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«Stimmt das Wetter nicht, ist die Saison schon zerzaust»: Berggebiete rüsten auf – und investieren in den Sommertourismus

Nach einem 25-Jahre-Tief erlebt der Wintertourismus in der Schweiz eine zweite gute Saison – und doch verliert der Skisport an Bedeutung.
Niklaus Vontobel
Schneeschuhläufer im Unterengadin. Bild: Andrea Badrutt/Keystone

Schneeschuhläufer im Unterengadin. Bild: Andrea Badrutt/Keystone

Ob Arosa-Lenzerheide, Zermatt, Titlis oder Flims Laax – überall klingen die Rückmeldungen der Bergbahnen ähnlich erleichtert. Sonne und Schnee seien passend zu den Sportferien vorhanden. Man könne nochmals mehr Gäste anlocken als im bereits guten Vorjahr. Zumeist ist man bisher «sehr zufrieden». Dieses Bild passt zu einer Umfrage des Verbands «Seilbahnen Schweiz». Demnach konnten die Hoch­burgen des Wintertourismus bis Ende Januar kräftig zulegen: Graubünden um rund 4 Prozent, das Wallis gar um 10 Prozent.

Damit setzt sich die Trendwende in den Schweizer Alpen fort. Denn der Winter 2016 war eine Saison zum Vergessen, der Tiefpunkt eines jahrzehntelangen Abwärtstrends. Die Zahl der Tagesbesuche in den Skigebieten erreichte den niedrigsten Stand seit 25 Jahren. Doch die folgende Saison brachte die ersehnte Erlösung. Das Wetter spielte endlich wieder mit. Zeitweise gab es zwar zu viel Schnee. Stürme erzwangen die Schliessung manches Lifts. Am Ende gab es aber ein Wachstum von 10 Prozent. Die Branche atmete auf.

Immer mehr Nicht-Skifahrer unterwegs

Nun scheint noch ein Winter der Erlösung zu folgen. In der Branche überwiegt der Optimismus. Zur Saisonhälfte hat man einen Vorsprung zum Vorjahr, der sollte reichen bis Ende April, wenn es wirklich vorbei ist. Arosa Lenzerheide etwa schliesst nach dem Ostermontag am 22. April. Die kommenden Wochen sind entscheidend. Peter Engler, CEO der Lenzerheide-Bergbahnen, sagt daher:

«Abgerechnet wird bekanntlich am Schluss. Aber wir sind zuversichtlich, mindestens gleich gut abschliessen zu können wie im Vorjahr.»

Das Wetter hilft derzeit mit. Doch die Branche arbeitet weiter daran, sich von solchen Zufällen freizumachen. Investitionen in Schneekanonen haben die Abhängigkeit vom Wetter geschmälert. Wobei die Menschenmassen den Weg in die Berge noch immer erst dann finden, wenn die Sonne an Wochenenden oder in den Ferien scheint. So oder so müssen die meisten Bergbahnen mehr tun. Es gilt, was der Branchenführer aus Zermatt sagt:

«Die Zahl der Skifahrer wird nicht zunehmen.»

Auf Dauer wird es im Winter kaum Wachstum geben. An diese Realität haben sich die Zermatt-Bergbahnen längst angepasst. Wachsen will der Branchenbeste des Winters dennoch, und zwar auch im Skisport. Also zielt man darauf ab, der Konkurrenz deren Wintersportler wegzunehmen. In der Marketingsprache wird das weniger brutal ausgedrückt: den Marktanteil weiter ausbauen. Und Zermatt will dort nachziehen, wo die Bergbahnen von Titlis oder der Jungfrauregion schon länger punkten: abseits des Skisports. Bei Bikern nämlich, bei Wanderern und sonstigen Ausflüglern. Und dies im Sommer wie im Winter. Auf dem «Alpine Crossing» zum Beispiel sollen chinesische Gäste künftig Tagesausflüge machen können auf ihren Touren von Mailand nach Paris. Via Seilbahn werden sie vom italienischen Cervinia nach Zermatt gelangen.

Der Wintersport verliert an Bedeutung. In diese Richtung geht der Trend bei den Titlis-Bergbahnen schon seit den Siebzigerjahren. 2018 wurde eine Marke erreicht: Es kamen im Sommer nahezu gleich viele Gäste wie im Winter: 619'000 im Winter, 617'000 im Sommer. «Das erachten wir als ausgeglichen, was erstmals in unserer Geschichte der Fall ist», sagt Marketingchef Peter Reinle. Noch vor zehn Jahren waren es im Winter rund 60 Prozent der Gäste, im Sommer damals erst 40 Prozent. Und selbst im Winter stellt Reinle mittlerweile fest: «Es kommen mehr Nicht-Skifahrer auf den Berg.»

Wintersportler sollen nicht vernachlässigt werden

Im bündnerischen Laax heisst es: «Angesichts des Klimawandels ist es uns wichtig, die Abhängigkeit vom Winter zu reduzieren», sagt Sprecherin Christina Ragettli. Dafür will man in den anderen Jahreszeiten mehr bieten. So will man den Trend nutzen, dass besonders junge Gäste die Berge geniessen wollen – auch ohne Ski. Und man möchte mehr Ausflugstouristen zu sich holen: aus der Schweiz und Grossbritannien oder aus China und den Golfstaaten. Dafür wird mit einer neuen Pendelbahn die «Tektonikarena Sardona» erschlossen, gemäss Unesco ein Weltnaturerbe. All das bedeutet nicht, dass nun die Wintersportler vernachlässigt würden. «Es gibt keine Alternative zu Skifahren und Snowboarden», sagt zum Beispiel Reinle von den Titlis-Bergbahnen. In Zermatt sagt Sprecher Mathias Imoberdorf:

«Wir geben bei den Skifahrern kein Stück nach, im Gegenteil, wir pushen immer weiter.»

Weit unterhalb der Schwergewichte in Zermatt, Titlis oder Laax hat die Schwyzer Bergbahn Sattel Hochstuckli sich weitgehend von den Winterlaunen befreit. Geschäftsführer Marcel Murri erzählt, dem Betrieb sei schon in den Achtzigerjahren fast das Geld ausgegangen. Drei Winter ohne Schnee hätten genügt. Ideen waren gefragt, um Geldgeber zu überzeugen.

Also wurde eine Rodelbahn für den Sommer gebaut, später eine Hängebrücke. Alles Investitionen, die nicht nur an sonnigen Wintertagen rentieren. «Der Winter ist zu kurz, um eine Investition wieder reinzuholen», sagt Murri. Heute verdient Sattel Hochstuckli im Sommer mehr Geld als im Winter. Im Winter wiederum kommen zusehends mehr Nicht-Skifahrer. Für Schlittenfahrer und Wanderer wurden Wege erstellt, an Samstagabenden mit Laternen ausgeleuchtet.

«Im Winter sind wenige Festtage und die Sportferien entscheidend. Stimmt das Wetter nicht, ist die Saison schon zerzaust.»

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