Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Raiffeisen-Präsident ist bereit, die nötigen Impulse zu geben

Guy Lachappelle, der neue Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz, will einiges verändern. Das Reformprogramm wird weiterverfolgt. Mit Nachdruck soll ausserdem die Frauenförderung im Unternehmen vorangebracht werden.
Rebekka Balzarini
Der frischgewählte Präsident Guy Lachappelle. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Brugg, 10.11.2018))

Der frischgewählte Präsident Guy Lachappelle. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Brugg, 10.11.2018))

Es hätte viel zu erzählen gegeben, aber reden wollte keiner. Die 163 Delegierten, die am Samstag meist in kleinen Grüppchen durch die Glastür der Fachhochschule in Brugg verschwanden, wollten keinen Kommentar zu der bevorstehenden Delegiertenversammlung abgeben. Weder zu der anstehenden Wahl des Verwaltungsratspräsidenten mit Guy Lachappelle als einzigem Kandidaten noch zum vorzeitigen Rücktritt von Chef Patrik Gisel. «Mir lose eus das jetzt mal ah», sagte einer der Delegierten lediglich, bevor er seine Zigarette ausdrückte und sich dann ebenfalls auf zum Campussaal machte. Im Gebäude achteten Securitymitarbeiter darauf, dass niemand ausser den geladenen Gästen die Treppe zum Saal hinunterging.

Schliesslich wurde Guy Lachappelle, zuvor Chef der Basler Kantonalbank (BKB), von den Delegierten mit über 90 Prozent der Stimmen gewählt. An der Medienkonferenz posierte er zuerst für die Fotografen. Mit so einem klaren Resultat habe er nicht gerechnet, sagt er auf die erste Frage, die an ihn gerichtet wurde. «Ich freue mich darüber, und ich fühle mich getragen.»

«Nicht spurlos vorbeigegangen»

Die letzten Wochen seien nicht spurlos an ihm vorbeigegangen, gibt er im Interview im Anschluss an die Medienkonferenz zu. «Es war anstrengend. Ich habe es auch ein bisschen unterschätzt, was es heisst, so einen Prozess mitzumachen», so Lachappelle. Die Berichterstattung im Vorfeld der Wahl bezüglich des Falls ASE – der BKB wird vorgeworfen, einen Verdacht auf Geldwäscherei zu spät gemeldet zu haben – habe sich auch auf sein Privatleben ausgewirkt. «Meine Familie trägt den gleichen Namen wie ich. Die kriegen das in der Schule und am Arbeitsplatz zu spüren. Das geht natürlich nicht spurlos an mir vorbei.» Das deutliche Wahlresultat habe ihm jetzt aber gezeigt, dass sich sein Einsatz gelohnt habe.

Digitalisierung und Diversity

Mit der gleichen Leidenschaft will er jetzt auch die Raiffeisen-Gruppe in die Zukunft führen. Der Verwaltungsrat ist grundlegend erneuert worden und soll mithelfen, die «Reform 21» umzusetzen. Wo steht die Bank also in fünf Jahren? Schwierige Frage, findet Lachappelle. «Wenn ich ehrlich bin, dann können wir maximal zwei Jahre vorausplanen. Natürlich haben wir eine Vision, wo wir hinwollen. Aber wir müssen flexibel sein.» Agilität heisse das Zauberwort. In einem Unternehmen mit der Grösse von Raiffeisen sei es deshalb notwendig, dass alle Mitarbeiter mit der digitalen Transformation umgehen können. «Hier setzen wir auch auf Weiterbildung. Mitarbeiter, die bereit sind, Neues zu lernen, nehmen wir mit und suchen nicht nur nach jungen Talenten.»

Wichtig sei es ihm zudem, Frauen zu fördern. Auf dieses Thema angesprochen, hebt er zum ersten Mal im Gespräch die Stimme: «Dazu habe ich eine ganz klare Meinung. Diversity ist für mich ein grosses Ziel.» Bei der BKB habe er sich vorgenommen, dass die Hälfte der Geschäftsleitung bei seinem Abgang aus Frauen bestehen soll. Dieses Ziel habe er erreicht. «Ich habe fünf Töchter. Allein deshalb ist mir Frauenförderung ein grosses Anliegen.» Die Aussage, dass es einfach schwierig sei, gewisse Positionen in Firmen mit Frauen zu besetzen, lässt er nicht gelten. Zwar stimme es, dass sich auf ein offenes Stelleninserat meist wenige Frauen melden. «Aber dann muss man Kandidatinnen mit entsprechenden Kompetenzen halt direkt ansprechen.» Diversity sei ihm bei der Bank nicht nur in Bezug auf Frauen wichtig, sondern auch bei den Regionen. So brauche es im Verwaltungsrat auch Vertreter aus der Romandie.

«Die Kunst ist es, schnell zu sein»

Guy Lachappelle, wie feiern Sie?

Ich glaube, mit einer guten Flasche Wein und meiner Frau.

Hatten Sie viel Stress?

Es war sehr anstrengend. Aber das überzeugende Ergebnis, die ganz klare Wahl, hat sich gelohnt. Ich habe grosse Freude.

Im Vorfeld gab es kritische Stimmen wegen des
Betrugsfalls um die ASE. Wie haben Sie Ihre Kritiker überzeugt?

Ich stand am Anfang ja nicht in der Kritik. Man sagte sogar: Dieser Mann kann das. Er hat bereits mit der BKB eine Krise gemeistert. Dann kam plötzlich wieder das Thema ASE auf, mit den Fragen nach der Rolle, die ich hatte, als ich noch nicht CEO der BKB war. In jedem Treffen in den Regionen war es eines der wichtigsten Themen. Ich konnte meine Rolle aber klären. Ich wurde in diesem Zusammenhang von der Finma auch zweimal überprüft.

Haben Sie je daran gezweifelt, dass Sie der richtige Mann sein könnten?

Nein. Aber ich hatte sicher nicht nur einfache Momente.

Die Raiffeisen ist ein grosses Unternehmen. Wie wollen Sie die Bank in eine erfolgreiche Zukunft führen?

Die Erfolgsmodelle verändern sich wahnsinnig schnell. Die Kunst ist es nicht, vorauszusehen, sondern schnell zu sein. Das Thema ist vor allem die digitale Transformation. Hier ist das Know-how der Mitarbeiter sehr wichtig. (R.B.)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.