Beim Ölpreis steht die heisse Saison an

Börsenspiegel

Bernhard Eugster Senior Portfolio Manager
Drucken
Teilen

Im November des vergangenen Jahres einigten sich die Mitglieder der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) angesichts der lang anhaltenden Baisse des Ölpreises auf eine Begrenzung der Fördermenge. Die Wirkung liess auch nicht zu wünschen übrig: Der Preis pro Fass stieg in der Folge von 45 auf 55 Dollar an.

Als Ende Mai die Verlängerung des Abkommens bis März 2018 bekannt gegeben wurde, löste dies praktisch keinen Preiseffekt mehr aus. Stattdessen machen sich die Marktteilnehmer zunehmend Sorgen darüber, ob im Zuge der Katar-Krise die Förderbeschränkungen auch tatsächlich eingehalten werden oder ob die Einzelinteressen gewisser Staaten die Abmachungen «löchrig» machen werden. Längst vorbei sind die Zeiten, als solche politischen Spannungen zu einem Kursfeuerwerk beim schwarzen Gold geführt hatten.

Zwar haben sich die Opec-Staaten bisher weitgehend an die Abmachungen gehalten, jedoch nimmt deren Einfluss ab. Deshalb sind Öllager weltweit noch immer gut gefüllt und verharren hartnäckig über dem langjährigen Mittel.

Warten auf bessere Zeiten

Das Zünglein an der Waage in Bezug auf das Angebot sind seit einiger Zeit die US-amerikanischen Schieferölproduzenten. Diese sind sehr flexibel und können ihre Produktion dem Marktpreis mit einer relativ geringen zeitlichen Verzögerung anpassen: Steigt der Ölpreis in die Richtung von 50 Dollar pro Fass, rentiert der Schieferölabbau und löst ein beträchtliches Angebotswachstum aus. Fällt er unter die Marke von 40 Dollar, werden dagegen viele Bohrlöcher vorübergehend stillgelegt. Man wartet auf bessere Zeiten – zumindest so lange, wie es sich die meist hoch verschuldeten US-Ölfirmen leisten können.

Dies erklärt auch, weshalb das Öl seit einiger Zeit innerhalb der Preisspanne von 40 bis 55 Dollar notiert. Neben der soliden weltwirtschaftlichen Lage spricht im Moment auch die Saisonalität für höhere Preise: In Saudi-Arabien steigt in den Sommermonaten der Eigenbedarf nach Öl spürbar an, und auch die US-Energiebehörde rechnet in der diesjährigen Reisezeit mit einer neuen Rekordnachfrage nach Benzin. Gleichzeitig sinkt in dieser Zeit die US-Produktion wegen Wirbelstürmen. In den Vermögensverwaltungsmandaten ist die Thurgauer Kantonalbank (TKB) aktuell übergewichtet in breit diversifizierten Rohstofffonds. Risikotolerante Anleger können von der aktuellen Konstellation auf dem Ölmarkt mit der Investition in strukturierte Produkte mit einem genügend grossen Puffer nach unten profitieren.

Bernhard Eugster Senior Portfolio Manager

Thurgauer Kantonalbank