Fed auf diese Weise Geld in die Wirtschaft gepumpt. Die klassische Methode, den Geldhahn aufzudrehen, steht der Fed nicht mehr zur Verfügung: Die Zinsen liegen auf Rekordtief.

«Es fehlt jetzt an Vertrauen»

Das Programm hatte zunächst gewirkt. Die Aktienpreise stiegen. Das taten allerdings auch die Rohstoffpreise, und der Dollar fiel. Das weckte Angst vor einer Inflation, gerade auch bei Republikanern im Kongress, die staatlicher Einmischung in die Wirtschaft skeptisch gegenüberstehen. Gegen Ende des Programms freilich lässt dessen Wirkung nach. Im 1. Quartal 2011 wuchs die US-Wirtschaft aufs Jahr hochgerechnet nur um 1,8% – ungewöhnlich wenig für die Zeit nach einer Krise. Die Arbeitslosenquote stieg im April sogar wieder leicht auf 9,1%.

Diese schlechten Nachrichten schürten Spekulationen, Fed-Chef Ben Bernanke würde vielleicht doch das Programm fortsetzen. Doch inzwischen ist die Zustimmung für solche Aktionen gesunken. Angesichts des Streits um die Obergrenze der US-Staatsschulden wächst die Angst, dass die gesamte Wirtschaft mit solchen Programmen in ein Chaos geführt werden könnte. Immerhin hat der Staat bereits die Obergrenze von bisher 14 300 Mrd. $ erreicht. Die Ratingagenturen drohen, die USA als bisher besten Schuldner herunterzustufen. «Es fehlt jetzt an Vertrauen, nicht nur bei Investoren, sondern auch bei Konsumenten und Unternehmern», sagt Liz Ann Sonders vom Handelshaus Charles Schwab. «Einer der wichtigsten Faktoren für diesen Vertrauensverlust ist das billige Geld. Es herrscht die Angst, dass man damit in unbekanntes Gebiet vordringt.»

Wirtschaft unter Potenzial

Doch es gibt auch Ökonomen, die der Fed vorwerfen, zu wenig zu tun. Die Regierung oder die Fed solle den Konsum ankurbeln, indem sie den Amerikanern mehr Geld in die Taschen stecke. «Wir brauchen höhere Staatsausgaben, um Arbeitsplätze zu schaffen», sagt Heidi Shierholz, Ökonomin bei der Denkfabrik Economic Policy Institute.

Bernanke liess vorgestern in einer Rede in Atlanta das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen unerwähnt und legte stattdessen nahe, dass die Fed die Zinsen weiterhin bei Null halten werde. «Die Wirtschaft arbeitet auf einem Niveau deutlich unter ihrem Potenzial. Deshalb braucht es noch immer eine Geldpolitik, die der Wirtschaft entgegenkommt», sagte Bernanke. Viele Analysten sehen darin ein Zeichen, dass die Fed kaum etwas für den Aufschwung tun kann.

Andere Analysten relativieren diesen Pessimismus. Immerhin blieben die ausgegebenen 600 Mrd. $ in der Wirtschaft. «Es wird keine direkten Aufkaufprogramme mehr geben», schreibt Anthony Mirhaydari in seinem Investment-Blog «The Edge»: «Aber das vorhandene Geld wird reinvestiert, wenn die jeweiligen Papiere auslaufen.» Und so kann die Fed ihre Politik zur Ankurbelung der Inflation fortsetzen – wenn auch weniger auffällig.

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